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Home of Rock: Dein Musikstil ist ein Mix aus Americana/Roots/Blues und ein wenig Country. Wie kam es dazu?
Artie Tobia: Als junger Bengel waren die späten 60er und die frühen 70er sehr wichtig in meiner musikalischen Entwicklung. Es war die letzte große Zeit der populären Musik. Meine älteren Geschwister hörten dagegen eine ganz andere Musik als die mit der ich aufgewachsen bin, wie z.B. Cat Stevens, Dan Fogelberg, der frühe Springsteen, Pink Floyd, The Eagles oder Don McLean mit seinem American Pie.
Außerdem war ich ein großer Elvis Fan. Mein Vater liebte dagegen Country Musik. Das war schon witzig, konnte ich mit dieser Musik damals überhaupt nichts anfangen.
Später sollten sich meine musikalischen Interessen u.a. im Blues manifestieren. Oder akustische Gitarren und gute Songtexte. Einer meiner damaligen Lieblingssongs war Shannon von Henry Gross.
Ich liebe solch liebevoll verpackte musikalische Geschichten. Zur gleichen Zeit fing ich an, die Musik der Allmans und Eric Claptons zu lieben. Es war mein Weg in den Blues, der noch durch großartige Künstler wie Buddy Guy, SRV, BB King oder Robert Johnson untermauert wurde.
Gegenwärtig interessieren mich hauptsächlich Independent Künstler, die in weiten Kreisen noch völlig unbekannt sind. Sie bereichern auch meinen musikalischen Horizont.
HoR: SRV ist, wie gesagt ,einer Deiner musikalischen Helden. Hast Du ihn jemals getroffen oder live gesehen?
A.T.: Nein. Ich habe ihn weder persönlich getroffen noch live auf der Bühne gesehen. Sein Tod war ein großer Verlust. Ich bewundere seine Musik und wie er das ganze präsentiert hat.
HoR: Hinter "The Parade" steht keine Record Company. Wie sieht es mit Kontakten aus?
A.T.: Doch. "The Parade" ist bei dem kleinen Independent Label Red Tail Records veröffentlicht worden.
Allerdings wäre ich schon interessiert, meine CDs bei einer größeren Company unterzubringen.
Dann könnte "The Parade" auch außerhalb der USA erscheinen.
HoR: Wie hast Du das Aufnahmestudio für "The Parade" ausfindig gemacht?
A.T.: Wir haben die Platte im Hayloft Studio in Milford produziert. Es ist ein rein privates Unternehmen.
Marc Douglas Berardo, der auch Singer/Songwriter ist, hat die Aufnahmen durchgeführt. Er hat seine Sache sehr gut gemacht. Er gab alle technischen Instruktionen und ich brachte die erforderliche Zeit mit.
HoR: Mark Barden war Dein Co-Produzent auf "The Parade". Wie kamst Du mit ihm und den anderen guten Musikern zusammen?
A.T.: Mark und ich sind Freunde seit mehr als 20 Jahren. Wir haben oft zusammen gespielt während all dieser Jahre. Er lebt mal in Florida und mal in Memphis. Das war sehr wichtig, da er dadurch sehr viele gute Musiker kannte und entsprechende Verbindungen hatte. Er ist ein ausgezeichneter Gitarrist, aber seine musikalische Begabung geht weit über den Bereich eines einfachen Gitarristen hinaus.
Er holte Bassist Mark Andes in die Produktion. Ich kannte Rob Garcia, mit dem ich auch schon viele Jahre musiziert hatte. Er ist ein großartiger Jazz Musiker. Ironischerweise holte Mark Dennis Brown in allerletzter Minute in die Produktion. Zum Schluss nahm dieser Dennis die Bänder mit nach Nashville und spielte dort mit einigen Studiomusikern die restlichen Parts des Albums ein.
Cindy Crossley ist eine Freundin aus New York und wir treffen uns dort regelmäßig wenn wir spielen.
HoR: Sind die beteiligten Musiker auch mit Dir auf Tour?
A.T.: Nein. Die meisten sind selbst "on the road" oder für andere Bands oder Musiker tätig.
Meistens spiele ich mit Mark als Acoustic Duo. Wir spielen aus dem neuen Album und auch viel älteres Material. Wenn wir eine komplette Band benötigen stoßen noch Rob und Dennis dazu.
HoR: Du spielst mit Takamine Gitarren. Bist Du Gitarrensammler bzw. Freak?
A.T.: Nein. Aber ich habe einige Gitarren. Z.B. eine alte zwölfsaitige Yamaha, eine alte akustische Ibanez, die ich schon über 20 Jahre besitze. Außerdem besitze ich eine wunderschöne Strat.
Wenn ich Songs schreibe, benutze ich meistens meine Takamine. Das gilt auch für die Liveshows.
Das sind sehr zuverlässige und robuste Tour-Gitarren. Außerdem passt ihr Klang am besten zu meiner Stimme.
HoR: Mercy Wright ist einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. Es klingt ein bisschen nach dem großen Delbert McClinton. Woher nimmst Du Deine Songideen?
A.T.: Danke für den Delbert Vergleich.
Mercy Wright erzählt auch eine interessante Geschichte. Ich meine, als Komponist weißt du niemals, wann dich die Ideen ereilen. Im Falle von Mercy Wright kam mir der Einfall während eines Telefonats. Ich kam nach Hause und fand eine Nachricht auf meinem Anrufbeantworter. Es war eine Frau die mit einem Pfarrer sprechen wollte. Sie muss sich in der Nummer vertan haben, denn ich bin alles andere als ein Pfarrer. Sie sprach vom Sterben und ihrer Krankheit und wollte den Rat eines Priesters.
Es war eine total emotionale Botschaft in ihrer Nachricht. Ihre Stimme schwankte zwischen Verzweiflung und Lachen. Es war eine merkwürdige Stimmung zwischen Schreien und totaler Ruhe und Gelassenheit. Am Ende der Nachricht sagte sie "Hier sprach Mercy Wright aus San Antonio, Texas".
Diese merkwürdige Geschichte schrieb ich sogleich als Song nieder. Es war eine unglaubliche Inspiration.
HoR: Die heutige Musiklandschaft wird bestimmt von Rap, Hip Hop und Techno. Wie stehst Du dazu?
A.T.: Es ist eine Schande, was da in der gegenwärtigen Musikindustrie und -landschaft abgeht.
Da gibt es so viele talentierte Künstler die niemals Gehör finden, weil sie sich nicht in das gewünschte Schema der Industrie pressen lassen.
Einige werden niemals bekannt werden, andere werden eventuell mal ihre Stunde bekommen.
Die Musikindustrie will zuerst Geld verdienen und ist deshalb weniger an guter Musik interessiert.
Viele angesagten Musikstars sind nur kurz im Rampenlicht. Namen kommen und gehen im Halbjahres-Rhythmus und sind nach sechs Monaten schon vergessen. Das kommt auch davon, dass die gegenwärtige Musik und ihre Stars beliebig auswechselbar sind.
Im Unterschied dazu benötigen die Independent Künstler all ihre Kraft um sich ihr Publikum zu sichern. Sicherlich machen sie so mehr Geld als wenn sie am Hungertuch einer Major Company hängen.
Viele Bands und Musiker erreichen das über den Weg des Internet und benötigen für ihre Touren nicht die großen Label.
HoR: Das Internet ist die große Chance für Musiker ohne Plattenkontrakt?
A.T.: Ja. Absolut. Es eröffnet die große Welt für den kleinen Mann. Du hast die Möglichkeit Millionen Menschen in der Welt zu erreichen. Die wirst zum internationalen Musiker auch ohne großartigen Plattenvertrag.
Dank Internet verkaufe ich meine Platten in Deutschland, Belgien, Spanien, Australien, England und sonst wo außerhalb der USA. Das wäre ohne Web unmöglich.
HoR: Welche Erfahrungen hast Du mit CDBaby, dem Independent Mailorder, bisher gemacht?
A.T.: Es gibt ja einige ähnliche Mailorder im Web. Derek ist mit CDBaby der Beste in dieser Branche.
Er will nicht nur verkaufen, sondern interessiert sich auch für die Musik, die er anbietet. Derek ist eine große Unterstützung für alle Künstler ohne großartigen Plattenvertrag. Das Geld kommt sofort und du musst nicht um jeden Dollar nachfragen. Wenn du deine CD verkaufen willst, dann über CDBaby.
HoR: Das Cover von "The Parade" erinnert mich an das JFK-Attentat im Jahre 1963.
A.T.:Das ist lustig. Viele Leute sprechen mich darauf an und empfinden das Gleiche. Das Auto auf dem Foto ist aber ein 57 Lincoln. Und die Leute auf der Straße sind aus den 80er Jahren. Das Cover hat also nichts mit dem Attentat von 1963 zu tun.
Aber daran merkst Du, welche Emotionen der Vorfall auch heute noch weckt. Brent Pruner hat das großartige Design entworfen. Da Brent sehr gut im Geschäft ist, war ich froh, dass er etwas Zeit für mein CD Projekt abzwacken konnte.
HoR: Kennst Du irgendeinen deutschen Rockmusiker-/in?
A.T.: Nein. Da kenne ich mich überhaupt nicht aus. Eine Nacht in New York sah ich einen jungen Musiker aus Deutschland der einen selbstgeschriebenen Song sang. Sein Name war Wilhelm oder so. Ich habe seinen Nachmnamen vergessen.
HoR: Wie sieht es in der amerikanischen Live-Musik-Szene aus? In Deutschland füllen die Stones jedes Fußballstadion und das zu horrenden Preisen von 100 Euro. Gute Musiker wie z.B. Mark Selby spielen dagegen vor einer Kulisse von 20 oder 30 Leuten für einen Eintrittspreis von 10 Euro.
A.T.: In den USA ist es ähnlich schlimm. Es gibt viele unbekannte Bands und Musiker, die sich ihr Publikum Nacht für Nacht erkämpfen müssen, während Major Label Künstler ohne Probleme kleine und große Hallen füllen.
HoR: Zum Schluss. Wie sehen Deine musikalischen Zukunftspläne aus?
A.T.: In diesem Sommer erschien eine CD Zusammenstellung verschiedener Künstler, auf der auch mein Mercy Wright vertreten war. Über 500 Radiostationen haben die Songs gespielt. Das brachte mir gute CD-Verkäufe und Liveauftritte.
Zur Zeit bin ich gerade dabei, meine neue CD fertig zustellen. Sie wird etwas anders klingen als "The Parade". Noch mehr Gitarren, mehr Groove und Blues mit SRV Einflüssen. Die CD wird voraussichtlich im Frühjahr 2003 erscheinen.
Außerdem produziere ich parallel dazu eine eigene CD-Compilation mit einigen großartigen Independent Musikern, die mit mir bei der "Traveling Songwriters" Show aufgetreten sind. U.a. Marc Douglas Berardo, Chris Brown, Erik Balkey und Trina Hamlin.
Danach geht's weiter mit einer anderen neuen CD, nur mit akustischen Instrumenten. Die CD soll "The Sun, The Wind And The Moon" heißen.
Außerdem versuche ich, einige meiner Songs in Film und Fernsehen unterzubringen. Und ich kaufe einige Songs von anderen Künstlern zum aufnehmen. Tolles Material.
HoR: Artie Tobia, das Home of Rock wünscht für die Zukunft alles Gute und bedankt sich für das Interview.
Joachim Domrath, (Impressum, Artikelliste), 15.12.2002
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