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"Eine Mischung aus Pink Floyd, Genesis und Metallica???"

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Vor dem Konzert im Hofer Rockwerk standen mir JELLY PLANET praktisch komplett zu einem Interview zur Verfügung. Aber was heißt hier Interview? Angesagt war gepflegtes Abhängen bei fränkischer Küche (Knödel, Schweinsbraten und Rotkohl), drinks for free für den Autor inklusive vom Veranstalter zur Verfügung gestellter Jägermeister bis es sich dann von Publikumszuspruch für die Band lohnte, die Bühne zu betreten.

Home of Rock: Eure letzte Scheibe "Yellow Sunshine Explosion" ist jetzt seit etwa einem Monat draußen. Wie seid Ihr bisher zufrieden mit den Reaktionen?

Jens Küchenthal: Mit den Kritiken auf unsere Platte? Zum größten Teil sehr zufrieden, so etwa zu 90 Prozent.
Alexander Schönert: In der "Visions" stand eine scheiß Kritik drin, ansonsten gab es eigentlich nur sehr sehr gute.

HoR: Die "Visions" lässt auch nach, oder?

Alexander: Aber in der aktuellen "Visions" ist ein hervorragender Artikel mit Foto über uns drin, da hat er es dann wieder ein bisschen ausgeglichen.
Jens: Vorher wollten wir eigentlich doch einen Brandsatz in die Redaktion werfen, weil die eben auch aus Dortmund kommen. Es waren eben zwei verschiedene Schreiber, die das verfasst haben.

HoR: Und die Kritiken gingen auch in die richtige Richtung, will meinen, Ihr fühltet Euch auch verstanden?

Alexander: Ja, gut, manchmal musst du grinsen, neulich habe ich wieder gelesen, "JELLY PLANET, eine Mischung aus PINK FLOYD, GENESIS und METALLICA.
Felix A. Gutierrez: In mancher Kritik ließt man noch abstruseres. Aber wenn derjenige das in diesem Moment so empfindet, dann ist das eben so. Also ich empfinde das nicht so, ich wüsste nicht, was bei uns im entferntesten nach GENESIS klingen würde. Oder METALLICA.
Jens: Vielleicht kennt man die auch zu wenig, ich kenne ja die alten GENESIS-Sachen gar nicht so.
Alexander: Ja, man hätte die schon als Kind hören müssen, um beeinflusst zu sein. Und jetzt bei der Kritik in der "Gitarre & Bass", da merkst du schon auch eine gewisse Fachkompetenz, dass die ein paar Sachen checken, seien es krumme Rhythmen oder abenteuerliche Harmonien. die Texte haben sie auch begriffen.

HoR: Wie seid Ihr auf Guido Lucas, Euren Produzenten, gekommen?

Jens: Er war jemand, mit dem wir schon immer zusammenarbeiten wollten. Uns gefiel seine Arbeit mit BLACKMAIL oder auch URLAUB IN POLEN.
Alexander: Speziell jetzt auch SCUMBUCKET und KEN, da waren wir, bevor wir Guido persönlich kennengelernt haben, Fan davon, von der Musik, und letztendlich haben wir uns mit ihm getroffen. Wir wussten ja gar nicht, ob der jetzt ein toller Produzent ist oder nicht, aber wir fanden halt die Musik gut. Und da haben wir lieber einen Menschen kennengelernt, der uns versteht, der unsere Ästhetik nachempfinden kann und der Bock auf uns hat, viel lieber als einen Hi-Tech-Produzenten, der keinen Bock auf uns hat. Und dann haben wir uns mit ihm getroffen, und es war uns sofort klar, dass wir etwas mit ihm machen müssen, weil es einfach ganz harmonisch und toll war und das gipfelte dann im Studio in dem Satz von ihm: "So Leute, ab jetzt gibt es hier keine Probleme". So war das dann auch die ganzen Wochen, so dass man dann wirklich sehr toll miteinander gearbeitet hat.

HoR: Ich habe irgendwo gelesen, dass Ihr die Songs im Studio ehe entwickelt, also dass keiner alleine verantwortlich für einen Song, sondern Ihr die Sachen abstimmt, fast demokratisch?

Alexander: Nein demokratisch überhaupt nicht, denn dann würden wir ja einen überstimmen, wenn der keinen Bock hat, das machen wir nie. Es wird so lange rumgewuselt, bis alle einig sind. Aber da wir jetzt schon so lange, 13 Jahre zum Teil seit 20 Jahren, seit der Kindheit, zusammen Musik machen. irgendwann, wenn einer eine zündende Idee hat, dann fluppt das eben. Manchmal entstehen Songs in einer Jam-Session, in diesem Moment, dann ist das Ding fertig oder man bastelt halt noch ein bisschen rum.
Felix: Die letzten Songs, die wir geschrieben haben, da waren wir ziemlich schnell einig, das sind ja auch meist die besten dann.
Alexander: Über Musik sollte man auch streiten, haben wir bei Michael Karoli von CAN gelernt. Man sollte nicht streiten über Geld oder Frauen innerhalb einer Band, aber über Musik schon.

HoR: Gerade läuft auch noch Eure Tour, was ist da noch geplant dieses Jahr?

Jens: Das läuft eher nicht so toll.
Alexander: Ich denke, das kann man auch ruhig öffentlich sagen, dass wir von unserer Booking Agentur im Stich gelassen worden sind, ultrasauer sind und da jetzt ganz fix etwas dagegen tun müssen, damit wir vielleicht im Herbst noch eine kleine Tour haben.
Jens: Das kann echt nicht sein, wir haben tolle Resonanzen, eine tolle Platte herausgebracht und haben jetzt kaum Gelegenheit, die Sachen live zu bringen. da kann doch was nicht stimmen.
Alexander: Und wenn. also unsere Booking Agentur (Extratours, Anm d. Red.) ist ansässig in Süddeutschland und nur dort haben wir jetzt fünf Gigs und das war's. Im Ruhrgebiet haben wir nicht einen Gig, in Essen oder Bochum und das ist natürlich schon sehr traurig.

HoR: Ich hatte mich auch schon gewundert, dass im Norden und Osten nichts ist.

Alexander: Nix, gar nix. gut, das wird alles noch kommen, das wird ja jetzt nicht gegen die Wand fahren, aber es fokussiert sich natürlich schon auf den Veröffentlichungstermin, also du willst natürlich schon eine Tour machen, wenn jetzt die Platte herauskommt und nicht irgendwie erst im Spätherbst.

HoR: Was gibt es ansonsten für Euch an musikalischen Einflüssen? Eher aktuelle Sachen oder älteres?

Alexander: Alles. wir sind ja sehr unterschiedliche Typen. Und wenn dann der Jens mit einer neuen Entdeckung, einer tollen Band ankommt, dann finden die die anderen auch klasse und so geht es bei allen anderen auch, obwohl es total unterschiedliche Vorlieben gibt. Felix kommt mit Flamenco-Sachen an, Stefan mit klassischen Sachen, ich mit psychedelischen Sachen, Jens hat den größten Riecher für moderne Sachen bei uns. dann haben wir natürlich einen gemeinsamen Nenner mit den BEATLES zum Beispiel, oder Miles Davis. die neue QUEENS OF THE STONE AGE.
Felix: Afrikanische Musik läuft derzeit rauf und runter bei uns.

HoR: Ja, das merkt man Eurer Musik auch an, dass sehr viele Einflüsse eine Rolle spielen, die BEATLES kommen schon immer wieder durch.

Alexander: Ja, mit Sicherheit, viel auch durch diese mehrstimmigen Geschichten, ganz bewusst gemacht. Wobei ich das nicht mal auf die BEATLES reduzieren würde, sondern generell auf die Sixties.

HoR: Nochmal zurück zum Touren, mit wem würdet ihr gerne mal zusammen auftreten?

Jens: Wen wir gerne mal supporten würden?
Alexander: U 2. (Gelächter)
Jens: Oder RADIOHEAD wäre cool.
Alexander: QUEENS OF THE STONE AGE oder MONSTER MAGNET, würde ich auch nicht nein sagen.
Jens: Oder Helge Schneider.
Alexander: Ja, es muss nur zusammen passen.
Stphan Hendricks: Auf jeden Fall Jürgen von der Lippe. (Gelächter)
Alexander: Wir waren vor einiger Zeit mit SUBWAY TO SALLY auf Tour, wirklich ganz liebe Leute. Da trifft man natürlich auf Klientel, deren Publikum, das nicht ganz auf uns drauf ist. Aber man hat schon gemerkt, so zum Ende der Tour hin, auch durch die Gästebucheinträge, dass wir immer mehr Resonanz bekommen haben und viele unsere Sachen so richtig cool fanden.
Wir haben schon das Gefühl, dass wir ein Publikum für uns gewinnen können, wenn wir gut drauf sind. Besser ist es natürlich, wenn sie zu tanzen beginnen, wenn man spürt, dass da Leute sind, die Bock auf dich haben, auf die Musik.

HoR: Gibt es etwas, was Ihr überhaupt nicht abkönnt, mal abgesehen von Eurem Booker?

Stephan: George Bush und seine Machenschaften.

HoR: Und im Musikbusiness?

Alexander: Ja, die Klingeltöne gehen mir tierisch auf den Sack, da die Plattenfirmen mittlerweile mehr Geld machen mit den Klingeltönen als mit Verkäufen der Single.
Felix: Überhaupt, wie umgegangen wird mit dem vorhandenen Potenzial in der deutschen Kultur. Es gibt so viel gute Bands, die eigenständig sind und da wird einfach keine Kohle dafür aufgewandt, statt dessen richtet man sich danach, was von Amiland her diktiert wird, das wird dann irgendwie übernommen.
Stephan: Das ist eine sehr traurige Entwicklung. Es gibt da auch das Beispiel mit JULI, die haben zuerst noch im Jugendheim geprobt. Nach einer Nummer mit Double Platin gehen die in ein Studio, das tausend Euro am Tag kostet, um dort zu proben, nur zu proben.
Jens: Es geht uns nicht darum, dass wir Geld machen, wir wollen Musik machen, wir wollen auf Tour.
Alexander: Wir haben dann einfach auch viel Spass untereinander, in dem Moment, wo wir wie gestern gemeinsam auf der Bühne stehen, das war in Landshut, das war genial gestern. Dann hast du wie nach jedem Konzert wieder einige Leute, die danach zu dir kommen und sagen, he, so was habe ich noch nie gehört.
Felix: Das ist das Schöne, du kannst etwas verändern zusammen, wir machen Musik, weil wir das für uns erreichen wollen, Harmonie in der Band und dass alle glücklich nach Hause gehen können, wir auch. Wir waren gestern glücklich und der Veranstalter kam zu uns und war so happy, dass er meinte, wir müssen unbedingt im Sommer noch mal was zusammen machen: "Ich habe gesehen, dass ihr Qualitäten habt, irgendwie, die auf der Platte noch gar nicht so rüberkommen, weil live ist eben doch noch etwas anderes."
Alexander: Weißt du, dann erlebst du so was und hast das Bedürfnis auf die ganzen Machenschaften von Viva, MTV, Bravo usw. einen großen Haufen zu scheißen. wir sehen ja, wie es funktioniert.
Jens: Die Erfahrung haben wir ja auch gemacht mit Anyway (Auskoppelung des Debütalbums "Food" - Anm. d. Red.), ab in die Charts, wunderschön, Video dann zum Kotzen, irgendwie, die Kohle rausgehauen. Es war für unsere Band nie ein Thema, gesagt zu bekommen "das und das wollen wir hören", wir sind da absolut frei.

Bleibt den Jungs nur alles Gute zu wünschen, insbesondere auch eine fähige Booking Agentur, damit man JELLY PLANET noch häufiger und überall (zumindest in Deutschland) zu hören und zu sehen bekommt. Vielen Dank auch dem örtlichen Veranstalter und Annette von Brainzone für die Unterstützung.

Ralf Stierlen, (Impressum, Artikelliste), 01.04.2005

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