|
Jack Bruce, ist eine Legende. Natürlich assoziert (fast) jeder Rockfan den Namen Jack Bruce mit Cream. Cream war aber nur eine Station in seinem langen Musikerleben.
Wir hatten am 11.09.2001 die Gelegenheit mit dem großen Bassisten zu sprechen und erlebten, frühmorgens um halb 11, einen "aufgeweckten", sehr netten und freundlichen 58-jährigen Musiker, der in seinem Tatendrang immer noch kaum zu bremsen ist:
Home of Rock: Du hast mit Cello angefangen.
Jack Bruce: Ja. Zuerst habe ich gesungen, aber mein erstes erlerntes Instrument war das Cello.
HoR: Spielst Du es noch?
J.B.: Ja, aber nur zum Spass für mich zuhause. Ein bisschen Bach und solche Sachen. Bei einem geeigneten Anlass werde ich es mal auf einer Platte benutzen.
HoR: Sind in Deiner heutigen Musik immer noch klassische Einflüsse zu hören?
J.B.: Nun, alles, mit dem man aufwächst, beeinflusst einen. Ich habe klassische Musik als aller erstes gehört und studiert. Dementsprechend beeinflusst sie mich noch heute.
HoR: Dann bist Du zum Bass gewechselt.
J.B.: Eigentlich wollte ich ja Double-Bass spielen. Elektrisch habe ich eigentlich erst gespielt, als ich professionell zu spielen begann.
HoR: Anfang der 60er Jahre hast Du dann mit Alexis Korner gespielt.
J.B.: Es war meine erste professionelle Banderfahrung bei Alexis. Es waren etliche Bands vorher, aber keine wirklich wichtige. Es war eine große Chance für mich, mit so großen Leuten wie Dick Heckstall-Smith oder Charlie Watts zu spielen. Charlie war der erste Drummer bei Alexis. Ja, ich habe viel bei Alexis gelernt.
HoR: Alexis Korner war ja Mentor ganz vieler späterer Rockstars.
J.B.: Ja klar. Es war etwas besonderes, mit ihm zu spielen. Es gab nicht so viele Möglichkeiten damals, um Rockmusik zu hören und zu spielen.
Ein paar Clubs, wie den Ealing Club am Samstagabend und das alte Marquee in Soho.
HoR: Hast Du später noch mal mit Alexis Korner zusammengespielt?
J.B.: Ja, ich habe mit ihm nochmals in den 80ern gespielt (glaube ich...). Wieder mit Charlie Watts zusammen. Wir hatten eine Band, Rocket 88. Wir haben einige Konzerte in Deutschland zusammen gemacht.
HoR: Du hast nach der Blues Zeit mit Alexis Korner sehr viele verschiedene Projekte und Stile gemacht. Es gab Blues, Jazz, Rock, Hard Rock, Fusion etc.
J.B.: Hmm. Das sind Labels, die von anderen Leuten auf die Musik geklebt werden. Ich brauche das nicht.
HoR: Du hattest aber nie einen wirklich konstanten Stil über all die Jahre.
J.B.: Ich habe halt meinen eigenen Stil. Meine eigene (musikalische) Ausdrucksweise, meine eigene Sprache. Die habe ich über die letzten paar Jahrzehnte entwickelt. Ich spiele heute dies und morgen das. Das ist mein Stil.
HoR: Du gehst nicht sehr oft als Solokünstler auf Tour.
J.B.: Es ist schon eine Weile her, als ich das letzte mal eine eigene Band hatte, ja. Es ist nicht ganz einfach, eine Band zusammen zu halten. Ich will auch nicht ununterbrochen touren. Aber in den letzten Jahren war ich eigentlich jedes Jahr einmal unterwegs. Mit verschiedenen Bands.
Es ist großartig, jetzt wieder mit meiner eigenen Band zu spielen. Eine tolle Band.
HoR: Bevorzugst Du die Arbeit im Studio oder mehr die Auftritte?
J.B.: Ich mag beides. Es sind natürlich ganz unterschiedliche Erfahrungen. Klar, live spielen kann das Größte überhaupt sein. Wenn es klappt. Aber im Studio kann es auch ganz wundervoll sein.
HoR: Ich habe Dich 1980 erstmals live gesehen. Beim Rockpalast Festival in Essen. Gibt es da noch Erinnerungen?
J.B.: Oh ja, die Band mit Billy Cobham, Clem Clempson und David Sancious. Klar erinnere ich mich daran, Graham Parker and the Rumour...
Ich hab dort Andy Summers von Police getroffen. Wir werden vielleicht irgendwann mal etwas zusammen machen.
HoR: Vor ein paar Jahren gab es das BBM Projekt (Bruce, Baker, Moore). Es blieb bei nur einer Platte. Warum und was gibt es heute über dieses Projekt zu sagen?
J.B.: Oh, das war eine wirklich gute Band. Speziell live. Die Leute, die uns live gesehen haben, waren direkt weggeblasen. Schade, daß nicht mehr daraus wurde. Andererseits planen wir, also Gary und ich, eine gemeinsame Platte zu machen. Vielleicht nächstes Jahr. Wir sind bei der gleichen Plattenfirma.
HoR: Vor ca. 2 Jahren warst Du mit Ringo Starr's Allstar Band auf Tour.
J.B.: Genau. Ich habe mehrere Tourneen mit Ringo gemacht. Es ist immer ein Spaß, mit solchen Leuten diese großen Songs zu spielen.
HoR: Jetzt gibt es eine neue Platte von Dir. "Shadows In The Air". Keine ganz leicht zugängliche Platte. Ich würde es als moderne Latin Music bezeichnen.
J.B.: Es ist eine Art Schnittmenge aus Afro-, Caribean-, Rhythmic-Platte. Latin ist eine Bezeichnung, die ich nicht verwende. Latin Music kann so gut wie alles sein, oder nichts.
HoR: Was waren die Einflüsse für diese Platte?
J.B.: Naja, ich wusste genau, wer auf der CD spielen sollte. Die neuen Songs wurden "geistig" mit diesen Leuten geschrieben. Mit Dr. John etc. Ich wusste, wie es klingen sollte und mit diesen Leuten hat das wunderbar geklappt. Es ist eine der besten Platten, die ich gemacht habe. Wenn nicht DIE beste überhaupt...
HoR: Auf "Shadows In The Air" ist wieder Gary Moore als Gast vertreten. Und Eric Clapton ebenfalls. Gab es da keine Eifersüchteleien?
J.B.: Haha, als ich wusste, daß Eric auf der Platte spielen wird, hab ich es Gary nicht gesagt. Ich habe gewartet, bis Eric mit seinen Aufnahmen fertig war und erst dann hab ich es ihm erzählt.
Mit Gitarristen muß man immer sehr vorsichtig sein. Die sind manchmal etwas "strange"...
Aber im Ernst, nein, es gab keine Eifersucht oder so etwas.
HoR: Auf der CD sind zwei Songs von Cream. White Room und Sunshine Of Your Love. Was war der Grund, diese beiden Songs neu aufzunehmen?
J.B.: Die beiden Songs haben sich wunderbar für meine Idee, eine sehr rhythmische Platte zu machen, geeignet. Wir haben sie mit meinen lateinamerikanischen Freunden in New York aufgenommen. Das war sozusagen die Geburt der Idee für die ganze Platte. Der Rest kam dann irgendwie von selbst.
Als ich Sunshine... aufnahm, hab ich mir sehr gewünscht, daß Eric dabei spielt. Die ganze Platte ist sehr "organisch" entstanden, es ist einfach passiert, ganz einfach. Ein großes Vergnügen für mich.
HoR: Es ist auch ein Song auf der neuen Platte, den Du mit Leslie West und Corky Laing geschrieben hast. Out Into The Fields.
J.B.: Nicht wirklich. Ich hab den Song geschrieben, Leslie West spielte ihn. Es ist ein Bruce/Brown Song.
Es war eine vertragliche Angelegenheit bei West, Bruce & Laing. Wir mussten die Credits teilen.
Eine der Dummheiten, die im Rock & Roll passieren.
HoR: Gibt es noch irgendwelche Kontakte zu Leslie West?
J.B.: Nein. Überhaupt nicht.
HoR: Noch mal zurück zu den beiden Songs White Room und Sunshine.... Gibt es irgendwelche Pläne für eine Reunion von Cream?
J.B.: Keine Pläne. Ich würde nicht sagen, daß es nie passieren wird, vor ein paar Jahren passierte es ja auch, aber wir waren alle in unsere eigenen Dinge involviert. Unmöglich ist es jedenfalls nicht.
HoR: Du wirst im Oktober einige Konzerte in Deutschland machen. Ist es heutzutage schwierig, geeignete Locations und Promoter zu finden?
J.B.: Nein, nicht wirklich. Das einzige Problem war, daß wir erst sehr spät mit der Planung begonnen haben. Ich hatte die Idee, auf Tour zu gehen und dann machen wir das eben. Etwas kurzfristig zwar, aber kein Problem. Wir spielen in England, einige Gigs in Deutschland und Frankreich und dann in den USA, Japan und Australien.
HoR: Was für Leute kommen heute zu einem Jack Bruce Konzert? Nur die älteren Cream Fans oder auch jüngere?
J.B.: Es ist absolut gemischt. Wir haben jetzt 2 Konzerte gemacht. Eins in London und eins in Holland. Das in London war wirklich bunt gemischt.
HoR: Die Band in Deutschland wird die gleiche sein, wie bei den Konzerten in England?
J.B.: Ja ziemlich. Nur ein bisschen kleiner. In England haben wir mit 9 Leuten gespielt. Auf der Tour werden es nur 6 sein. 3 statt 4 Drummer etc.
Vernon Reid und Bernie Worrell werden auf jeden Fall dabei sein.
HoR: Du wirst auf der neuen CD von Warren Haynes' Gov't Mule vertreten sein. Wie kam das zustande?
J.B.: Allen Woody starb sehr überraschend und Warren hatte die Idee, eine Art Tribute-Album zu machen. Und dafür hat er sich bekannte Bassisten gesucht und unter anderem mich eingeladen. Ich habe natürlich zugesagt.
HoR: Hast Du Warren Haynes bei den Aufnahmen persönlich getroffen?
J.B.: Jaja, wir haben zusammen aufgenommen. In New York.
HoR: Warren Haynes hat einen großen Namen in der Southern Rock und Jam Rock Szene.
J.B.: Ja, er ist ein großartiger Musiker.
HoR: Hast Du eine spezielle Beziehung zu dieser Art von Musik?
J.B.: Nein, das sind wieder Labels. Mit denen habe ich ein großes Problem, damit kann ich nichts anfangen. Ich mag einfach mit guten Musikern zusammenspielen. Das ist alles. Egal welcher Stil. Wenn einer gut ist, kann er von mir aus auch vom Mond kommen.
Jimi Hendrix ist ein guter Musiker, aber es ist unmöglich ihm ein Label zu verpassen. Deswegen wehre ich mich auch immer, mit irgendwelchen Stil-Aufklebern versehen zu werden.
HoR: Du hast auch bei der neuen CD von Dick Heckstall-Smith mitgewirkt. Jede Menge Blues Größen waren dabei. Mal wieder Ginger Baker...
J.B.: ...nein, Ginger nicht. Er wurde zwar gefragt, aber er ist nicht auf der Platte.
HoR: Oh, diese Information habe ich von Deiner Website.
J.B.: Von meiner? Na, da ist wohl ein Fehler passiert.
HoR: Das führt eigentlich zu meiner letzten Frage. Du hast eine eigene Website. Welche Bedeutung hat das Internet für Dich, Deine Musik und Vermarktung etc.?
J.B.: Es ist nicht unbedingt notwendig. Aber sehr interessant. Ich beschäftige mich schon lange damit. Es könnte natürlich noch viel besser sein. Nicht so kommerziell vielleicht. Nein, ganz klar, gute Sache. Ich habe immer meinen Laptop dabei.
HoR: Jack, wir bedanken uns bei Dir. Alles Gute für die Tournee.
Für das Zustandekommen dieser Gesprächs danken wir: Ruth Kiefer und Monika Ammerer von der Kulturfabrik Roth und Conny Terschawetz von der Agentur Moderne Welt.
Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste) 11.09.2001
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|