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Festival-Bericht:

1. Metalfield Open Air

Döffingen, Sumpf, 17.08.2003

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1. Metalfield Open Air, Döffingen, Sumpf, 17.08.2003

Es muss nicht immer gleich Wacken, die Loreley oder der Nürburgring sein. Es lohnt sich durchaus auch mal der Besuch eines kleinen Underground-Open-Airs, bei dem für einen vernachlässigbaren Eintrittspreis durchaus interessante Acts zu sehen sind.

Nach dem Fehlstart im ersten Versuch (die Bands waren da, die Fans waren da, dann kam das Unwetter) stand der neuerliche Anlauf des ersten Metalfield Open Airs im Sumpf in Döffingen (bei Böblingen, bei Stuttgart) zumindest wettertechnisch unter einem günstigeren Stern. Auch wenn ich erst am Vorabend erstmals von der Veranstaltung hörte, konnte ich spontan der Versuchung nicht widerstehen, an einem sommerlichen Samstagabend sechs Heavy Metal Bands, die nahezu in meinem Vorgarten losrockten meine Aufwartung zu machen.

The Past Alive

Na ja, letztendlich bekam ich fünf Bands zu hören, denn als die Heilbronner THE PAST ALIVE um 17 Uhr den Reigen eröffneten, befand ich mich noch freudentrunken auf dem Heimweg vom 2:0 Triumph meiner Stuttgarter Kickers gegen Rot-Weiß Erfurt, mit dem die blauen Götter nach einer beeindruckenden zweiten Halbzeit und zwei Traumtoren von Eric Obinna auf Platz 2 der Regionalliga Süd stürmten.

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Der 'Sumpf' erwies sich als gemütliches, nahezu ideales Gelände für ein kleines Freiluftfestival, wenn man von dem Mangel an Parkplätzen einmal absah. Dafür bot das kleine Areal in einem ehemaligen Steinbruch einen schönen in sich geschlossenen Rahmen. Für das leibliche Wohl standen ein Pizzastand, eine Bar und ein Getränkeauschank mit humanen Preisen bereit und die in ausreichender Anzahl aufgestellten Biertischgarnituren luden dazu ein, sich die nächsten Bands erst mal gemütlich aus der Distanz anzuschauen.

Steeldawn

STEELDAWN aus Frankfurt (nicht Köln!) ließen dann die glorreichen Achtziger wieder aufleben und präsentierten vierzig Minuten lang schnörkellosen Heavy Metal der Freunde von ACCEPT und JUDAS PRIEST gleichermaßen zufrieden stellte.
Neben den gelungenen Coverversionen von KISS (Detroit rock city) und FLEETWOOD MACs The green manalishi in der JUDAS PRIEST-Adaption konnten auch die Eigenkompositionen des Fünfers durchaus überzeugen. Songs wie Shot in the night, Flight 397, Light of love oder Streets of freedom wurden zu Recht mit wohlwollendem Applaus bedacht.
Eine solide, unterhaltsame Vorstellung, die Spaß machte und den Eindruck erweckte, dass STEELDAWN auch über längere Konzertdistanzen in der Lage sind ihr Publikum zu fesseln.

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Cabal

Mit CABAL enterte eine andere Musikergeneration die Bühne, wie sich unschwer an Outfit und Sound feststellen ließ. Mit einem ultrafetten Groovemonster das an PANTERA erinnerte, ging es dann auch gleich begleitet von einem energischen Stageacting in die Vollen. Mit Fortdauer der Show warf die Band allerdings mehr und mehr Fragen auf, deren Antworten sie schuldig blieben. Wozu benötigte man eine Keyboarderin, die nicht zu hören war? Vor allem aber: Wo verläuft die Grenze zwischen stilistischer Vielfalt und Konzeptlosigkeit? Zwischen wüstem Death-Metal-Geballer und komplexen progressiven Arrangements ließ die Band nahezu nichts aus. Reality liebäugelte sogar mit SAVATAGE, Eternal glory ließ mit einigen gepflegten Prog-Einschüben aufhorchen, Stücke wie Cabal oder Pure hate dagegen sind pures US-Death-Gemetzel. Das war weder Fisch noch Fleisch, doch mit der Coverversion von AMERICAs The last unicorn im dynamischen Power-Metal-Gewand setzte die Band ein nachhaltiges Statement. Immerhin schafften es CABAL vier Nachwuchsmitglieder der IG Metal in Baggypants vor die Bühne zu locken. Trotzdem kann man den Jungs und dem Mädel nur dringendst empfehlen in Klausur zu gehen und sich darüber klar zu werden, wohin die stilistische Reise zukünftig gehen soll.

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Greedy Bastards

Mit den GREEDY BASTARDS stand als nächstes eine METALLICA-Tribute-Band auf dem Programm und Frontman Thomas Brauns machte Döffingen den Hetfield. Die Calwer setzten dabei geschmackssicher auf älteres METALLICA-Material. Nach dem original Ennio Morricone-Intro Ecstasy of gold kamen ansprechende Versionen von Master of puppets, Enter sandman, Welcome home (Sanitarium), The shortest straw, Seek and destroy (Witzig als eigener Song angekündigt, um mal langsam die Karriere in Gang zu bringen) und Creaping death zu neuen Ehren.
Ein feiner kurzweiliger Auftritt mit hohem Unterhaltungswert.

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Lanfear

LANFEAR - Diese Band solltet ihr euch unbedingt merken! Was die Gundelsheimer Progressiv-Metaller in ihrer mit knapp einer Stunde leider sehr kurz bemessenen Show ablieferten genügte höchsten internationalen Prog-Metal-Ansprüchen.
Stilistisch erinnerte die Band am ehesten an frühe FATES WARNING und überzeugte mit technisch versierten Musikern, einem starken Sänger und mit bei aller Komplexität auf Anhieb überzeugenden, nachvollziehbaren Songmaterial. Das war im Vergleich zu den bisher agierenden Bands des Festivals ein technischer und musikalischer Quantensprung.
Im Mittelpunkt standen erwartungsgemäß die Songs des aktuellen Albums "The art effect", aber auch Klassiker wie Time's dark laughter wurden von den mittlerweile geschätzten 200 Besuchern begeistert aufgenommen.
Wenn Qualität sich durchsetzt, dann ist der Durchbruch von LANFEAR nur noch eine Frage der Zeit.

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Chinchilla

Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, so ist es für mich eins der großen Mysterien des Heavy-Metal-Universums, warum CHINCHILLA trotz starker Albumveröffentlichungen bislang keinen angemessenen Stellenwert in der Szene erringen konnten. Ist es der Standortnachteil der schwäbischen Provinz im Schatten der Hip-Hop-Hochburg Stuttgart? Ist es der wenig metallische Bandname? Mangelnde Promotion? Vielleicht von allem ein bisschen.

In Anbetracht der unzähligen CHINCHILLA-T-Shirt-Träger auf dem Festivalgelände bestand allerdings nie ein Zweifel, wem an diesem Abend das größte Interesse des Publikums galt. Fast alle waren sie wegen CHINCHILLA in den Sumpf gekommen, und bereiteten den Lokalmatadoren aus dem benachbarten Böblingen einen würdigen Empfang. CHINCHILLA wussten das zu schätzen und zahlten es ihrem Publikum mit gleicher Münze in Form eines starken Auftritts zurück.

Attestierte ich der Band als Support von DEMON vor anderthalb Jahren noch eine etwas sterile, verhaltene Bühenperformance, so glänzten CHINCHILLA an diesem Abend bei einem echten Heimspiel mit einer enormen Spielfreude.
Sänger Thomas Laasch erwies sich als guter Entertainer, der dem singfreudigen Publikum in den ersten Reihen immer wieder die Möglichkeit gab sich in den Auftritt mit einzubringen.

Mit einer ausgewogenen Mischung aus Songs des aktuellen Albums "Madtropolis" und älteren Stücken belegten CHINCHILLA wieder einmal, dass sie im Bereich des melodischen Power Metal nicht nur mit weitaus populäreren Bands mithalten, sondern auch Maßstäbe setzen können. CHINCHILLA sind einfach reif für größere Taten, sei es nun eine ausgedehnte Clubtour oder eins der großen Sommer-Open Airs.

Nach etwa fünfundvierzig Minuten folgte jedoch die eiskalte Dusche für die begeisterten Fans. Obwohl in allen Vorankündigungen eine Spielzeit bis kurz vor Mitternacht ausgewiesen war, mussten CHINCHILLA bereits gegen 23 Uhr 15 ihren Auftritt abrupt beenden.

Bislang unbestätigten Gerüchten zur Folge hatte es der Veranstalter schlichtweg versäumt für eine ordnungsgemäße Anmeldung des Festivals zu sorgen und massive Beschwerden der Döffinger Nicht-Metaller wegen nächtlicher Ruhestörung riefen vorzeitig die Ordnungshüter auf den Plan.

Die Band war ziemlich angepisst, das Publikum enttäuscht und das wirklich ärgerliche an diesem unrühmlichen Ende des ersten Metalfield-Open Airs war, dass diese Panne absolut vermeidbar gewesen wäre.

Hoffen wir das die Verantwortlichen daraus lernen, dann spricht nichts gegen eine Neuauflage im nächsten Jahr. Spaß gemacht hat es trotzdem.

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Besonderer Dank an Udo Gerstenmeyer (CHINCHILLA) für die unbürokratische 'Blitzakkreditierung'.

Martin Schneider, (Impressum, Artikelliste), 21.08.2003

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