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Empfenbach, Festival Holledau, 04.07.2003

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Fotos:
Adelina Schmidtlein

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Leningrad Cowboys
Linda, Tume & Suvi - 42 KB
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Polier mir die Stiefel Baby! - 44 KB
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Sakke - 31 KB
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Tipe - 34 KB
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Nackte Finnen... - 46 KB
Leningrad Cowboys - Setlist
Setlist - 36 KB
Empfenbach, Festival Holledau, 04.07.2003

Leningrad Cowboys

Der Welt vogelwildeste Chaotenkapelle hat inzwischen auch schon einen ganzen Haufen Jahre auf dem Buckel, und obwohl die CDs der Band seit einiger Zeit nicht mehr richtig überzeugen können, live sind sie Jahr für Jahr immer wieder ein Riesenspaß. Der Kult lebt und auch beim Open Air in Empfenbach (wer's nicht kennt, das ist ungefähr 60 Kilometer nördlich von München in Richtung Regensburg, mitten im Hopfenanbaugebiet Holledau) haben gut 2.000 Leute getanzt, gelacht und gestaunt.
Man muss sich das mal vorstellen: 13 Leute (inklusive den beiden superhübschen Go-Go Girls Linda und Suvi) traktieren 90 Minuten lang das Volk mit grenzdebilen Ansagen ("Hello Woodstock... thank you very many"), haarsträubenden Coverversionen (Paradise City als Country-Polka...), diesen unsäglichen Frisuren und Schuhen und Klamotten, dass der Durchschnittsbürger nur den Kopf schütteln kann. Und trotzdem funktioniert der Unfug.
Nur Finnen und Australier können so abgedreht sein und auch nach Jahren noch ihren eigenen Spaß am Totalschwachsinn haben und den glaubwürdig vermitteln.

Den Spruch von der "schlechtesten Band der Welt" kann man natürlich vergessen. Die Leningrad Cowboys sind die Auslese finnischer Musiker (family tradition, schließlich stammen sie alle von der gleichen Mutter ab, die Väter sind nicht bekannt) und das demonstrieren sie 90 Minuten lang mehr als eindrucksvoll. Rhythm & Blues, Polka, Hardrock, Rock & Roll, Wolga-Lieder, Metal, Sixties-Pop (Elouise, Delilah). Und alles gleichzeitig.

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Sänger/Gitarrist Tume sieht immer mehr aus wie der späte John Belushi und mit einem rumpelnden Sweet Home Chicago startet der Set entsprechend. Drei Gitarren, der fette Bläsersatz von hinten, wechselnde Leadvocals. Es ist wirklich schwer zu erzählen, was bei einem Konzert der Cowboys abgeht. Für die Photographen ist es auf jeden Fall fast unmöglich die Action auf der Bühne authentisch einzufangen.
Ich hab die Band inzwischen oft gesehen und sie schaffen es immer wieder, ihren Set anders aufzubauen. Whiskey In The Jar beispielsweise kannte ich von ihnen noch gar nicht. Genau wie American Woman. Ersteres in einer Version, die Thin Lizzy nicht veralbert und American Woman als Dampfhammer-Rock. Leadsänger Tipe lässt erstmals seine mächtige Röhre aus dem Sack. Der Typ kann aber auch singen.
Ein paar Songs später dann Easy Livin' von Uriah Heep. Hart, härter, Boogie. Auch noch nie von ihnen gehört.

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Zwischen all den Coversongs kommen einige eigene Highlights (u.a. Space Tractor oder der Klasse-Rocker Where's The Moon), ständige Publikumsanimationen - ja, warum sollte man nicht einfach mal ein paar Empfenbacher Mädels auf die Bühne holen und sie dort ausziehen, haben doch nichts zu verbergen, die Süßen - oder eine Scorpions-Gitarrenlehrstunde "for free - kostet nichts". Was spricht dagegen, dass ein Sänger sein Mikro in ein gerupftes Gummihuhn schiebt und dem Vogel ins Bürzel singt? Ich meine, es gibt genügend Ärsche, die unschuldigen Mikros direkt ins Gesicht plärren. Gell Herr Kübelböck. Herzilein spielen die Finnen natürlich auch.

Gimme All Your Lovin' gibt es in der bekannten Stolper-Polka-Version, ZZ TOP könnten sich ein Scheibchen abschneiden, und die Mädels der Finnen sind auch besser. Ach ja, die beiden älteren Damen waren in den späten Sixties Miss Vladivostock bzw. Miss Ulan Bator. Gut gehalten, daran könnte sich Uschi Glas was abschneiden. Oder stimmt das etwa gar nicht und die fleißigen Tanzmäuse sind erst in den Achtzigern geboren? Dann wäre das ein Fehler auf www.leningradcowboys.fi. Glaub ich aber nicht, denn Finnen lügen nicht.

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Die finnische Sprache ist verwandt mit dem Ungarischen. Und deswegen spielen die Cowboys eine zehnminütige Monsterversion von Let There Be Rock (weil schließlich ist Marika Röck auch nicht in Ungarn sondern in Kairo geboren). Alle AC/DC-Klone dieser Welt sollten aufgeben. Ich habe noch keine so ultimative Fassung dieses lebenslänglichen Megaboogie gehört. 3 Gitarren immer voll in die Schnauze, göttliches Gebrüll und dazu die Traktor-Fake-Gitarre von Tipe und ein anderer Knallkopf, der mit der Trommel über die Bühne trampelt. Köstlich, unvergleichlich, legendär!

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Dagegen kann Metallica's Enter Sandman natürlich nicht anstinken. Ich glaube aber, das spielen sie eh nur, um zu beweisen, dass die Metallicats eine eher minderbegabte Kapelle sind. Der Song an sich hat nämlich was. Zumindest in der Fjord meets Tundra Version.

Noch ein musikalisches Schmankerl: Rockin' In The Free World von Krach-Genialist Neil Young. Nur werden Young's Crazy Schrammel Horses niemals eine so tighte Interpretation hinkriegen. Rockmusik in Perfektion. Der Song an sich ist eh unangreifbar.

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Zur Zugabe dann das Unfassbare:
Die drei Bläser (umpf) kommen splitterfasernackt, nur mit Saxophon, Trompete, Horn und Krawatte bekleidet, zurück auf die Bühne und betätigen sich als klassische Zipfelklatscher (Liebe Kinder, das war bayrisch). "Shake it" kreischt Tipe und Linda und Suvi schauen schamhaft weg. Die Frauen im Publikum dafür genauer hin. Ein Brüller!
Gitarrist Varre stülpt sich derweil eine gewaltige Afro-Perücke über das Cowboy-Horn und gibt eine herrliche Hendrix-Parodie. Und zu den russischen Klängen von Kasakka endet die Revue. Wir haben alle sehr gelacht.

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Noch ein Wörtchen zum Empfenbacher Festival. Mitten zwischen den Hallertauern Hopfenanbaugebieten hat sich dieses Open Air Festival seit Jahren etabliert und das mit Recht. Gemütlich, übersichtlich und bestens organisiert, können sich Bands und Zuschauer drei Tage lang vergnügen. Liebe Veranstalter anderer Events, bitte schaut mal genau hin! Ich verrate nämlich jetzt die Preise.
Die Halbe Bier, Spezi, Wasser, Apfelschorle kostet 1,50 Euro! Und ich armer Tropf musste fahren...
Das 3-Tages Ticket kostet 25 Euro (inklusive einem Bierkrug) und dafür kriegt man neben den Headlinern (dieses Jahr die Cowboys und M3, also Mickey Moody und Bernie Marsden mit ihrer neuen Band) noch 8 weitere Bands geboten. Noch Fragen?

Dank an Pit Gerl für den Support und das feine Festival.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.07.2003

Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.07.2003

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