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Fabian Anderhub

It's A Blues Thing

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It's A Blues Thing
It's A Blues Thing, India/Big Lake Music/Rough Trade, 2011
Fabian Anderhub Lead Vocals, Guitars
Kaven Fournier Drums
Francis Perreault Bass
Keven Charette Guitars
Gäste:
Bob Staggs Hammond, Wurlitzer, Piano
Layla Zoe Vocals (Midnight Train)
Eugenio "Kiko" Osorio Percussions
Graham Chambers & Domenic Romanelli Additional Voice (Trying To Find My Baby)
John Lavaghy Snare Shots (Trying To Find My Baby)
Produziert von: Domenic Romanelli Länge: 40 Min 40 Sek Medium: CD
1. It's A Blues Thing6. You Don't Love Me
2. Dimples7. Right Place Wrong Time
3. Midnight Train8. Naturally Drawn To You
4. Trying To Find My Baby9. Love Me Darlin
5. Come When I Call10. Bombshell

Wenn ein junger Künstler sein (zweites) Album "It's A Blues Thing" nennt, ist das Versprechen und Bürde gleichzeitig. Der in Kanada zum Musiker gewordene gebürtige Schweizer Fabian Anderhub hat diese Last auf sich genommen und wirft damit natürlich schon vor dem ersten Hören ein paar Fragen auf:
- ist es wirklich ein Blues-Ding?
- groovt dieses Ding?
- wird dem Urgroßvater Bluesmusik etwas Neues hinzugefügt, oder haben wir es mit der zwölftausendsten Standard-Mucke zu tun?

Fabian Anderhub beantwortet jede Frage mit einem klaren Jein. Selbstverständlich ist "It's A Blues Thing" Blues, aber zum Glück mit einem Schuss Funk und zwei Spritzern Rock. Freilich stampft und groovt die Scheibe bisweilen gehörig, kann aber auch in bluesigem Alterstarrsinn verharren. Und Neues? Na ja, wer hat in diesem Bereich zuletzt das Wort Innovation gemurmelt? Schon gar, wenn neun von zehn Nummern Fremdkompositionen sind, die allerdings zum Teil in gehörig neue Arrangement-Hosen gesteckt wurden.
Anderhub ist ein klassischer Vertreter dieser jungen, ungemein talentierten Blues-Gitarristen, die sozusagen als Zwölftakter geboren wurden und seither wie besessen die drei klassischen Akkorde biegen, beugen und kopfüber stülpen, aber jeden Angriff auf das fundamentalistische Schema Tonika-Subdominante-Dominante mit einem sofortigen Killersolo selbstmörderisch beenden. Der mit Anderhub etwa gleichaltrige Kollege Henrik Freischlader aus Köln fällt einem spontan als Vergleich ein. Der hat auf seinem letzten Album "Still Frame Replay" zum Teil eine ähnlich bluesrockig-funkige Richtung eingeschlagen, hatte aber den Erfahrungsvorteil von ein paar mehr CDs - und diesen nicht genutzt.
Wisst ihr, man hat derlei Zeug in den letzten 40 Jahren so oft gehört, dass das Herz nicht mehr wegen jedem Input automatisch höher schlägt. Der überaus sympathische Henrik Freischlader kommt seit Jahren nicht aus der Rolle des perfekten Replikators heraus, obwohl er handwerklich vermutlich besser als seine Vorbilder ist, aber irgendwie fehlt zur technischen Fähigkeit einfach die Originalität. Und genau dieses Schicksal droht Fabian Anderhub.

"It's A Blues Thing" wurde mit großem Besteck und renommierten kanadischen Musikern aufgenommen. Das Ergebnis klingt prächtig, manche Instrumentalparts machen einen staunen, der volle Druck ist da, die Produktion hat Weltklasseniveau, Anderhub singt allzeit angenehm, der einführende Titelsong lebt von Wurlitzer-Groove und Percussion - doch dann wird es zäh.
Hookers Dimples geht noch durch, aber schon beim eigentlich toll groovenden Midnight Train bekommt man Beklemmungen. Die allerorten und auch von Freischlader als Widergängerin von Janis Joplin gepriesene Layla Zoe erweist sich als kraweelende Nervensäge. Brunftgebrüll ist auch von einer Frau nicht schön.
Ein muskelbepackter Boogie wie Trying To Find My Baby wird trotz enormen Pianoeinsatz, einem cool eingeworfenen Sprechgesang und vielen Uhuhus nicht zum Klassiker, macht aber immerhin Spaß und stammt von einem bei uns gänzlich unbekannten Kanadier namens John McGale, der einst Mitglied der bei uns ebenfalls gänzlich unbekannten franko-kanadischen Band OFFENBACH war. Dringend merken und auf die Suche gehen!
So rollt "It's A Blues Thing" dahin, ist allzeit geschmackvoll und spielerisch auf ganz hohem Niveau, die aufgebotene Musikerschar ist wirklich formidabel, speziell die Percussion-, Keyboard- und Harp-Einlagen lockern die Sache schön auf, dennoch wartet man ein wenig verzweifelt auf den entscheidenden Querschläger, jenen Song, der dem Blues einen Tritt und der CD den Kick gibt, doch Fabian Anderhub ist viel zu gut erzogen, als dass er den Drecksack geben könnte. Schade eigentlich. Dazu passt die Version von Come When I Call, im Original vom Blues-Saubermann John Mayer, der sich Stevie Ray Vaughan sogar als Tattoo stechen ließ. Das ist alles viel zu brav für einen Rock'n'Roll-Rebel, wird aber die Puristen ohne Zweifel begeistern. Aber hoppla, ganz zum Schluss kommt Anderhubs einzige eigene Nummer auf dem Album und… sie kommt in Schräglage daher. Allerdings in genau der gleichen, die einst Stevie Ray auf seinen besten Songs auch hatte.

Man möchte dem Herrn Anderhub zurufen: "Mehr Mut zum Dreck, junger Mann. Es hört ja niemand, also hau einfach rein." Davon abgesehen ist "It's A Blues Thing" ein schönes Stück Musik geworden.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.01.2012


 
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