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| In Black And White - In Beat And Sweet, plus, Bear Family Records, 2010 (1965) |
| Ulli Günther |
Vocals |
| Leo Lietz |
Guitar |
| Rainer Petry |
Guitar |
| Knud Kuntze |
Bass |
| Peter Donath |
Drums |
| Produziert von: Wolfgang Hirschmann |
Länge: 45 Min 03 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Shakin' All Over | 10. Wedding Bells (That Old Gang Of Mine) |
| 2. Ain't She Sweet | 11. Wishin' And Hopin' |
| 3. Midnight Special | 12. Hey Baby, lass den ander'n |
| 4. Seven Daffodils | Bonus Tracks: |
| 5. Lost John | 13. Shakin' All Over (Mono Mix) |
| 6. Tobacco Road | 14. Seven Daffodils (Mono Mix) |
| 7. Lonesome Traveller | 15. Hey Baby, lass den ander'n (Mono Mix) |
| 8. Kevin Berry | 16. Tobacco Road (Mono Mix) |
| 9. Memphis, Tennessee | 17. Poor Boy (live) |
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Als THE LORDS Ende der Siebziger zu einer "Oldie-Band" wurden und zusammen mit anderen Veteranen in Einkaufszentren oder Möbelhäusern zu spielen begannen, hatten sie schon zwei Jahrzehnte Bühnenleben auf dem Buckel. An diese ersten 20 Jahre können sich naturgemäß nur noch wenige Menschen erinnern, an das "Comeback" vielleicht ein paar mehr. Mir persönlich begegnete die Band zum ersten Mal in einem dieser seinerzeit noch neuen Einkaufstempel und nur ein paar Tage später bei einem richtigen Konzert im Münchner "Rigan Club" (übrigens einer der legendärsten Clubs aller Zeiten - bis zur Schließung 1986, aber das ist eine ganz andere Geschichte). THE LORDS jedenfalls krachten und rumpelten durch ihr Repertoire als gäbe es keinen nächsten Tag und verblüfften den jungen Neufan mit einer niemals erwarteten Härte, die definitiv näher an STATUS QUO, den PRETTY THINGS (von denen ich damals allerdings nur das 75er Glam-Album "Savage Eyes" kannte) oder DR. FEELGOOD war als an der schunkelnden Beat-Spießigkeit, mit der wir "aufgeklärten" Kinder der Nach-Woodstock-Generation die von den Alten peinlich verklärten Sixties assoziierten. Wir hatten Farbfernsehen und konnten mit den vergilbten Bildern schlicht nichts anfangen. (Dass THE WHO und THE KINKS ebenfalls als Beat-Bands angefangen haben, ignorierten wir Knallköpfe tunlichst; diese Erleuchtung kam erst Jahre später.)
Wir wussten allerdings nicht, dass THE LORDS durch ein Repertoire rumpelten, das sich in so gut wie nichts von dem von beispielsweise 1967 unterschied. Es unterscheidet sich auch nicht von dem heute noch gespielten, denn THE LORDS haben seit Ewigkeiten keine neuen Songs mehr geschrieben, schon gar nicht mehr nach dem Tod von Sänger Ulli Günther 1999. Dafür gibt es haufenweise Best-Of-Kompilationen, die immer die gleichen Songs enthalten und letztendlich überflüssig sind.
Nicht gab es bisher das erste LORDS-Album "In Black And White - In Beat And Sweet" aus dem Jahr 1965. Jedenfalls nicht in der nun vorliegenden Version.
Bear Family Records hat "In Black And White - In Beat And Sweet" (und gleichzeitig dem 67er "Some Folks By The Lords") eine Luxus-Ausgabe gewidmet. Digipack, 50 Seiten Lesestoff und zu den 12 ursprünglichen Songs fünf Zugaben (vier Mono-Mixe und eine sensationelle Liveaufnahme). Wie es bei Bear so üblich ist, hat man mit Hans-Jürgen Klitsch einen Hardcorespezialisten mit dem "Klappentext" beauftragt und dazu jede Menge Bilder ausgegraben, die sicher nicht jeder kennt. Spitzenqualität eben. Gleiches gilt für den Klang.
Und dann darf man sich die Originale anhören, die 15 Jahre später so vollfett rockten, dass man nicht auf die Idee kam, dass für THE LORDS 1959 alles mit Skiffle à la Lonnie Donegan begann.
Die Kritik an der Musik auf "In Black And White…" soll sich auf einen Satz beschränken: Die Platte klingt genau nach ihrem Entstehungsjahr, was lange Zeit ein KO-Kriterium war, heute hat sie den gleichen unwiderstehlichen, leicht patinierten Charme wie der etwa gleichzeitig geborene Schreiber. Damit wenden wir uns den Details zu.
Ulli Günthers Englisch ist herrlich bizarr, seine Stimme hatte jedoch alles was ein Superstar braucht. Die beiden Gitarristen Leo Lietz und Rainer Petry konnten alles, was 99% der britischen Gitarristen auch konnten, Genies wie Jeff Beck oder Pete Townshend waren ohnehin nicht erreichbar. Knud Kuntze war ein echtes Pfund am Bass und zupfte seine teils doch arg anachronistisch arrangierten Parts oftmals im Stil eines Kontrabass-Virtuosen; dementsprechend "heavy" und up to date (für 1965) dröhnt er. Es wäre interessant zu wissen, wie Kuntze sich weiterentwickelt hätte, wenn er nicht kurz nach den Aufnahmen zu diesem Album mit fatalen Folgen verunglückt wäre. Ihm musste ein Bein amputiert werden.
Besonders erwähnenswert ist der Schlagzeuger Peter Donath, der in allen offiziellen Quellen Max heißt. Spieltechnisch war er neben Knud Kuntze der Harmlosigkeit des Mersey-Beat 1964/65 wohl am weitesten entwachsen, speziell die Gitarren surften des Öfteren auf einer Welle kurz vor Liverpool herum, Donath hingegen dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach ein großer Fan von Keith Moon gewesen sein. Kaum ein Schlagzeuger, auch nicht Reinhard Tarrach vom Konkurrenzunternehmen THE RATTLES, hieb derart auf Hi-Hat und Becken ein wie der verwegen aussehende 20jährige (sieht man mal von der ganz und gar schaurigen Prinz-Eisenherz-Frisur ab).
Einen posthumen Mitleids-Bonuspunkt bekommt Lord Ulli noch für die ihm aufgezwungenen deutschen Texte in Hey Baby, laß den ander'n und Tobacco Road. Zwar musste er sich da nicht durch lästige englische ti-äitschs kämpfen, aber es muss ihm schreckliche Qualen bereitet haben, Zeilen wie "Ich war arm und oft allein, keine lud mich mal zum essen ein" zu singen. Verantwortlich dafür war der Schlagertexter Peter Moesser, der ansonsten für "Rocker" wie Freddy Quinn, Fred Bertelmann und Konsorten schrieb bzw. sich neue Texte für englische oder amerikanische Originale einfallen ließ. Nach so vielen Jahren darf man herzlich über diese Tobacco Road lachen und sich an der eigentlichen Härte der LORDS-Version freuen.
Ansonsten gibt es all die üblichen Cover von Shakin' All Over (messerscharf) bis Memphis, Tennessee und den Hit Seven Daffodils. Wenn man bedenkt, dass selbst die BEATLES heute vor 45 Jahren noch fröhlich Dizzy Miss Lizzy coverten und THE WHO ihre eigentliche Bestimmung erst 1969 mit "Tommy" fanden, waren die Lordschaften aus Berlin gar nicht weit weg vom internationalen Zeitgeist. Für Deutschland reichte es sowieso allemal. Man kann das am Publikumsgetöse des live in Berlin aufgenommenen Poor Boy unschwer erkennen. Die Ansage dazu gehört übrigens mit zum Besten, was jemals vor einem Auftritt verzapft wurde.
Die Neuauflage von "In Black And White - In Beat And Sweet" nötigt jedem Musikforscher Respekt ab, auch wenn wir selbstverständlich von einem Fossil sprechen und jede Menge Humor mitgebracht werden muss. Wir haben es im Home of Rock schon oft gesagt, aber es muss immer mal wieder sein: Wer die Pioniere nicht kennt, wird den Rock & Roll niemals verstehen. THE LORDS waren in ihrer Unbedarftheit und naiven Spielfreude (und dem Verkleidungswahn - noch eine Verwandtschaft mit Keith Moon) ganz wichtige Pioniere, also nehmt die Chance wahr, dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Es dauert nur eine Schulstunde, dann wisst ihr mehr.
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