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Michael Schenker Group

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Supp.: Nikki Puppet

Köln, Live Music Hall, 16.05.2006

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Köln, Live Music Hall, 16.05.2006

Besetzung:
Jari Tiura: Vocals
Michael Schenker: Guitar
Wayne Findley: Guitar, Keyboards
Rev Jones: Bass
Peter Holms: Drums

Qualität setzt sich durch!?
Denkste! So ganz mag ich dieser Floskel nach dem Konzert der Michael Schenker Group nicht mehr glauben. Die Live Music Hall war gerade mal ein gutes Drittel gefüllt. Eine Schande! Die mageren Besucherzahlen ziehen sich zudem noch wie ein roter Faden durch die gesamten MSG-Gigs im Jahre 2006. Ich verstehe nicht warum. An den fairen Eintrittspreisen (25,20 € im VVK) kann es nicht liegen, an der Musik sowieso nicht. 'Top-Ten-Gitarristen' (dazu noch aus deutschen Landen) bekommt man ja auch nicht alle Tage live zu sehen und zu hören. Wie man es auch drehen und wenden will, mir wird bei dem Gedankengang "Zukunft der Rockkonzerte in Deutschland" jedenfalls Angst und Bange.
Doch nun zum Konzert.

Die Hannoveraner Band NIKKI PUPPET lieferte eine solide Up-Tempo-Show ab. Der Newcomer-Touch war zwar nicht abzustreiten und manchmal fehlte es den Songs ein wenig an Substanz, doch mir gefiel der Mix aus Heavy Metal und (Modern-)Punk doch ganz gut. Eines schafften Nicky Grondewold (voc), Christos Mamalitsidis (g), Anke Sobek (b) und Michael Wolpers (dr) allemal: Die traurige anzusehende Versammlung ein wenig aufzurütteln!

Nach einer endlos lang wirkenden Umbaupause, in der per Tonbandansagen immer wieder für die aktuelle MSG-CD "Twenty Five Years Celebration" und für Michael Schenkers aktuelle Acoustic-Instrumental-CD "Thank You 4" geworben wurde, ging es dann los - und wie.
Schon bei den ersten Riffs von Assault Attack fühlte man sich einfach zu Hause. Hart und doch warm klingt das Spiel auf der DEAN-Guitar, so wie eben nur eine Gitarrenperformance von Michael Schenker klingen kann. Und der Meister selbst? Er schien wie ausgewechselt - vergleicht man dagegen seine Tourneen aus den letzten Jahren. Er scheint in Topform, versteckt sich nicht mehr verstohlen und teilnahmslos in der Bühnenecke, sondern präsentiert sich selbst und sein grandioses Spiel. Weg ist die merkwürdige Kopfsocke und die etwas peinlich anzuschauenden Schuljungenshorts, wie noch bei der Tournee im Jahre 2004.
Soviel zur Optik, doch noch wichtiger: Er macht mit. Sein Blick schweift oft in Richtung Publikum, er singt auch schon mal im Background. Und das alles bei diesen mageren Zuschauerzahlen. Ich hatte vor dem Konzert schon befürchtet, dass uns Schenker die kalte Schulter zeigt und lieblose Standards herunterorgelt. Doch nichts da! Er scheint die Celebration mit der (wieder einmal) runderneuerten MSG zu genießen. Hier stachen vor allem der 'taufrische' finnische Sänger Jari Tiura und Bassist Rev Jones hervor. Erstgenannter ist zwar kein begnadeter Showman, doch er konnte mit seiner Performance voll und ganz überzeugen. Zudem besitzt er einen Stimmumfang, der sowohl zu den Klassikern als auch zu den aktuellen MSG-Songs passt. Rev Jones zu beschreiben ist dagegen nicht so einfach, den muss man einfach nur gesehen (und natürlich gehört) haben. Diese Haare! Seitlich komplett abrasiert und das verbleibende Deckhaar zu einem riesigen Zopf geflochten, mit dem man dann prima Propeller spielen kann. Kurios. Der Mann versprüht seine Action allerdings nicht nur durch sein bizarres Aussehen, sondern er zupft einen Bass wie der Teufel persönlich! Ob nun auf den bizaren 5-String Warr-Basses oder in der Handhabung dieses überaus skurilen Upright-Basses, der Mann zaubert zumeist ohne Plektrum und erreicht durch seinen filigranen, beidhändigen Tapping-Stil ein immenses Tempo. Von wegen Bass-Spielen ist langweilig (wenn man's denn kann).
Egal welches Bandmitglied ich hier anspreche, ich kann den "zweiten Gitarristen" Wayne Findley, der bei On And On während des Intros auch die Keyboards bedient, oder Drummer Peter Holms ruhig mit einbeziehen, die MICHAEL SCHENKER GROUP präsentiert sich bei der World-Tour 2006 als eine geschlossene Einheit, in der sich jeder Akteur verwirklichen kann. Auch die Zusammenstellung der Setlist ist gelungen, die neuen Songs fügen sich zudem passend in die MSG- und UFO-Klassiker.

Nach all meinen Lobeshymnen noch viele Worte über die musikalische Performance zu verlieren erübrigt sich sicher. Nur soviel, Michael Schenker hat uns allen wieder einmal bewiesen, dass er ohne jeden Zweifel zu den internationalen Klasse-Gitarristen gezählt werden darf. Zwar spielt er jetzt anstatt auf den klassischen Flying V's mit DEAN Guitars (seinem Sponsor), doch seinen Darbietungen und vor allem dem legendären Schenker-Sound, tut das nun wirklich keinen Abbruch.
Der Sound in der Live Music Hall an diesem Abend war satt, rund, perfekt und ohne jegliche Verzerrung ausgesteuert. Nur in der ersten Reihe vor der Bühne waren die Vocals von Jari Tiura etwas dünn. Doch das ist nun wirklich kein Wunder, denn die Klang-Aussteuerung bei einer solch schwach bevölkerten Halle ist auch für einen professionellen Tontechniker ein kleines Kunststück.
Schon fünf Minuten nach dem letzten Song zog es Michael Schenker zum Merchandise-Stand, bereit zum Händeschütteln, signieren und für Foto-Shoots aus der "Cheese-Kolumne". Er gab sich dabei sehr sympathisch und war auch für Smalltalks zu haben. Ein gelungener Abschluss eines der besten Heavy-Events des Jahres 2006.

Der Tour-Tross zieht weiter. Wünschen wir den fünf Mannen für den weiteren Verlauf der Tournee, die sie u.a. noch nach England, Schottland, Frankreich, Spanien, Schweiz, Italien, Österreich, Belgien, Dänemark, Schweden, Bulgarien und im Winter dann schließlich nach Japan bringen wird, einen größeren Publikumszuspruch als im verschlafenen Germany!

Setlist:
Assault Attack, Are You Ready To Rock, Let It Roll, Dust To Dust, Love Trade, Shadow Lady, Lights Out, Into The Arena, But I Want More, Too Hot To Handle, On And On, Only You Can Rock Me, Attack Of The Mad Axeman, Armed & Ready, Arachnophobiac, Doctor Doctor, Rock Bottom

Rainer Peschen, (Artikelliste), 21.05.2006

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