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| München, Metropolis, 27.05.2005 |
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So richtig leicht sie zu mögen, machen es einem die Briten im Vorfeld nicht. Alle x Jahre schauen sie mal vorbei, sagen auch schon mal gern eine Tour im letzten Moment ab (zugegeben, Danny Bowes war im März wirklich krank und konnte nicht singen), und ausgesprochen berichterstatterfreundlich sind sie auch nicht. Was für ein Zirkus mit den Fotogenehmigungen... Zur Belohnung gab es drei Songs mit miserablem Licht und dazu noch Bodennebel aus der Maschine. Danach standen jedem Fotografen buchstäblich drei Security-Heinzel im Nacken, um nur ja jedes weitere Bild zu vermeiden. Dass diese Narretei von der Band ausgeht, ist kaum anzunehmen. Dahinter steckt schon viel wahrscheinlicher echte deutsche Gründlichkeit.
Die fünf Männer von THUNDER sind nämlich der Inbegriff der freundlichen Rockband und verbreiten 100 Minuten lang nichts anderes als gute Laune. Als Konzertbesucher muss man nicht einen Moment "Angst" haben, plötzlich von einem hyper-aggressiven Nachbarn angepöbelt zu werden, denn von der Bühne kommen ausschließlich good vibrations und die wirken auch bei den allerhärtesten Stänkerern wie Gute-Laune-Pillen. Vergleichbar ist diese Stimmung nur mit der bei STATUS QUO-Konzerten. Und noch eines ist ähnlich: Die Meute singt, schreit und springt - ganz genau wie bei den Boogiekönigen.
Dann wäre da noch der Frauenanteil im Publikum. Der ist ähnlich hoch wie z.B. bei Eric Sardinas oder den BACKSTREET BOYS. Schließen wir die - an und für sich nicht von der Hand zu weisende - Vermutung aus, dass die Ladies wegen den zahlreich vertretenen schreibenden Kollegen anwesend waren, dann darf man der Aussage einer jungen Dame glauben: "Der Bowes ist richtig sexy." Hallo? Graue Haare habsch ooch!
Die Vorband 3 WISHES aus Hamburg fing an, hörte auf, und war schon wieder vergessen. Zweifellos sind die Jungs auch nett, aber diese Art von 80ies-Melodic-Rock ist einfach zu abgenudelt, als dass man damit heute noch Aufsehen erregen könnte, wenn man nicht ganz besonders eingängige Songs im Gepäck hat. Handwerklich war das schon okay, doch die ewig gleiche Leier von Gitarrenintro, alles zukleisterndem Keyboard im Anschluss, Chorus, kurzem Headbang-Teil, Schluss, ist einfach zu vorhersehbar und überraschungsarm für mehr als höflichen Applaus. Da sind die Kanten viel zu rund und die Ecken hat jemand mit dem Kuschelweich-Schleifgerät abgefräst.
Auftritt THUNDER, Abgang Langeweile.
Man könnte an jeder Setlist dieser Band stundenlang herummäkeln. Beispielsweise hat An Englishman On Holiday komplett gefehlt, dafür gab es den Dancefloor-Feger Play That Funky Music (ein typisches One-Hit-Wonder der Band WILD CHERRY aus dem Jahr 1976, mitwirkend war dabei übrigens Bryan Bassett, der später zu MOLLY HATCHET wechselte und heute bei FOGHAT ist), jedoch wurde Gimme Some Lovin', die alte Steve Winwood/Spencer Davis-Nummer, nicht gespielt, genau wie Everybody's Laughing und etliche weitere Klopfer von "Shooting At The Sun". Dafür diverse Songs vom überragenden neuen Album "The Magnificent Seventh".
Jede Diskussion ist müßig, denn so lange die Dramaturgie eines THUNDER-Konzertes so überzeugend aufgebaut ist, können sie auch Hänschen klein unplugged spielen, das Publikum wird ihnen aus der Hand fressen und mitsingen. Apropos mitsingen: Danny dirigierte das Volk von einem Mitsingteil in den nächsten und es gab, trotz extremer Hitze im Club, bis zum Ende keine Verschleißerscheinungen.
Nach einer Viertelstunde ließen die Herren die Handbremse erstmals richtig locker und rockten mit Monkey See, Monkey Do und You Can't Keep A Good Man Down von "The Magnificent Seventh" die Halle in helle Begeisterung.
Es ist wohl nicht übertrieben, dass Danny Bowes der derzeit überzeugendste Hardrock-Sänger ist. Verglichen mit älteren Liveaufnahmen, ist er heute in der Form seines Lebens.
Vom Mischer leider etwas minderberücksichtigt wurden Luke Morley und Ben Matthews an den Gitarren. Beide sind sicherlich keine Saitenhelden a la Steve Vai, aber im Bereich des Rock & Roll eine Großmacht. Kein sinnloses Gefummel, immer nur gradeaus ins Epizentrum des Rockerherzchens, also zwischen Ohr, Magen und Zwerchfell. Ähnlich beeindruckend ist natürlich Basser Chris Childs. Den haben in den letzten gut zwanzig Jahren Koryphäen wie Andy Summers (THE POLICE), Robert Fripp (u.a. KING CRIMSON), Russ Ballard oder Colin Blunstone (THE ZOMBIES, ALAN PARSONS PROJECT u.v.a.m.) nicht umsonst für ihre Projekte engagiert.
Humor haben die Gods Of Love von der Insel bekanntlich auch, anders ist ein Titel wie I Love You More Than Rock'n'Roll nicht erklärbar. So kann man niemanden lieben, dass es noch heftiger als dieser Kracher ist. Morley und Matthews - von dem man auch gerne noch ein paar mehr Einlagen an der Orgel hören könnte - greifen ziemlich tief in die Retro-Kiste, treffen aber grundsätzlich den Punkt und zitieren sich durch den LED ZEPPELIN-DEEP PURPLE-BAD COMPANY-THIN LIZZY-Riff-Gemüsegarten, Bowes brilliert und das Rockschiff THUNDER erweist sich als würdiger Vertreter der Vergangenheit in der Gegenwart. Unpeinliche Tradition, purer Spaß an der Freude und Frische sind die Kennzeichen einer Band, die den Sprung nach ganz oben natürlich nicht mehr schaffen wird, ihre Nische, nach den bekannten Industrie-Desastern in den Neunzigern, dank ihres Publikums aber gefunden hat. So schlimm steht es nicht um den guten alten Rock & Roll.
Im langen Zugabenteil gab es, abweichend zum Konzert in Bochum vom Vortag, kein STONES-Cover, dafür die Backstreet Symphony, A Better Man und zum krönenden Abschluss Dirty Love, den Übersong. Dazu kam dann noch eine hübsche Stripperin mit unhübschen Silikontitten auf die Bühne und die Zwerge der Security stürzten sich wie betrunkene Stagediver auf die paar Fotografen, die ganz gerne noch ein Bild von dieser netten "Choreographie" machen wollten.
THUNDER können stolz auf ihr Publikum sein und der Fan hat in dieser Band die perfekte Begründung, warum er Rockmusik liebt. Great!
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