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Letztes Ultimatum:

Ausschalten oder Chart Show

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Da die Gelegenheiten, im TV klassische Rockmusik zu sehen recht überschaubar geworden sind, am 23.03. bei RTL in "Die ultimative Chart Show - Die erfolgreichsten Rockstars aller Zeiten" reingeschaut - immerhin lockten u.a. DEEP PURPLE, SCORPIONS, URIAH HEEP und Ian Anderson als vermeintliche Live-Gäste.
Aber es tat weh. Ein mit Verlaub überwiegend hirnloses Gequatsche der Gastkommentatoren, deren Namen zu merken ich mich trotz teilweiser Prominenz weigere, besonders konzentriert bei den eingespielten Top 50. Nur eine Kostprobe: Dieter Bohlen (!), was immer ihn zu einem Statement berufen hatte, über STATUS QUO: "Die haben mich nachgemacht" (weiß gar nicht, ob das Ernst war oder witzig sein sollte). Durchgehend redaktionelle Fehler, von QUEEN We are the champions aus 1970 (?) bis "von FOREIGNER hat man ja seit Jahren nichts mehr gehört" (sind da nicht irgendwelche Konzerte im Juni, ich bin am 22.06. in Pratteln bei Basel bei einem dabei?).

Einziges Labsal waren die angekündigten "Live-Acts". Suzi Quatro, oh je, ist das wirklich schon über drei Jahrzehnte her? URIAH HEEP, denen ich das Schmerzensgeld für das bekanntlich ungeliebte Lady in Black und den wahrscheinlich als nervig empfundenen Playback-Auftritt von Herzen gönne, zumal Lee Kerslake - wenn auch knapp - immer noch hinter das Schlagzeug passt. Latent peinlich das SWEET-Medley, aber wenigstens gut, dass Andy S. noch unverdrossen weitermacht.
HIM, na ja, eigentlich eine gute Band, aber für diesen Playback-Show irgendwie nicht richtig aufgestellt. Die SIMPLE MINDS, zugegebenermaßen nicht mein Geschmack, aber auf jeden Fall von der Kameratechnik ziemlich missraten, der Auftritt. Ian Anderson, aus dessen Mischung von Locomotiv Breath, Mitklatschorgie und kaum erkennbaren Begleitmusikern ich nicht ganz schlau wurde, der sich dann aber mutig ausgesprochen hirnlosen Fragen am Gästetisch stellte.
Tapfer-routiniert die SCORPIONS, denen derartige Promo-Veranstaltungen wohl gar nicht mehr ins Bewusstsein treten; ebenso mutig im Mitklatschgewitter BAP, deren Platz 5 bei den "erfolgreichsten Rockstars aller Zeiten" wohl Ansichtssache ist. Auf Platz 4 das erste und letzte Mal die ROLLING STONES mit It's only Rock & Roll.

Das Bewertungsverfahren ist nicht ganz klar, KISS, wurde eingangs erläutert, hätte sich nicht genug verkauft, um die Top 50 zu chartern, na ja. Die Top 3 der "erfolgreichsten Rockstars aller Zeiten" sollen denn sein: Auf Platz 3: PINK FLOYD mit The Wall, Platz 2: QUEEN mit We Will Rock You (in ganz kurzen Auszügen und konstant bescheuerten, eingespielten Redebeiträgen der geladenen Prominenz) sowie Platz 1: DEEP PURPLE mit Smoke On The Water. Die Jungs durften den Song auch im Playback, wenn ich recht hörte in der 73ziger-Version und noch ganz frisch aussehend darbieten - daneben noch einen Titel aus ihrem aktuellem Album "Rapture Of The Deep" kurz anspielen.

Nervig war neben dem belanglosem "Experten-Talk" und Einblendungen wie des unsäglichen "Deutschland sucht einen Superstar" insbesondere das penetrante Klatschen im Takt. Wurde hier nicht irgend etwas mit Rockmusik angekündigt?
Im Ergebnis schade um den zweieinhalbstündigen Fernseheinsatz, obwohl es trotzdem nett war, den einen oder anderen in Würde Gealterten mal wieder im TV zu sehen - wenn nicht dieses wirklich unsägliche Gelabere einem die Freude daran nehmen würde.

Anmerkung der Redaktion: Bitte vergleichen Sie mit DIESEM Artikel. Sollte Ihnen nichts auffallen, hat Ihnen das Privatfernsehen mit solchen Sendungen leider bereits die Birne zermatscht. Sollte Ihnen jedoch gewisse Ähnlichkeiten signifikant ins Auge springen, haben Sie hiermit einen Gutschein für 24 Stunden Sendung mit der Maus gewonnen.

Dr. Thomas Schimpff, (Artikelliste), 23.03.2006

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