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Fotos: Adelina Schmidtlein
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Diamond Head
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Dave Mustaine
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| München, Georg Elser Halle, 20.02.2005 |
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Diamonds are forever trällerte Shirley Bassey 1971 für James Bond und 2005 für die ausverkaufte Elser Halle in München. Sean Connery wird bis heute von Millionen Frauen angeschmachtet, aber es ist zu befürchten, daß dies der wiederauferstandenen NWOBHM-Legende DIAMOND HEAD nicht passieren wird. Da hilft alle Unterstützung von MEGADETH-Mastermind Dave Mustaine nichts, mehr als ein kleines Halbedelstein-Irrlichtern wird am Ende nicht übrig bleiben.
Kult sind sie ja, ein paar Kult-Songs haben sie auch, aber was bringt es, wenn sich um - den aus der 1976 gegründeten Originalband stammenden - Brian Tatler ein Häuflein eher mäßig begabter Mucker schart? Zum Beispiel ein Drummer, der zwar mittels Lautstärkeregler auf John Bonham-Powersound aufgeblasen wird, aber die Begriffe Timing und Rhythmusgefühl nur vom Hörensagen kennt. Oder ein Rhythmusgitarrist, der während der Bratz-Soli des Chefs staunend jede Tätigkeit einstellt und auch ansonsten kaum zu hören ist. Na gut, ein paar hübsche zweistimmige Schmankerl gab es dann doch noch zu bestaunen, aber ein vorheriger Griff ins CD-Regal zu THIN LIZZY wäre lehrreich gewesen.
So blieb es bei der leicht hilflosen Darbietung einiger halbwegs bekannter Nummern wie Helpless, In The Heat Of The Night, It's Electric und natürlich dem METALLICA-Hit, ähm sorry, BLACK SABBATH-Hit, ach was, ihrem einzigen eigenen Fast-Hit Am I Evil, bei dem sogar das Publikum recht begeistert mitsang. Das kennt man schließlich von METALLICA. Dazu einige Songs aus dem Niemandsland zwischen Spät-NWOBHM, 80er Stadionrock, recht zünftigem Hardrock und ein paar Melodic-Versuchen, die aber Kapellen wie DEMON damals wie heute besser beherrschen - wo Melodic draufsteht sollte auch Melodie drin sein. Einzig die beiden Stücke aus dem mitgebrachten neuen Album "All Be Revealed" klangen frisch und machten beinahe Lust auf mehr von der Scheibe.
Der neue Sänger Nick Tart ist nämlich gar nicht mal so übel, sieht gut aus und balanciert knapp jenseits von Bryan Adams relativ unfallfrei durch manche Klippen lauwarmer Songs.
Für DIAMOND HEAD dürfte trotzdem gelten: Nie mehr 2. Liga, in der dritten ist es auch ganz gemütlich.
Ganz anders MEGADETH. 20 Jahre nach der ersten LP ging Dave Mustaine noch mal auf große Tour (hörte ich doch, daß es die letzte sein soll?) und prompt sind die mittleren Hallen allüberall ausverkauft. Da spielt es keine Rolle, daß keiner der namhaften früheren Mitmusiker mehr dabei ist, wichtig ist eh nur der Meister selbst.
Man kann Mustaine gerne als schwierigen Typen bezeichnen, Technik und Ausstrahlung kann man ihm nicht absprechen. Das hat schon was, wenn eine ganze Halle nach dem dirigierenden Finger eines Stars tanzt.
Und tatsächlich, die erste Viertelstunde hatte durchaus etwas wie Spannung und Unterhaltungswert. Direkt der Opener Blackmail The Universe vom 2004er "The System Has Failed" machte richtig Spaß. Bis auf den Gesang aus der Micky Maus-Rappelkiste natürlich. Set The World Afire als Uralt-Kamelle, Scorpion, Wake Up Dead, alles recht nette Knaller und wenig zu beanstanden. In den besten Momenten kam sogar etwas wie Ted Nugent-Feeling auf. Manchmal auch etwas Alice Cooper aus der Nach-Poison Ära. Aber dann, grade nach der Aufwärmphase...
Eine geschlagene Stunde MEGADETH-Schlagerparade. Betonung auf Schlager! Hausfrauen-Thrash zum gepflegten Kopf- und Matteschütteln. Hallo? Hey, ich geh doch nicht zu so einem Konzert, um mir nicht den Schädel spalten zu lassen! Ein wenig mehr Einsatz darf man doch vom Altmeister erwarten, oder? Aber nix, der Kerl schwingt seine frisch gefönten roten Haare, der Drummer thront very rockstarmäßig weit oben auf seinem Designerpodest, Basser und Zweitgitarrist hüpfen mehr oder minder inspiriert herum und tun wenigstens so als ob, aber Mustaine zeigt nicht den geringsten Bock auf Rock. Er gniedelt seine Dinger routiniert runter, schraddelt und thrasht sich durch seine eigene Geschichte und ist ansonsten eher beiläufig bei der Sache.
Trotz nach und nach massiv gesteigerter Lautstärke bleibt nach jeder Nummer ein leeres Gefühl und mich treibt es hemmungslos zum Bierstand. Netter Smalltalk zu netter Heavy Metal Begleitmusik, mehr ist das nicht. So viel Licht, so viel Lärm und alles umsonst. Nur Peace Sells weckt kurz aus der Lethargie. Zwischendurch springen die Jungs von DIAMOND HEAD auf die Bühne und trällern aufgeregt mit, aber das rettet dieses Konzert auch nicht mehr.
Sagte Kollege Jörg völlig gerechtfertigt "da geht ja genau der richtige Fachmann zu Megadeth". Ja, aber der "Fachmann" kann durchaus feststellen, ob's rockt oder nicht. In diesem Fall hat es nur ein kleines bißchen gerockt. Schade drum, das war kein Konzert, um Mütter zu erschrecken.

P.S.: Diese, selbstredend anonyme, E-Mail erreichte uns am 25.02.:
Hallo!
Jetzt weiß ich, warum Du nur auf so Schmierseiten im Internet schreibst. Der Artikel über Megadeth war ja wohl das lächerlichste, das ich je gesehen habe. Gerade für so eine intime Halle war das Konzert genial. Ich weiß nicht, auf wieviel Konzerten Du schon warst, aber anscheinend auf nicht vielen.
Note: 5
lg
TS
Immerhin grüßt er den Schmierfink von der Schmierseite noch lieb...

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