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Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, die Röhre schon einmal so gut besucht erlebt zu haben. Selbst als die schottischen Gitarrenrocker GUN auf Tour vom Chart-Einstieg ihrer Single Word up überrascht wurden, war der Andrang lange nicht so groß, wie bei einem der attraktivsten Tourpackages seit langem: UMBRA ET IMAGO und CULTUS
FEROX.
Für CULTUS FEROX ist die Tour ein echter Glücksfall. Mozarts Wunschband für diese Aufgabe hat so die Möglichkeit sich nur wenige Tage nach der eigenen Headliner-Clubtour noch einmal live zu präsentieren, dieses Mal jedoch einem Publikum, das zwar zur potentiellen Zielgruppe gehört aber trotzdem nicht unbedingt von sich aus in Scharen zu CULTUS FEROX strömen würde.
Von den Rahmenbedingungen, die CULTUS FEROX geboten werden, können die meisten Support-Acts nur träumen. Die zur Verfügung stehende Lightshow ist keinesfalls geringer als auf der eigenen Tour und offensichtlich gibt es auch keine Einschränkungen was die Show-Effekte angeht. Auch die eingeräumte Spielzeit geht gefühlsmäßig in Ordnung. Zu meiner Schande muss ich gestehen, im Eifer der mitreißenden Performance es versäumt zu haben auf die Uhr zu schauen.
(Wir lesen und staunen: Der Drachentöter hat ne Uhr! Red.)
CULTUS FEROX bieten einfach eine gestraffte Version ihrer Headliner-Show. Auffällig, dass dabei alle Stücke mit Gesang von der Setlist kippen. Eine vollkommen richtige Entscheidung. Ein einsamer Rufer verlangt zwar die Wolfsballade, aber der Mehrzahl des Publikums steht der Sinn nach einer forscheren Gangart, und die kommt bei den Spielleuten eben vor allem bei ihren treibenden Instrumentalwerken zum Tragen.
Natürlich sind auch Claudia und Paulinchen mit von der Partie und unterstützen die schweisstreibende Mittelaltershow mit ihrer bekannten Tanz- und Feuerperformance.
Die Berliner werden vom Publikum nach allen Regeln der Kunst abgefeiert und dürften einige neue Freunde dazu gewonnen haben. Für die 'bekannten Gesichter' vor der Bühne, von CULTUS FEROX ausdrücklich begrüßt, war der Auftritt eine Bestätigung der Live-Qualitäten dieser Mittelalterformation.
Eine UMBRA ET IMAGO-Performance mit Worten zu beschreiben ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, will man der Faszination die sie entfaltet auch nur halbwegs gerecht werden. Man muss schon dabei gewesen sein, einmal diesen Mythos mit eigenen Sinnen erfahren haben, um ihn in seiner gesamten Größe zu erfassen. Es ist ein Mosaik, bei dem viele Einzelteile zu einer bemerkenswerten Einheit, einem Gesamtkunstwerk verschmelzen.
Die Musik
Auch wenn böse Zungen diese immer wieder zur Nebensächlichkeit herabwürdigen wollen, in erster Linie sind UMBRA ET IMAGO eine harte Gothic-Rock-Band, die über einen gewaltigen Fundus an großartigen Songs verfügen, aus dem sie reichhaltig schöpfen können.
Natürlich liegt der Schwerpunkt an diesem Abend gezielt auf dem Material des aktuellen Albums "Memento Mori". Für langjährige Fans fällt diese Gewichtung vielleicht einen Tick zu einseitig aus, denn die Songs aus früheren Alben, die sich im Programm befinden, lassen sich fast an einer Hand abzählen: Dunkle Energie, Mea Culpa, Kleine Schwester, Rock me Amadeus...
Sicher hätte der eine oder andere Klassiker zusätzlich in der Setlist auftauchen können, doch die Karlsruher haben nun mal gerade ein aktuelles Album voller starker Nummern am Start, auf das sie zurecht Stolz sein können. Wer will ihnen verdenken, dass sie dies auch der Welt kund tun wollen.
Wichtiger ist ohnehin die Entwicklung, welche die Band seit ihren Anfangstagen durchlaufen hat. Was als Electroprojekt begann, hat sich inzwischen zu einer lupenreinen Rockband gemausert, bei der die Gitarren immer mehr das Regiment übernehmen.
Gerade live zahlt sich das aus, und das Zusammenspiel der Gitarre mit elektronischen Parts entfesselt einen unheimlichen Druck, der sich in Form eines mächtigen, unwiderstehlichen Soundorkans über dem Publikum entläd.
Das Licht
UMBRA ET IMAGO fahren eine Lightshow auf, die den üblichen Rahmen für einen Club dieser Größenordnung sprengt. Zusätzlich zu der 'normalen', wenngleich sehr opulenten Ausleuchtung der Bühne sind es vor allem Fächerspots, mit denen die beiden Außen Lutz und Sören immer wieder ins 'rechte' Licht gerückt werden. So treten sie wenigstens gelegentlich aus dem Schatten der übermächtigen Bühnenpräsenz Mozarts, auf die natürlich auch die Effekte mehrheitlich ausgerichtet sind.
Der Einsatz von Bühnennebel setzt zusätzliche Akzente, aber vor allem besticht die Lichtchoreographie durch überraschenden Abwechslungsreichtum und stimmige Untermalung des akustischen Elements.
Die Show
Hier scheiden sich natürlich die Geister. Die Tatsache, dass UMBRA ET IMAGO in ihre Bühnenshow eine S/M-Performance integrieren, ist nicht unumstritten und hat den Gothic-Rockern im Laufe ihrer Karriere schon gehörigen Ärger eingebracht. Da kann Mozart tausend Mal beteuern, dass bei ihnen keine Pornografie stattfindet, dass sie nur die Tür zum
Schlafzimmer einen Spalt breit öffnen, irgendwelche scheinheilige Sittenwächter und Moralapostel werden immer aus ihren Löchern gekrochen kommen und mit erhobenem Zeigefinger dagegen Sturm laufen.
Bei UMBRA ET IMAGO geht es nicht darum, mit billigen Effekten zu schockieren und zu provozieren. Hier bekennen sich Menschen öffentlich zu ihrer Sexualität und leben sie aus. Niemand wird zu irgend etwas gezwungen, niemand kommt zu Schaden. Warum also nicht? Oder um es mit einem UMBRA ET IMAGO-Klassiker zu sagen: Sex statt Krieg! Ist das etwa falsch?
Sicherlich würde ein UMBRA ET IMAGO-Konzert auch ohne die erotischen Elemente funktionieren, doch mit ihrer von den Performancekünstlerinnen Nala und Nadja dargebotenen Ästhetik ist es eine visuelle Bereicherung, die in Einklang zu den lyrischen Inhalten steht.
Mozart
Es gibt wenige Bands, die sich in der glücklichen Lage befinden, auf einen ähnlich charismatischen Frontman zurückgreifen zu können. Mozart ist sicher technisch kein überragender Sänger, aber dafür schlicht und ergreifend eine faszinierende Persönlichkeit, die in der Lage ist, ein Publikum fesselnd zu unterhalten.
Optisch erlebt ihn Stuttgart in Gestalt eines überlebenden Orks aus der Entscheidungsschlacht vor den Toren Mordors. So imposant und zu einem gewissen Grad bedrohlich er auch wirkt, das ist ein Teil seiner Bühnenrolle. Dabei ist er ein überaus sympathischer Zeitgenosse mit einer großen Toleranz und einem ausgeprägten Sinn für Humor gesegnet.
Letzterer bricht immer wieder bei seinen Ansagen durch, und mit einem Augenzwinkern scheint er dadurch seinem Publikum signalisieren zu wollen: 'Leute, nehmt doch bitte hier nicht alles so ernst... Wir sind hier um Spaß zu haben und gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
So flirtet er offen mit der Schönheit der Nacht in der ersten Reihe. Genauso rät er dem vom ersten Song an permanenten 'Zugabe'-Zwischenrufer, er solle spätestens bei Prälat möglichst viel Platz zwischen sich und die Bühne bringen. Ganz überraschend, wird der Unbelehrbare dann weitaus früher auf die Bühne zu einem Tänzchen mit Mozart gebeten. Danach war übrigens Ruhe im Karton!
Mozart ist der große Zeremonienmeister, der alle Blicke auf sich zieht, sich das Publikum unterwirft und mit charismatischer Gestik und Mimik dirigiert. Die Rolle des großen Diktators, der keinen Widerspruch duldet, des Volksverhetzers, in die er zu Sagt Nein! schlüpft, scheint ihm auf den Leib geschrieben zu sein. Wenn er sich dann wieder seinen Gespielinnen zuwendet, fällt ein Teil der Maskerade von ihm ab, und er wird zum natürlichen Individuum, das sich gerade eine ganz große Portion Spaß gönnt.
Neben einer derart dominanten Bühnenpersönlichkeit scheint wenig Raum für die anderen, nicht weniger wichtigen Charaktere im Theater von UMBRA ET IMAGO zu bleiben.
Schlagzeuger Migge ist eh weit ab vom Schuss und muss sich zudem auch noch den hinteren Bühnenbereich mit der Showbühne teilen. Vor allem aber die musikalisch eminent wichtigen Sören und Lutz werden optisch im wahrsten Sinne des Wortes an den Rand gedrängt. Die beiden noch mehr in die visuelle Komponente der Show einzubinden, was unter Umständen auf einer größeren Spielwiese wie in der Röhre ganz selbstverständlich passiert, scheint der einzige Punkt, an dem noch Verbesserungspotential besteht. Beim besten Willen, ich kann mir nicht vorstellen, dass die zwei zu schüchtern sind um öfters mal bei einer Instrumentalpassage sich aufeinander zu zu bewegen und sich in der Bühnenmitte zu treffen.
Nach etwa siebzig Minuten inklusive Zugaben, bei der auch das komplette CULTUS FEROX-Ensemble mitwirken darf, ist Schluss. Unwillkürlich atmet man einmal tief durch, in dem Gefühl einem großartigen und ganz besonderen Konzert beigewohnt zu haben. Selbst die relativ kurze Spieldauer mag man nicht gegen UMBRA ET IMAGO ins Feld führen, waren diese
siebzig Minuten doch von einer unbeschreiblichen Intensität erfüllt. Qualität statt Quantität. UMBRA ET IMAGO haben ihren Ruf, einer der spektakulärsten Live-Acts zu sein, den man auf europäischen Bühnen bestaunen kann, eindrucksvoll untermauert.
Besonderer Dank an Katja von networking, Mozart, Lutz, Sören, Migge, Nala und Nadja, sowie der gesamten Crew und dem Umbra Et Imago-Tourmanagement für die Unterstützung. Nicht zu Vergessen: CULTUS FEROX.
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