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"Wir sind eher wie Darth Vader.die dunkle Seite"

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Fotos: Peter Tenzler

Immer öfter geraten skandinavische Bands in den Fokus der Öffentlichkeit. Nach der fast unüberschaubaren Welle aus Schweden und auch Norwegen, sind es nun immer mehr Musiker aus Dänemark, die zurecht offene Ohren finden. Im Vorfeld ihres Auftrittes im Bastard traf ich mich daher mit JOYCE HOTEL, bestehend aus Kristian Funder (Gesang, Gitarre & Keyboards), Bo Karlsson (Gitarre, Keyboards & Gesang), Jacob Clemmensen (Bass & Gsang) und Lars Wraae (Drums) in der Szenekneipe im Prenzlauer Berg mit dem rekordverdächtig langen Namen "An einem Sonntag im August" zum Interview.

Home of Rock: JOYCE HOTEL gibt es seit ungefähr fünf Jahren. Wie habt seid ihr als Band zusammengekommen ?.

Kristian: Bo und Jacob, der Gitarrist und der Bassist und ich haben schon länger zusammengespielt. Das war in einer Kleinstadt in Jütland. Irgendwann bschlossen wir, nach Kopenhagen umzusiedeln, weil es in der Kleinstadt natürlich weniger Auftrittsmöglichkeiten gab und wir live spielen wollten. Also schalteten wir eine Anzeige, um einen Schlagzeuger zu finden. Und dann tauchte Lars auf. Wir benötigten einfach noch jemand mit ein bisschen Grips (Gelächter)
Lars: Das bin ich (Gelächter).
Kristian: Ja, er hat zu der Zeit Jazz gespielt und wir suchten auch einen Drummer, der nicht unbedingt nur Rock-Schlagzeuger ist. So fanden wir zusammen. Danach haben wir für etwa vier Jahre in Kopenhagen zusammen gespielt.

HoR: Ihr habt gerade Euer erstes selbstbetiteltes Album veröffentlicht. Könnt Ihr mir etwas darüber erzeählen, vielleicht auch über die Arbeit im Studio?

Kristian: Es war ein sehr lange dauernder Entwicklungsprozess. Bo, unser Gitarrist, ist Soundingenieur, also war er für die Aufnahmen verantwortlich. Wir haben das meiste in Eigenregie gemacht, Claus Bergman von Kitty Wu, eine anderen dänischen Band, hat es dann produziert. Zu dieser Zeit waren wir eigentlich ein Trio, Bo, Jacob und ich am Anfang. Es war mehr oder weniger zunächst eine lange Phase des Ausprobierens einiger Dinge. Zunächst wollten wir einige einfach Sachen festlegen um dann nach und nach ein Korsett zu haben, um uns von dort aus bewegen zu können, bis wir überzeugt waren, in die richtige Richtung zu gehen. Das Album ist eine Neuveröffentlichung mit zwei neuen Stücken, die wir jetzt gemeinsam als Band aufgenommen haben. Es war ein wirklich langer Prozess, der manchmal sehr schmerzvoll war und ein anderes Mal sehr viel Spass gebracht hat. Wir wollten etwas ganz spezielles machen, und wenn man dahin gelangen will, muss man ernsthaft seinen Weg gehen.
Lars: Die erste Veröffentlichung in Dänemark war am 30. August letzten Jahres, seitdem ist ein Jahr vergangen, bis wir am 8. August diesen Jahres in Deutschland die Platte mit den beiden neuen Songs zusätzlich veröffentlicht haben.

HoR: Wie würdet Ihr Eure Musik bezeichnen?

Jacob: Dafür hat Bo die hundertprozentig passende Antwort parat.

Bo: Zwei Sätze : Es ist sowohl warm und kalt als auch rot und blau.

HoR: Ihr werdet oft mit RADIOHEAD verglichen. Stört Euch das oder wie denkt Ihr darüber?

Kristian: Also zunächst mal : RADIOHEAD ist ein großartige Band.wir haben diese Frage nun schon häufig beantwortet.die größten Songs von RADIOHEAD finden sich auch über mehrere Alben verteilt, man kann auch Elemente von LAIKA oder den frühen PIXIES in der Musik von RADIOHEAD wieder finden. Ich denke, alles ist von Einfluss, wenngleich wir möglicherweise mehr nach RADIOHEAD klingen, da wir mehr RADIOHEAD hören, als andere Sachen. Wir haben vielleicht beide die gleichen Inspirationsquellen. Aber ich glaube, der Vergleich ist einfach nicht fair. Wir sind hässlicher, wütender und trauriger, irgendwo.

HoR: Gibt es irgendwelche außermusikalischen Inspirationsquellen für Euch ? Literatur, Filme und so weiter ?

Kristian: Doch, viele Filme. Und tatsächlich hat Jacob versucht, "Ulysses" von James Joyce zu lesen, um auch einen Gesamteindruck davon zu haben. Natürlich gibt es sehr viele Einflüsse durch Literatur, aber in dem Moment, wo Du diese Frage gestellt bekommst, fällt Dir natürlich nichts dazu ein.
Jacob: Kafka.
Kristian: Kafka, natürlich. Jacob: Oder "The Magus" von John Fowles. Romane, die wie eine Suche funktionieren, eine Suche nach dem Inneren, was wir auch mit unserer Musik erreichen wollen. Dasselbe ist mit Filmen.Sowohl größere, aber etwas verrückte Filme, kleinere Filme.
Kristian: "The Addiction" und natürlich Wes Anderson, der "The Royal Tenenbaums" gedreht hat, das ist auch ein großer Einfluss für uns. In erster Linie etwas verrücktes Zeug, kein Mainstream.

HoR: Eure Musik ist nur ein Bestandteil eines umfassenderen Gesamtkonzepts, zusammen mit den Texten, natürlich, aber auch grafischen und filmischen Elementen?

Kristian: Der Hauptgrund für die Tatsache, das alles so zusammenhängt, ist das wir das Ganze ursprünglich als eine Art stilistische Absichtserklärung verstanden wissen wollten, wir wollten gute Musik präsentieren. Es erwies sich als kommerzieller Selbstmord, aber das war der eigentliche Plan, eine Art Statement abzugeben. Denn wenn Du selbst gute Musik hörst, bist Du für alles offen und es ist dir nicht so wichtig, wer jetzt das Schlagzeug spielt. Der Grund, warum das Video zu unserer Musik also so ist, wie es ist, liegt darin, das wir diese Felder selbst besetzt halten, wir praktisch im eigenen Haus behalten und alles unter Kontrolle haben. Wir haben ja auch unser eigenes Studio.

HoR: Gibt es noch irgendwelche anderen dänischen Bands, die ihr empfehlen könnt?

Kristian: Eine großartige Band sind TRANSMISSION LOW.
Lars: SPEAKER BITE ME.
Kristian: JOMI MASSAGE und zahlreiche Band, die wir nur einmal hören (etliche Namen werden noch durcheinander gerufen). Außerdem Manoj Ramdas, der Gitarrist von den RAVEONETTES.

HoR:Ich denke, da ist eine sehr lebendige, sich entwickelnde Szene in Dänemark. Kennt Ihr LAKE PLACID?

Kristian: Oh ja, LAKE PLACID, wir haben mit THE ALPINE gatourt und mit diesen ganzen Bands. Klar, in Dänemakr ist eine kleine Szene, aber es gibt eher die Rocker und dann die Alternativeszene und die Popszene. Und diese sind Pop, die machen im Grunde die Sachen wie die CARDIGANS vor einiger Zeit. Da gibt es viele Bands. Aber wir sind eher auf dem Rockgebiet, daher bin ich nicht so eng an den Leuten aus der Popecke dran.
Lars: Wir sind eher wie Darth Vader.die dunkle Seite.(Gelächter)

HoR: Stellt Euch vor, ihr würdet auf eine verlassen Insel verschlagen und könntet nur drei Dinge mitnehmen. Was würde das jeweils sein?

Bo: Das Internet. (Gelächter) Das Internet, Berlin und Kopenhagen.
Kristian: Und eine große Mauer.
Lars: Meine Freundin, meine Söhne und mein Schlagzeug.
Jacob:Meine schangere Freundin, das sind also wohl schon zwei und meinen Bass.
Kristian:Man muss dafür eine gewisse Philosophie berücksichtigen. Wenn Du Besitztümer mitnimmst, bist du allein. Also ich würde meine Freundin mitnehmen, meine Gitarre und mein Powerbook.
Lars:(zu Alex, dem Booker von PolarZoo) Und du bringst das Essen (Gelächter).

HoR: Was sind Eure weiteren Pläne für dieses und das nächste Jahr?

Kristian: Das ist der erste Teil der Deutschlandtour. Wir werden im Oktober zurückkommen. Außerdem haben wir schon das Studio bestellt.also es wird uns jemand ein Studio errichten, wir planen dann unser eigenes Label. Denn Bo ist ein sehr talentierter Soundingenieur, damit wir annehmen können, wer oder was auf uns zukommt, um auch anderen Künstlern zu helfen, sich weiterentwickeln zu können.
Jacob: Natürlich unser eigenes Album aufnehmen, das Grundgerüst für die Songs des nächsten Albums steht bereits fast vollständig. Ich hoffe daher, dass das Studio so weit fertig ist, wenn wir nach der zweiten Tour ankommen, dass wir uns an das nächste Album machen können. Wir sprechen zwar über Veröffentlichunsdaten, es ist aber noch nichts konkret in dieser Hinsicht.
Bo:Außerdem das Re-Release des ersten Albums in Dänemark mit den beiden neuen Songs und dem neuen Cover, also praktisch die deutsche Version. Das wird am 7. November sein.
Kristian: Außerdem hoffen wir, noch einige Konzerte in Dänemark spielen zu können. Und dann, wie Jacob sagte, ins Studio gehen und ein weiteres Album aufnehmen.

HoR: Was wollt Ihr abschließend an unsere Leser loswerden, ein bestimmtes Statement?

Kristian: Besucht http://www.joycehotel.com, nein. seid nett zueinander.
Lars: Es gibt genügend böse Menschen da draußen.
Kristian: Und wenn ihr auf der Autobahn unterwegs seid, und ihr hört Sirenen, fahrt auf die Seite und lasst die Ambulanz durch, die jemand schnell benötigt. Es ist keine gute Idee, die Ambulanz zu blockieren..

HoR: Vielen Dank und viel Erfolg für Eure weiteren Vorhaben

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle auch an Dennis Saia von Starkult, der das Interview ermöglicht hat und natürlich an Alex von PolarZoo für die Unterstützung vor Ort und dafür, dass er mich mit einer Hand voll Kompilationen interessanter nordischer Musik versorgt hat.

Ralf Stierlen, (Impressum, Artikelliste), 1.11.2005

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