|
|
| GemmaGemma, FM Music/Indigo, 2011 |
| Mölgie |
Gesang & Gitarre |
| Sonti |
Bass |
| Plescha |
Schlagzeug |
| Gäste: |
|
| Josef Burchartz & Werner Wurm |
Trompete & Posaune (Donzn am Firn) |
| Freddy Atlantis |
Dude (Da Wödhit) |
| Sensay Arman |
Additional Programming & Editing |
| David Bronner |
Mellotron (Khoids Wossa) |
| Produziert von: Krautschädl & David Bronner |
Länge: 65 Min 51 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Dreg | 8. Herr Meier |
| 2. GemmaGemma | 9. Winzerbua |
| 3. Khoids Wossa | 10. Da Hüttnhit |
| 4. s'Woschbredl | 11. Donzn am Firn |
| 5. Da Wödhit | 12. WWL |
| 6. Cowboysong | 13. Zwergenlied |
| 7. Die Zuckerseitn | |
 |
Wer in den letzten Jahren öfter im Sendegebiet des österreichischen Radiosender Ö3 unterwegs war, könnte mit ein bisschen Glück den Namen KRAUTSCHÄDL und ein, zwei zugehörige Songs schon gehört haben. Die drei Oberösterreicher landeten ein paar Achtungserfolge in ihrer von Atomkraftwerken freien Heimat, hatten für die beiden ersten CDs einen Deal mit Sony BMG und - waren offensichtlich doch nicht ganz zufrieden mit ihrer Situation. Jedenfalls wenn man Sätze wie "… wir san endlich wieder dreckig owa immer nu ka Dreg…" oder "Da Lack is endlich ob, wir kuman direkter denn je…" so deuten will. Hat da etwa jemand zu viel Massentauglichkeit von den Jungs verlangt, oder haben sie sich in der Vergangenheit selbst zu sehr unter Erfolgsdruck gesetzt? Wir wissen es nicht, aber klar ist, dass auch im kleinen Österreich Erfolg nicht mehr alleine mit Können erreichbar ist. Wo in der Vergangenheit schräge und schrägste Vögel mit Schmäh und handwerklichem Geschick die Nation astrein spalteten und von der ihnen zugeneigten Hälfte gut leben konnten, wird in der globalisierten Österreich-sucht-den-Superstar-Welt genau wie überall nur Wegwerfware für hysterische Teenies produziert. Ein ordentlicher Hitparadenplatz für langhaarige Rocker ist da nur schwer zu bekommen, schon gar, wenn sie sich qua Wortgewalt als außerordentlich natur- und heimatnah (neudeutsch: geerdet) entlarven. Außerdem ist der Bandname KRAUTSCHÄDL ja nun wirklich nicht besonders ästhetisch. MOTÖRHEAD aber auch nicht.
Drittes Album der Welser Buam, diesmal ganz "indie", finanziell wird es ihnen nicht schaden. "GemmaGemma" (ein Onlinelexikon übersetzt das mit "Bitte beeilen Sie sich" - ein weiterer Beweis für die Seelenlosigkeit der Hochsprache), also dieses "GemmaGemma" legt dann auch direkt los wie auf der Flucht. Hardcorecrossoverfunk (auch ein geiles Wort) wie er beispielsweise vom französischen Duo THE INSPECTOR CLUZO so herrlich fett und vergnüglich zelebriert wird. KRAUTSCHÄDL hat zu Gitarre und Schlagzeug noch den Basser Sonti vorzuweisen, und der bohrt ein ziemlich dickes Brett. Jedenfalls bei den beiden ersten Nummern. Warum sich dann eine geradezu bleierne Schwermütigkeit über Khoids Wossa ("Kaltes Wasser") legt, warum plötzlich die Wildheit und Anarchie von Dreg ("Dreck") der kalkulierten, trotzdem anmachenden Härte von s'Woschbredl ("Das Waschbrett") weicht, das ist nicht klar. Sogar in den ganz zauberhaft ironisch und morbide aufgebauten Cowboysong schleichen sich Popmelodien, auf die man von KRAUTSCHÄDL gut und gerne verzichten kann. Philip Sikora aka Mölgie hat ohnehin eine angenehme Singstimme, da bräuchte es keinen SPORTFREUNDE-STILLER-Pop zusätzlich.
Es ist zwiespältig, was "GemmaGemma" wenigstens teilweise musikalisch bietet, ein ganz anderes Thema ist die sprachliche Umsetzung. Herr Meier oder Winzerbua mögen zwar wie Hybriden aus VAN HALEN und EXTREME klingen, aber wenn man die Texte verfolgt, im Zweifel mitliest, muss man bedingungslos applaudieren. Mundart, die Schädler nennen es GoschnRock, ist unglaublich schwierig in einen musikalischen Kontext wie Funk Rock integrierbar, hier funktioniert es ohne Verbiegungen und sprachliche Katastrophen. Natürlich kann man über Inhalte und Emotionen geteilter Meinung sein, aber wenn die nun mal wichtig für die Urheber sind, verbietet sich Kritik von selbst. Die Lösung ist schwierig, aber für eine so durch und durch glaubwürdige Band wie KRAUTSCHÄDL wäre es eine Möglichkeit, künftig einfach Doppel-CDs zu veröffentlichen: CD 1 mit den brachialen Vorwärts-Nummern, CD 2 mit dem gefühlvollen Inhalt, dann kann sich jeder seinen Lieblingsteil aussuchen.
Als Sprachfetischist ist man von "GemmaGemma" bedingungslos fasziniert, der Funk'n'Roll-Rowdie würde sich etwas mehr Kompromisslosigkeit wünschen. Aber live könnte das verdammt gut abgehen. Konzerte gibt es 2011 viele, MySpace und Facebook verraten die genauen Termine.
PS: Der Schmarrn mit den 20 Minuten bis zum "hidden track" ist fürn Oasch.
|