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Raging Slab

München, Garage, 19.09.2002

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Fotos:
Adelina Schmidtlein

München, Garage, 19.09.2002Bildergalerie

Kapitel 328 in der unendlich traurigen Rock & Roll-Geschichte der Stadt München.
RAGING SLAB sind mal wieder auf Tour und 5 Zuschauer verlieren sich in der GARAGE. 250 Meter weiter im Colosseum vergnügen sich mehr als 2.000 zahlende Gäste bei den britischen Pop-Clowns RIGHT SAID FRED.

RAGING SLAB wurden 1985 von Gitarrist und Sänger Greg Strzempka und Slide Gitarristen Elyse Steinman gegründet. Ein Jahr später stößt Bassist Alec Morton dazu. Diese drei sind auch heute noch die Basis der Band. Drummer Rob Cournoyer kam, nach vielen anderen Schlagzeugern, vor einigen Jahren hinzu (und ist ein Tier und toller Drummer).
9 Alben (wovon eines von Rick Rubin/Def Jam nie veröffentlicht wurde) wurden seither eingespielt.
Mit den Major-Releases "Raging Slab" und "Dynamite Monster Boogie Concert" hatte die Band weltweites Airplay und Mediensupport.
Dies liegt inzwischen beinahe 10 Jahre zurück und die Zeiten von großen Labels und Venues sind vorbei. Das ist der Band bewusst und sie kann sehr gut damit umgehen. Letztendlich ist diese Musik nicht für Stadien und Riesenhallen geeignet. Zu exzentrisch ist der Mix aus Hard Rock, Blues, Southern Rock, Alternative Sounds, Drogenmusik, Slow Punk (?), Speed Rock & Roll (??) und puren Seventies-Zitaten. Nicht umsonst werden RAGING SLAB selbst in ihrer Heimat zwischen Classic Rock-, Stoner Rock- und Biker-Events herumgereicht. Nicht einzuordnen und deshalb offenbar von der Industrie nicht vermarktbar. Bei Enrique Iglesias ist das viel einfacher.

Die geplante Tour im letzten Jahr fiel dem 11. September zum Opfer und nun sind sie wieder in Europa. 39 Gigs in 42 Tagen sind geplant. Die Ochsentour also.

Zumindest für den Münchner Auftritt kann man von Promotion nicht sprechen. Keine Plakate, keine Medienpräsenz, kein Nichts. Am Rande bemerkt, München hat 1,5 Millionen Einwohner, mit Einzugsgebiet hat man ungefähr 2,5 Millionen potentielle Kunden. Kaum vorstellbar, dass wirklich nur 5 Menschen diese Band sehen wollen (das entspricht 0,0002 Prozent - was wäre ich über so ein Wahlergebnis für Stoiber froh).
Ich will nicht falsch verstanden werden! Auch in diesem Fall rede ich nicht von 500 Zuschauern. Diese Flausen hab ich mir längst aus dem Kopf geschlagen. Auch aus eigener schlimmer Erfahrung. Aber ein klein wenig mehr sollte man schon erzielen können.
Andererseits, die Information über dieses Konzert war wochen- und monatelang kostenlos in den einschlägigen Print- und Internetpublikationen nachzulesen. Woran mangelt es also? Am guten Willen des Clubs ganz sicher nicht.

Anyway. Das Konzert fand statt. Allerdings kam noch ein Ärgernis vor den Amerikanern. Eine Vorband nämlich, die geschlagene 90 Minuten nervte. Coverversionen aus den Frühzeiten des härteren Rock und das so dargebracht, dass man wirklich die Lust an den alten Kamellen verliert. Da hat es an allen Ecken und Kanten gemangelt, geholpert und gepoltert. Ich bin wirklich geduldig, aber solche Versionen von Klassikern braucht wirklich kein Mensch. Jedes weitere Wort wäre jetzt Körperverletzung. Obwohl, dann stünde es 1 zu 1.

"When I had fun the last time we was only two...". So sprach Greg Strzempka und was meinte er damit wohl? Elyse brüllt "BOOOOGIE" und dann legten RAGING SLAB los. Laut, krachend, kraftvoll, dynamisch und mit brachialer Urgewalt.
Don't Dog Me und Weatherman knallen wie METALLICA on Bluesrock. Flap Your Boogie Flap mit eingebautem La Grange-Mittelteil bringt die ersten Double Lead-Schlachten. Greg und Elyse lassen es mächtig krachen und im Hintergrund headbangt der Drummer und haut 3, 4 Mal einen Beckenständer vom Drumriser.

Doublewide vom - mir persönlich etwas zu schrammeligen - Album "The Dealer" macht Elyse Steinman mit ihrem nicht virtuosen aber kernigen Slide Spiel zu einem Kracher und dann macht sie aus der alten Good Morning Little Schoolgirl-Alvin-Lee-Vorzeigenummer-seit-30-Jahren kurzerhand den R.S.-Song Good Mornin' Lil' Schoolboy. Ganz ehrlich, ein schmächtiges Schulbürschchen, das der Lady in die Finger fallen sollte, tut mir direkt leid. Groß ist sie nicht, sonderlich stark wohl auch nicht, aber so wie die Frau singt, spielt, stampft und brüllt... Gute Nacht Schulbub.

In Sir Lord Ford wird, albumgetreu, When Electricity Came To Arkansas von BLACK OAK ARKANSAS eingebaut und damit haben wir einen Kernpunkt der Musik von RAGING SLAB erfasst. Möglicherweise würden Bands wie B.O.A. heute in etwa so klingen, hätten sie ihre Entwicklung nicht irgendwann in den späten Siebzigern eingestellt und die künftige Rock-Evolution Bands wie METALLICA überlassen.
Beim drückenden Boogalooser vom ganz neuen Album "pronounced eat shit" ebenfalls nachzuhören.

Megageil dann die Version von Rock Candy. Im Original bekanntlich auf einer der besten Hardrock Scheiben aller Zeiten vertreten. RAGING SLAB würdigen MONTROSE perfekt.

Die "Vorband" hatte gut 10 Leute mitgebracht. Da die aber dankenswerterweise die GARAGE längst verlassen hatten (echte Rocker eben), waren wir also vollends unter uns. Nach 70 Minuten war Schluss, aber Elyse bat die Band noch mal auf die Bühne um für Barmann Sahib die Zugabe Ruby zu spielen. Ruby ist auf dem neuen Album und eine Würdigung der 1995 verstorbenen Ruby Starr, die unter anderem als Sängerin bei BLACK OAK tätig war.

Im anschließenden Gespräch erwies sich Greg Strzempka als ausgemacht netter und witziger Typ, der nicht nur eine ganz dezidierte und ironische Meinung zum Musikbusiness hat, sondern auch lachend und gestikulierend die Folgen von diversen europäischen Genussmitteln ("I have never eaten this spanish mushrooms before...") beschreibt.
Schwamm drüber, andere Tourvorbereiter suchen und weiterrocken!
Klasse Band!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.09.2002

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