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| Lorsch, Musiktheater Rex, 22.08.2009 |
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Bereits das zweite Mal dieses Jahr ist Mr. Carrack in Deutschland unterwegs um sein neues Album, die Live-DVD und die für Deutschland exklusiv erschienene Live-CD vorzustellen. Nach 6 Gigs im Juni waren es nun noch 4 weitere im August: Dortmund, Mönchengladbach, Fritzlar - und dazwischen das südhessische Lorsch. Hier ist Paul Carrack auch längst kein Unbekannter mehr - hat er doch schon bei seiner letzten Tour das persönliche Ambiente dieses Live-Clubs schätzen gelernt. So gesehen war es nicht verwunderlich, dass das ehemalige Kino gut gefüllt war - trotz lauschigen Sommerabends - und nach dem Support-Gig des kanadischen Songwriters Brendan Croskerry sich sowohl das Publikum wie der Saal gut aufgeheizt auf den zweiten Teil des Abends einstellten - der da hieß: "Willkommen - die Stimme von MIKE & THE MECHANICS!"
Eigentlich schade, dass die Werbestrategie den Künstler Paul Carrack ständig auf gerade mal 4 Charthits mit Michael Rutherfords Combo zusammenschrumpft, denn schließlich ist er nicht nur Singer-Songwriter, sondern auch die Stimme von unzähligen Hits seit ungefähr 1975. Und gerade seine eigenen Konzerte, zu denen er eine von Spielfreude nur so überfließende Band zusammengestellt hat, sind ein Garant für 1,5 Stunden erstklassige Live-Mucke!
Wer so lange im Geschäft ist, dürfte ziemlich abgebrüht sein und weiß, wie man sein Publikum bei Laune hält. So gesehen lässt auch Paul Carrack nichts anbrennen: Brot und Spiele - das wussten schon die alten Römer - sind die Geheimformel für ein zufriedenes Publikum. Aber, dass ein Superstar, der er sein könnte, sich dazu herablässt auf einer vergleichsweise kleinen Bühne in einem stickigen Saal mitten im Sommer in irgendeinem deutschen Kaff (das "Weltkulturerbe" ändert auch nichts an dieser Tatsache) dermaßen die Sau rauszulassen, zeigt, dass hier ein Überzeugungstäter am Werk ist. "Ihr seid ein wirkliches 'heißes' Publikum", witzelt er angesichts der tropischen Temperaturen im REX, "aber ihr riecht gar nicht so schlecht! Im Gegensatz zu mir und meiner Band - sorry about that..." Sprach's, schob sich die Sonnenbrille wieder auf die Nase (das sonst unabdingbare Cappy hatte er dieses Mal sogar abgenommen) und heizte kurz darauf noch mehr ein...
8 wirklich qualifizierte Musiker standen da oben schwitzend im Rampenlicht und feierten mit ihrem Publikum ein kleines Soulpop-Feuerwerk fernab von belanglosem Popgedudel. Was Paul Carrack und seine Mitstreiter, die in ihren schwarzen Anzügen und Krawatten eigentlich mehr aussahen wie geschasste Investmentbanker, da veranstalteten war - trotz im Formatradio totgenudelter Hits wie Silent Running oder The Living Years - musikalische Präzisionsarbeit. Gleich im ersten Song büßte Carracks Semi-Akustik-Gitarre eine Saite ein und der Gitarrenroadie schaffte schnell Abhilfe. Paul Carrack wechselte zwischen Akustik-, Semi-Akustik-Gitarre und Keyboard, ließ seinem Keyboarder Paul Copley gleich zwei Solo-Vokalpartien (Somebody To Love und Love Is Thicker Than Water) und jonglierte wie ein Löwenbändiger gleichberechtigt die Soli von Gitarre, Saxophon und Trompete.
Wer die Live-DVD "I Know That Name In Concert" und die zugehörige CD kennt, spürte einige kleine Abwandlungen in der Setlist. Auch Musiker mögen die Abwechslung - und wer so viele musikalische Trümpfe in der Hand hat, der kann sie ohne Qualitätsverlust auch mal in verschiedener Reihenfolge ausspielen. Tatsache ist, dass sich das Ohrwurmpotential wie ein roter Faden durch das gesamte Konzert zog. Carrack beherrscht die volle Palette: Einschmeichelnde Balladen, tanzbare Popsongs, leichtfüßige Soulnummern, krachenden Bluespop, laidback Reggae - ihm ist nichts fremd, was in Herz und Beine geht.
Carrack schreibt Songs, die sich selber erklären, dementsprechend wortkarg, aber trotzdem sympathisch bringt er sie auch an seine Zuhörer. Thematisch bleibt er im Wechselspiel von Mann und Frau - zwischen Nähe und Distanz - verlieben und verlassen - bis auf ein paar Ausreißer wie The Living Years, wo es um die Vater-Sohn-Beziehung geht. Aber gerade diese "einfachen" Themen scheinen den Nerv seiner Fans zu treffen.
Nach 15 Songs spielte er die Zugabe gleich hinterher und dann kämpfte sich die Band durch die Menge Backstage - ein Unikum im REX ist, dass der Musiker fast keine Chance hat, unbemerkt die Bühne zu verlassen, der Backstagebereich liegt eine Etage höher und der Weg dahin führt direkt durch das Auditorium. Zwar wollten die Roadies danach schon die Instrumente abbauen, hatten aber gegen den Da-capo-Pegel der Fans keine Chance. Paul Carrack und seine Band gaben sich geschlagen, erschienen noch mal für 2 Songs auf die Bühne und entließen ihr Publikum in die inzwischen etwas abgekühlte Sommernacht.
Setlist:
1. How Long
2. I Live On A Battlefield
3. I Don't Want To Hear Any More
4. Somebody To Love - feat. Paul Copley, voc
5. I Don't Want Your Love (I Need Your Love)
6. Don't Dream It's Over
7. Ain't No Love In The Heart Of The City
8. Just 4 Tonite
MIKE & THE MECHANICS Set:
9. Another Cup Of Coffee
10. Silent Running
11. The Living Years
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12. When You Walk In The Room
13. No Doubt About It
14. Love Is Thicker Than Water - feat. Paul Copley, voc
15. Over My Shoulder
Encore:
16. What's Going On?
17. Far Is Gone Away
18. Dance To The Music
Paul Carrack: Vocals, Guitars, Keyboards
Paul Copley: Vocals, Keyboards
Lindsay Dracass: Vocals
Jeremy Meek: Bass, Vocals
Dean Duke: Drums
Steve Beighton: Saxophone
Ed Collings: Trumpet
N.N.: Guitar, Vocals
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