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| Will Cure Any Disease, Viskningar och Vrål/Plugged, 2010 |
| Christer Nilsson |
Lead Vocals, Guitar |
| Ulf Hagberg |
Guitar, Lead & Backing Vocals |
| Stefan Larsson (aka Babbaen) |
Bass, Backing Vocals |
| Peter Subäck |
Keyboards |
| Håkan Nilsson |
Drums, Percussion, Backing Vocals |
| Gäste: |
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| Kristofer Eng |
Bass, Hammond Organ & Backing Vocals (Long Distance Love) |
| Kenneth Forssell |
Guitar (Long Distance Love) |
| Charlie Granberg, Lillemor Gustafsson, Tanja Hedlund, Eva von Hofsten, Sofia Klingefors & Eva Maria Lidén |
Backing Vocals |
| Joachim Nilsson |
Guitar & Keyboards (Built As A Boxer & 7 Devils) |
| Produziert von: Hion Martell, Kristofer Eng, Charlie Granberg, Lars-Ove Hedqvist, Micke Öhlén, Joachim Nilsson |
Länge: 38 Min 41 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Perfect Remedy | 7. Any Disease |
| 2. Built As A Boxer | 8. Brand New Day |
| 3. Fed Up | 9. Don't Mess |
| 4. Wasting Time | 10. In The Meadows |
| 5. (Don't Cry) Mary Anne | 11. 7 Devils |
| 6. Long Distance Love | 12. B.D.M. (Beer Drinking Music) |
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HION MARTELL ist ein, nun ja, seltsamer Bandname. Könnte meditative Kibbuzmusik sein. Die CD heißt auch noch "Will Cure Any Disease" - vermutlich wohl perkussives Handauflegen mit Yogi Rama Lama Dingdong. Allerdings sehen die fünf seit ein paar Monden volljährigen Typen auf dem Innencover eher nach gruppendynamischen Samstagabend-Gaudisitzungen am Bartresen als nach Selbstfindungsgruppe aus. Also doch just what the doctor ordered? Muss wohl, denn die letzte Nummer auf der CD heißt allen Ernstes B.D.M. (Beer Drinking Music). Höhö, das ist doch ein Fall für die M.B.B.E.T., die Mobile Boogie & Bier Einsatztruppe.
Genug geblödelt, High on Martell ist die Auflösung des seltsamen Namens, es geht natürlich um den obszön teuren Cognac von angeblich allerfeinster Qualität. Der Normalverdiener bleibt bei Preisen zwischen 40 und zigtausend Euro für ein Fläschchen Weinbrand lieber ein B.d.M. (Bier drinking Mensch), aber vielleicht haben die sympathischen Schweden um Bandgründer Christer Nilsson eine Ölquelle im Vorgarten. Von ihrer Musik wurden sie in den vergangenen 18 (!) Jahren trotz fünfeinhalb CDs bestimmt nicht reich, was weniger an der gebotenen Qualität denn an der Stilrichtung liegt: Rock und Roll, Boogie, Balladen und, oh weh, ein Windhauch aus den Südstaaten. Für den potentiellen Investor ist eine Anlage in einen fünfzigjährigen Martell Cohiba ganz sicher lohnender als in solche Musik. Für den B.D.M. hingegen…
HION MARTELL ist ein Zusammenschluss von Rock'n'Rollern, der Musik für ebensolche macht. Da wird nicht auf kommerzielle Möglichkeiten geschielt, Herr Nilsson und seine Freunde haben ihr Glück im gemeinsamen Musizieren gefunden, und das tun sie außerordentlich gut und geschmackvoll.
Zwei Gitarren und Sänger, Bass, Schlagzeug, eine feine Hammond oder ein Klimperpiano und dazu als Leckerli ab und an ein paar Mädels im Chor, klassischer geht es kaum. Da müssen dann nur noch die Songs stimmen, dann rockt die Kneipe.
Das Fazit gleich am Anfang: Bis auf vielleicht eine Ballade zuviel haben HION MARTELL nicht zu dick aufgetragen, diese CD "Will Cure Any Disease".
Du hast den Winterblues? Höre Built As A Boxer. Du leidest unter dem Kommunikationszwang in deiner Firma, oder hasst Facebook und Twitter? Höre Fed Up. Du bist generell unzufrieden mit deinem Leben? Höre Wasting Time. Du hast Durst? Höre B.D.M.
So einfach funktioniert Rock & Roll, so schnell macht er glücklich. Die Jungs lassen auf den ersten drei Songs, Perfect Remedy ist nur ein kleines Intro, die Kuh richtig fliegen. Nur ein Schelm wird behaupten, dass Built As A Boxer nichts mit T. REX zu tun hat, nur ein Ignorant erkennt in Fed Up nicht den QUO-Boogie, aber da ist noch etwas. Christer Nilsson kann beinahe so grandios wie einst Marvin Lee Aday schmettern. Das ist etwas Besonders. Simpel-Riffs und dazu ein Sänger, dem man die große Geste im kleinen Chorus schon beim Hören ansieht. Sehr stark, das, vor allem im Wechsel mit der "konventionelleren" Stimme von Ulf Hagberg bei Brand New Day und In The Meadows, den beiden Westcoast-Goodies.
Vielleicht liegt es am schwedischen Naturell, vielleicht sind alle Musiker, die solchen Sound machen, weltweit so, "Will Cure Any Disease" ist eine Wohlfühl-CD allererster Güte. Kleine Geschichten aus dem ganz normalen Leben, völlig unaufgeregter Rock mit wahlweise Schunkel- oder Abfahrpotential, selbst in der Schmuseballade Long Distance Love ist nur Feeling und kein Pathos zu finden, aber gleich danach geht es wieder richtig ab, mit Gitarren rechts und links und zwei Frauen, die zusammen mit Nilsson Vollgas geben. Nach Any Disease ist die Gesundheitsreform ohne Beitragserhöhung geschafft, es geht einem einfach gut.
Damit die Bandscheibe in Schwung kommt, gibt es noch den Goodtime-Boogie Don't Mess, für die steife Hüfte das funky dampfende 7 Devils und für den stillen Trinker das abschließende B.D.M. Jungs, für diesen Honky Tonk mitsamt seinem trefflichen Text kommt ihr in die Hall-of-Home-of-Rock-Fame.
HION MARTELL ist eine kleine Band mit kleinem Budget und viel Herz. Neben all den aufgeblasenen Angeberproduktionen, die uns tagtäglich erreichen, erscheint "Will Cure Any Disease" zwar beinahe wie Aschenputtel, aber dieses kleine Luder hatte es bekanntlich faustdick hinter den Ohren. Wegen solchen Bands gibt es Magazine wie uns. Tack så mycket.
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