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| Antioch, TN (USA), Starwood Amphitheater, 19.10.2006 |
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Wir befinden uns mitten im Oktober und können zu einem Open Air gehen, ist das nicht wunderbar? In Deutschland wohl undenkbar, aber hier im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, kein Problem. Leider hat es ca. 7 Grad und es regnet in Strömen. Egal, Mr. Jack Daniels sorgt für innere Wärme, allerdings nur, wenn man ihn mit einem Softdrink mixt, einzeln darf er nicht verkauft werden. Das nur am Rande.
MÖTLEY CRÜE fangen pünktlich um halb acht an, das ist aber schon alles an Positivem was ich zu diesem Auftritt sagen kann. Im Mai in Jackson, Mississippi, wo sie mit ihrer 'Zirkusbühne' unterwegs waren, fand ich alles noch recht in Ordnung. Aber heute. Krach, viel Licht und Feuer, kein Sound, dafür umso mehr Lautstärke. Und ein Tommy Lee, der anscheinend nur ein Wort in seinem Vokabular hat und dieses ca. 50 Mal benutzen musste. Es fängt mit F an.
Der Vollständigkeit halber die Setlist:
Dr. Feelgood, Shout At The Devil, ,Fuck yeah' (Zwischenmitsingteil für alle die wollten, dirigiert von Tommy L.), Wild Side, Looks That Kill, Live Wire, Same Old Situation (mit einem Country Stargast, der anscheinend sehr bekannt war), Home Sweet Home, Don't Go Away Mad, Louder Than Hell, Sick Love Song, Primal Scream, Girls, Girls, Girls (Vince Neil kommt mit Motorrad auf Bühne), Kickstart My Heart (Abschlussfeuerwerk auf der Bühne - das war tatsächlich nicht schlecht)
Das obligatorische Zerstören seines Basses von Nikki Sixx als Zugabe.
Nun zum angenehmen Teil des Abends. Ein Wort zum Amphitheater: Diesmal, im Gegensatz zu LYNYRD SKYNYRD in Mississippi, handelt es sich wirklich um ein Amphitheater mit riesiger Bühne. Direkt davor befinden sich die Sitzplätze (die für horrende Preise erhältlich waren - wenn man in einem Fanclub wäre) und diese sind überdacht! Hier finden ca. 3.000 Leute Platz, dahinter (nicht überdacht) beginnen die billigen Stehplätze auf der Wiese.
Da die Bühne am tiefsten Punkt des Geländes ist, kann man von jedem Platz toll sehen, außerdem gibt es zwei riesige Leinwände (die MÖTLEY CRÜE für doofe Videos verwendet hat...).
Mit Toys In The Attic legen die Veteranen erst mal anständig los, Joe Perry begrüßt seine Fans direkt mit einem Solo auf seiner Strat, und das ganze findet auf dem ca. 30 Meter langen Laufsteg mitten ins Publikum statt. Und er hat wieder Haare! Ganz normale lange Haare und nicht irgendwelche modische Frisuren. Das ist doch schon mal was, oder ist das nun modern?
Schon jetzt ist zu merken, dass die Qualität hier mehr im Mittelpunkt steht als die Lautstärke. Same Old Song And Dance wird kurz angespielt, geht aber schnell in Walkin' The Dog über. Das war es dann erst mal aus der Uralt-Kiste.
Eat The Rich ist zwar auch nicht mehr als jung zu bezeichnen, doch wesentlich frischer. Hierzu hat Joe Perry seine Flaming Top Les Paul ausgepackt, Steven Tyler setzt sich am Ende des Songs noch mit dem obligatorischen Rülpser in Szene, nachdem er alle Besserverdiener verspeist hat (übrigens gibt es von ihm nun eine Limited Edition Harley Davidson für 80.000 $. Von diesen gibt es nur 10 Stück, und wenn man das Sümmchen locker macht, darf man sogar Steven Tyler bei der Übergabe des Ofens begrüßen... rülps). Um auch etwas für die zahlreich erschienenen Frauen zu tun wird Cryin' intoniert, frenetischer Jubel garantiert.
Baby Please Don't Go bringt uns wieder in ältere Gefilde, auch wenn die Veröffentlichung noch nicht zu lange her ist, bevor Joe Perry seinen Soloauftritt zu Stop Messin' Around genießen darf. Das Gitarrensolo hierzu steuert Brad Whitford an der Fender bei.
An dieser Stelle dann auch ein Wort zu Tom Hamilton, der wegen seiner Krankheit leider noch nicht wieder dabei ist. Sein Ersatz David Hull (spielte schon 1980 bei THE JOE PERRY PROJECT mit) fügt sich aber sehr gut ein, trotzdem fehlt natürlich etwas...
Der Laufsteg kommt nun 'richtig' zum Einsatz, obwohl vor allem Steven Tyler und Joe Perry ihn sehr oft benutzen, wird er nun mit Barhockern bestückt um dort Hangman Jury vom "Permanent Vacation" Album anzustimmen, allerdings nur kurz, um dann in Seasons Of Whither überzugehen, das mit einem Schneesturm von der Bühnendecke beendet wird. Sehr schön. Amerikanisch. Alle sind begeistert (vor allem weil wir eh im Regen stehen).
Zu Stühlen fällt mir noch ein: Hat schon mal jemand gesehen, dass auf einem Konzert Campingstühle vermietet werden? Hier kann man das für 10 $ machen. Wer also nur einen Stehplatz hat, kann diesen ganz einfach 'upgraden' lassen. Sieht dann allerdings nichts mehr. Egal, Hauptsache Sitzplatz mit Cupholder. Ich werde mich demnächst mit einem Sonnenschirm-Verleih selbständig machen. Vom Konzertbesucher zum Schirmvermieter, hier geht einfach alles.
Dream On durfte natürlich nicht fehlen und wurde von allen Songs am meisten gefeiert. Steven Tyler bekommt seinen Kreischteil für sein Alter auch noch recht gut hin. Es kommt in jedem Fall an.
Endlich was richtig Neues, oder ist es auch wirklich richtig neu? Eines der beiden neuen Stücke, das Titelstück vom kürzlich erschienen Best-Of Album "Devil's Got A New Disguise", rockt recht gut und gefällt. Joe Perry raucht zum stampfenden Rhythmus in aller Ruhe eine Zigarillo und scheint mit sich und der Welt zufrieden zu sein. Allerdings sollen die beiden neuen Stücke aus der Zeit von "Pump" stammen. Auch egal, trotzdem interessant. In jedem Fall kommt das Album natürlich rechtzeitig zu Weihnachten, ist völlig unnütz da tausendmal vorhanden, belegt aber bereits zwei Tage nach Veröffentlichung laut Steven Tyler die Nummer 1 in den Rockcharts. Da kann man doch nicht meckern. Aber rülpsen.
Apropos Joe Perry. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass er sehr viel Spaß an diesem Auftritt hatte. Es machte auf mich den Eindruck als würde er "richtig kämpfen" und alles geben. Bei den DVDs, die man in letzter Zeit so sehen konnte, sah alles immer einfach nur sehr cool aus und nicht sonderlich begeistert. Vielleicht liegt es natürlich auch nur an der Frisur. ;) Oder daran, dass viele alte Lieder zum Besten gegeben werden. Oder gar nichts von "Just Push Play", was bei mir sehr zur Laune beiträgt.
Mit zwei Gibson Les Pauls duellieren sich Joe und Brad zu Rattlesnake Shake in ihrem Gitarrensolo-Wettkampf. Sieger dabei: Wir, die Fans. Für mich ein Höhepunkt des Abends - sehr gelungen.
Auch ohne Tom Hamilton, üblicherweise für ihn der "relativ große Auftritt" jedes Konzerts: Sweet Emotions. Auch nach all den Jahren immer noch ein echter Klassiker. Und Tom Hamilton wird von David Hull klasse ersetzt. Das scheint auch eine anwesende Dame im Publikum so zu sehen, denn vor lauter Begeisterung wirft sie ihr Höschen auf die Bühne. Scheint aber keinen richtig zu interessieren, kommt wohl regelmäßig vor. Das folgende, wie immer sehr interessante (im Gegensatz zu vielen anderen) Gitarrensolo von Joe Perry geht in das letzte Stück des regulären Auftritts über - passenderweise Draw The Line.
Nach kurzem Warten und Schreien werden mit Back In The Saddle und Walk This Way noch mal zwei richtig alte Gassenhauer ausgepackt. Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt und alle sind glücklich. Wenn das Wetter und MÖTLEY CRÜE nicht gewesen wären, hätten wir natürlich noch etwas glücklicher sein können. Aber wenigstens, nach all den Jahren, wieder mal eine der größten Bands und das dann noch in deren Heimatland. Jetzt fehlt es noch in Boston...
Ach so, was ich fast vergessen hätte: Diesmal gab es keinen Gruß an irgendwelche Truppen, irgendwo in der Welt. Das war wohl das erste Konzert hier in den Staaten, wo es ausblieb. Sehr positiv, vielen Dank AEROSMITH. MÖTLEY CRUE konnten das natürlich nicht bleiben lassen.
Kurz und gut, ich würde es mir noch mal ansehen. Dann aber ein bisschen länger als 80 Minuten.
Setlist:
Toys In The Attic, Walkin' The Dog, Eat The Rich, Cryin', Baby Please Don't Go, Stop Messin' Around, Seasons Of Whither, Dream On, Devil's Got A New Disguise, Rattlesnake Shake, Sweet Emotion, Draw The Line
Back In The Saddle, Walk This Way
P.S.: Dem aufmerksamen Leser und Betrachter wird nicht entgehen, dass die beiden Bilder nicht von diesem Konzert stammen können, da darauf ja Tom Hamilton zu sehen ist. Die Fotos stammen von einem Konzert aus dem letzten Jahr in Florida, aber wir wollten sie euch doch nicht vorenthalten.
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