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Fotos: Adelina Schmidtlein
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"Ich denke, wir werden heute mehr so bluesige Sachen spielen. Der Club ist etwas zu klein, um die heavy Songs vom neuen Album zu bringen".
So sprach der Boogieman from Hell und schnallte sich die Gitarre um.
Ladies and Gentleman, welcome to an evening of Blues!
Das VILLAGE im oberbayrischen Habach, in der Nähe vom malerisch/kitschigen Kochelsee, ist in der Tat klein. Aber es liegt in einem wunderschönen Tal, völlig abgeschieden vom Rest der Welt (trotzdem nur 5 Minuten von der Autobahn entfernt), und es ist der wohl gemütlichste Club jenseits des Mississippi bis hin zum Isardelta. Kachelofen, Sofa, leckeres Essen, gutes Bier, astreine Musik.
Das hat sich seit mehr als einem Jahrzehnt auch bei vielen Musikern herumgesprochen und wenn Besitzer Dieter anfängt zu erzählen, wer schon alles bei ihm gespielt hat, braucht man kein Rocklexikon mehr.
Michael Katon ist bereits zweimal hier gewesen und er kommt immer wieder gern zurück. Auch wenn er anfangs eben meint, dass das Heavyzeug seiner neuen CD "Bad Machine" nicht für die Holzbalken im Village geeignet ist. Er testet also eine Stunde lang die Holzwürmer mit BLUES.
Natürlich spielt Katon den Blues. Weiß jedes Kind. Aber doch nicht so?!?
Der alte Haudrauf betätigt sich nämlich den ganzen ersten Set hindurch als mittelschwerer Gitarrenvirtuose. Ja was? Ja wie? Fragt sich nicht nur der Boogieman from München-Untergiesing, sondern auch ein ganzer Haufen anderer Leute. Wer die alten CDs von ihm kennt - und noch viel mehr die aktuelle - erwartet viel eher, dass dem Blues jegliche blaue Note aus den Knochen geprügelt wird und Michael sich als boogieschwingender Holzhackerbub betätigt. Von wegen!
Eine Stunde lang bekamen wir, zwar gut abgehangenen, aber enorm frischen Blues geboten. Keine Wunderdinge natürlich, dazu ist das Trioformat einfach zu begrenzt, aber was Michael, Todd "Dr. Toddzilla" Perkins am tiefen Ton und Jon Eppinga (wieder zurück in der Band, klasse) am Schlagzeug machen, hat höchstes Niveau. Es ist sozusagen eine Lehrstunde, wie Gassenhauer a la Who Do You Love, alte Schlager von Freddie King und ähnliches, mehr oder weniger bekanntes Material, heutzutage klingen müssen. Und so kam es dann, dass selbst ich (als 4/4-Fetischist) mich nicht eine Minute langweilte. Manchmal klang es nach Rory Gallagher, manchmal nach Johnny Winter, zwischendurch eine Slide-Nummer und viele viele Soli.
Ladies and Gentleman, welcome to an evening of wild ass Boogie!
Die Holzwürmer bekamen im zweiten Set ein richtiges Brett vor den Kopf. Gut so, denn meine Bluesration für den Abend war eh erledigt.
American McMofo, Rock'n'Roll, Whiskey, Blood'n'Guts, Bad Machine, Sugar Pie und The Pierced, Tattooed And Twenty Somethin' Boogie (gewidmet den Freunden seiner 3 Töchter im Alter von 15 bis 22 Jahren) und einige andere neue Nummern, gemixt mit älteren Krachern wie Rock'n'Roll Redneck Mama, No More Whiskey, Barbeque On My Boogie oder The Devil's Daughter.
Eine weitere Stunde ging es ab wie Nachbars Lumpi. Die Band schaltete den Rock & Roll-Nachbrenner dazu und es röhrte, krachte und schob sich der Boogie Train durchs Tal. Vergessen war die geplante Rücksicht aufs morsche Gebälk, keine Gnade dem Lochfraß!
Katon, der übrigens dem jungen, schlanken Dave Hlubek immer ähnlicher wird, verzichtete auf Schnickschnack wie Background Vocals oder Refrains, just a man and his guitar und zwei andere Rocker gaben einfach Gas. Immer geradeaus, die Slide gut geölt und in der Stimme genug Dreck für 2 Sondermülldeponien. So muss das sein, so ist das gut.
In diesem Gewitter blieben zwangsläufig einige Feinheiten auf der Strecke. Beispielsweise die witzigen Ansagen und Texte. Auch manches Sahnesolo ging etwas unter. Aber dafür durfte die Matte geschwungen werden und man hatte Mühe, sich nicht das frische Bier über die Schuhe zu kippen.
Zum Schluss war man boogiefied und nassgeschwitzt. Was will man mehr? Ich war's zufrieden und freu mich auf das Konzert in Ingolstadt.
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