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feat. Bruce Brookshire

Horb-Altheim, Rainbow, 03.10.2009

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Fotos: Adelina Schmidtlein


Lizard feat. Bruce Brookshire Ticket Rainbow
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Lizard feat. Bruce Brookshire
Horb-Altheim, Rainbow, 03.10.2009

Es folgen einige Konjunktiv-Einlassungen.
LIZARD wäre in diesem Sommer wohl Support von LYNYRD SKYNYRD am Stuttgarter Killesberg gewesen, wenn nicht Georg Bayer im Februar gestorben wäre. Es hätte der endgültige Beweis sein können, dass LIZARD längst die bessere und wichtigere Band für den Southern Rock ist als die demontierten Altstars. Ende des Konjunktivgefasels.
Tatsache ist, dass die verbliebene Band sich nicht erdreistet hat, ohne ihren Sänger irgendwelche Schnellschüsse abzufeuern. Tatsache ist auch, dass es deswegen "nur" zu einer kleinen Tribute-Tour mit vier Auftritten in Baden-Württemberg gereicht hat - allerdings mit der seit Georgs Tod versprochenen Hilfe von Bruce Brookshire. Der seit langer Zeit nur noch in Europa als Leader von DOC HOLLIDAY auftretende Mega-Entertainer ist bekanntlich inzwischen im Hauptberuf Christenmensch und war in den letzten Jahren nur wegen seiner Freundschaft zu Georg Bayer und LIZARD mit seiner DOC HOLLIDAY Band ab und an auf die Bühnen zurückgekehrt. Für die Konzerte in Leonberg, Reichenbach, Esslingen und Horb-Altheim übernahm Brookshire nun die vermeintlich traurige Rolle als Frontmann und Zeremonienmeister für den musikalischen Abschied vom wichtigsten Southernrocker Deutschlands. Nein, Georg Bayer war der wichtigste und beste Integrator Europas, jedenfalls für die von ihm geliebte Musik, also alles was er für gut erachtete. Könnte ein Farewell schöner sein als mit seinem Bruder im Geiste, Bruce Brookshire, und seiner Band LIZARD, der er seit 1986 vorstand?

Horb-Altheim liegt nicht hinter den 7 Bergen, es liegt hinter ALLEN Bergen. Dass sich in diesem fürchterlich verborgenen Dorf zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb seit 22 Jahren der kleine Club "Rainbow" erfolgreich behauptet ist wohl der Mentalität dieses Völkchens und vor allem der von Freddy, dem Betreiber, geschuldet. Klein ist es, verwinkelt, von einem Kamin befeuert, preislich an der unteren Schmerzgrenze angesiedelt (2,50 fürs Weizen lässt einen von den "guten alten Zeiten" träumen), nett bewirtschaftet und mit dem wohl originellsten Backstagebereich der Welt ausgerüstet, einem alten Doppeldeckerbus nämlich.
Wie gesagt, hätte, wäre, würde, Georg Bayer war es nicht mehr vergönnt mit LYNYRD SKYNYRD auf einer Bühne zu stehen, aber über die kleine Party im "Rainbow" hat er sich gefreut. Sein Freund Bruce hat die spirituelle Verbindung störungsfrei und in bester Qualität hergestellt - und wir, vielleicht 100 "Jünger", waren "online" dabei.

Lizard feat. Bruce Brookshire
Lizard feat. Bruce Brookshire

Wenn man LIZARD die Songs von DOC HOLLIDAY spielen hört, kann man getrost auf das Original verzichten, denn (bei allem Respekt für die grandiosen Amerikaner) Christoph Berner, Volker Dörfler, Ralf Mende und, in diesem Fall mal wieder, Wolfgang Rosner anstatt Helmut Kipp sind die perfekte Band. Klar, Klaus Brosowski fehlte an der Orgel, aber er war a.) verhindert und hätte b.) ohnehin nicht auf die kleine Bühne des "Rainbow" gepasst. Dafür eben drei Leadgitarren und der unnachahmliche Mende/Rosner-Groove. Man kann es in Worten nicht beschreiben, wie großartig ein Klassiker wie Last Ride mit solchen Musikern klingt.

Lizard feat. Bruce Brookshire
Lizard feat. Bruce Brookshire
Sechs oder sieben Brookshire-Nummern inklusive Adaptionen wie Fire On The Mountain von der MARSHALL TUCKER BAND zum Einstieg. Wie sich diese drei Gitarristen die Bälle zuspielen, wie sie sich über verknuselte Ein- oder Ausstiege aus einem Solo mit einem Grinsen hinwegsetzen, wie da eine Southern Rock Maschine ins Laufen kommt… das alles aus einer Entfernung von zwei Meter fuffzig betrachtet ist gewaltig. Viel weiter entfernt ist im "Rainbow" niemand.
Brookshire vermittelt bei diesen Auftritten in kleinsten Clubs dem Publikum das Gefühl, bei einem Arena-Konzert zu sein. Er selbst kennt es ja aus den für DOC HOLLIDAY so ungesunden wie anfangs erfolgreichen Achtzigern, aber diese Zeit ist lange vorbei, er bietet der Realität die Stirn - und gibt alles für sein heutiges kleines Publikum.

Lizard feat. Bruce Brookshire

Gitarre rechts, Gitarre links, Gitarre in der Mitte, all die kleinen Soloscharmützel, mächtige Riffpower, dazu Brookshires einzigartiger Gesang, seine angedeuteten Tänzchen, das insgesamt absolut coole Outfit einer entspannten Band - keine andere aktive Formation entspricht so sehr den Wunschvorstellungen eines Southern-Fans, auch wenn die Musik von LIZARD schon spätestens seit der CD "Southern Steel" nur noch dem ganz eigenen Stil von Southern Rock folgt und bei vielen Hardlinern nie verstanden wurde. Für die gab es bei dieser Tour den DOC HOLLIDAY Kurztrip. Und eine Version von Soulshine, dem Geschenk von Warren Haynes an die ALLMAN BROTHERS BAND und alle Liebhaber wunderschöner Klänge aus dem Jahr 1994. Dass Bruce Brookshire dafür "the future of Rock'n'Roll" auf die Bühne holte, erleichterte die Aufgabe für die Zuschauer nicht. Die Zukunft heißt nämlich Felix Bayer und hat das Musikgespür vom Dad übernommen. Klar, die Stimme ist knappe vier Jahrzehnte jünger und noch nicht fertig ausgebildet, aber wer sich ausgerechnet an so einen Jahrhundertsong wagt, und nicht verliert, sollte diesen Weg weitergehen.

Lizard feat. Bruce Brookshire
Lizard feat. Bruce Brookshire
Warum das für manchen Zuhörer dennoch nicht ganz leicht war? Vor dem Konzert zeigten die Jungs vom "Rainbow" einen alten Videoclip aus dem Jahr 1988. Der damalige Süddeutsche Rundfunk (heute SWR) drehte im und ums "Rainbow" mit LIZARD einen so genannten "Abendschau-Dreiminüter" zum Song No Time. Sehr witzig gemacht, sehr bizarre Frisuren, Miniröcke und Rockerklamotten, und ein Georg Bayer, der damals so aussah wie sein Sohn es in 15 Jahren wohl tun wird. Abzüglich der 80ies-typischen Geschmacksverirrungen natürlich. Da steht nun also der Bub auf der Bühne und singt Soulshine - und ganz sicher hatten nicht wenige Gäste einen ziemlich dicken Kloß im Hals. Später bei I'm A Rocker war die Beklemmung weg, Felix ist halt ein Rocker. Basta.

Lizard feat. Bruce Brookshire
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Der zweite Teil des Auftritts war dann dem Material von LIZARD vorbehalten und jetzt konnte man erkennen was wirklich fehlt. Die Präsenz von Georg nämlich. Bruce Brookshire ist einer der größten Sänger der Welt und hat die Ausstrahlung eines Gebirges, aber den Deutschen mit der gar nicht so besonders southernrockigen Stimme kann selbst er nicht ersetzen. Und das will und wollte B.B. auch nicht. Nummern wie Money World, Ordinary Southern Man, Don't You Know, Travelling Band, die allzeit bereite Josephine oder Boys Are On The Road sind und bleiben Bayer-Songs, die nur interpretiert werden können, keinesfalls adaptiert. Also legte Bruce zeitweise die Gitarre zur Seite und sang die Highlights seiner Freunde mit Soul, Verve und Hingabe, improvisierte ein wenig mit den Texten und machte den Leuten klar, dass er diese Shows für seinen Freund machte, nicht um seinen Ruhm als Rockstar zu mehren. Besser kann man solche Aufgaben nicht lösen: Partystimmung erzeugen und Innehalten gleichzeitig.

Lizard feat. Bruce Brookshire
Lizard feat. Bruce Brookshire

Es war eines von vier einmaligen Konzerten unter einem besonderen Vorzeichen und mit vielen Nachrichten für die Welt. Erstens: Georg Bayer ist nicht vergessen. Zweitens: LIZARD ist als Band stark wie immer, vielleicht sogar auf der Schwelle zu neuer Stärke. Drittens: Bruce Brookshire als Musiker, Songwriter und Entertainer gänzlich an die Geistlichkeit zu verlieren wäre ein Sakrileg. Viertens: Wenn LIZARD irgendwann demnächst einen neuen Sänger präsentiert, darf sich der auf keinen Fall als Nachsänger betätigen, er muss ein eigenes Profil und eigene Ideen aufweisen, sonst wird er scheitern. LIZARD darf nicht, wie so viele weltberühmte andere Bands, zur eigenen Coverband verkümmern, denn diese Jungs können viel mehr als ihr eigenes Plagiat sein.
Genialer Gig im "Rainbow" übrigens.

Lizard feat. Bruce Brookshire

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 06.10.2009

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