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Epitaph

Outside The Law

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Outside The Law
Outside The Law, M.i.G.-Music, 2010 (1974, 1976, 2000)
Cliff Jackson Lead & Acoustic Guitar, Vocals
Bernd Kolbe Bass, Lead Vocals
Klaus Walz Lead Guitar, Backing Vocals
Achim Wielert Drums, Percussion
Norbert "Panzer" Lehmann Drums, Percussion ("The Lost Tapes", 1976)
Heinz Glass Lead Guitar, Backing Vocals ("Live At The Brewery", 2000)
Jim McGillivry Drums ("Live At The Brewery", 2000)
Gäste ("Outside The Law", 1974):
Fred Kaz Grand Piano (Big City & In Your Eyes)
Billy Shaw Organ (Tequila Shuffle)
Gast ("Live At The Brewery", 2000):
Ben Schluter Keyboards (Big City)
Länge: 73 Min 28 Sek Medium: CD
1. Reflection8. Train To The City
2. Woman9. Wasted So Much Time
3. Big City10. Kind Of A Man
4. In Your EyesExtra Bonus Live-Tracks - "Live At The Brewery, Unna", 2000:
5. Outside The Law11. Woman
6. Tequila Shuffle12. Outside The Law
7. Fresh Air13. Jims Thing - Drum Solo
Bonus Tracks - "The Lost Tapes", 1976:14. Big City

Nachdem wir uns letztens der schönen Rockpalast-Sammlung von EPITAPH gewidmet hatten, ist es nun an der Zeit, endlich auch die schon 2010 erschienene Wiederveröffentlichung der 74er-LP "Outside The Law" zu würdigen.

EPITAPH war 1974 in Deutschland - um es in der Pferdesportsprache zu sagen - ein Einlauftipp, aber kein Siegerpferd. Die beiden ersten LPs hatten Charme und waren auf niedrigem aufnahmetechnischen Niveau anspruchsvoll gemacht, eine echte Option auf die Zukunft war EPITAPH trotzdem nicht. Wenn man als Vergleich beispielsweise die zweite LP der SCORPIONS aus Hannover, also "Fly To The Rainbow", heranzieht, sieht EPITAPHs Zweitling "Stop Look And Listen" doch recht provinziell aus (obgleich Hannover eigentlich der Inbegriff von Provinz ist). Aber dann passierte bei EPITAPH etwas, das man als gewonnene Dreier-Wette bezeichnen könnte: Man konnte plötzlich in Amerika auftreten, in Chicago eine weitere Platte aufnehmen und dazu noch ein paar Superstars persönlich kennenlernen.
Es muss ungemein spannend gewesen sein für die jungen Typen aus England und Deutschland, ein klein bisschen an der großen Rock & Roll-Welt zu schnuppern. Dass aus der großen Karriere nichts werden würde, war dann schnell klar, aber sie hatten den Finger dran, am Zeitgeist der Siebziger. Und ein paar bis heute denkwürdige Konzerte durften sie auch gestalten.
So far, so gut, es stellt sich nur Frage, ob man EPITAPHs dritte LP in der remasterten Version so richtig gut finden soll.

Die Sache ist, für dieses "Remaster" wurden keine Originalbänder verwendet. Wenn man per Kopfhörer lauscht, ist das wundervolle Rauschen einer Vinyl-Platte zu hören. Da wurde für die CD noch ein wenig nachjustiert und nicht zu selten in der Lautstärke etwas übertrieben. Aber es gibt eine ganz herrliche Rechts-Links-Trennung, die vor allem bei den zweistimmigen Gitarrensoli so richtig Spaß macht. Cliff Jackson und Klaus Walz waren damals wohl keine technischen Wunderknaben, mit den seinerzeitigen Gitarrenduos von ASH, LIZZY, SKYNYRD oder den ALLMAN BROTHERS konnten sie jedoch in leicht herabgesetzter Geschwindigkeit und kleinen Vereinfachungen durchaus mithalten - für Deutschland war es ohnehin eine Sensation, solche Double-Leads zu hören. "Outside The Law" war schon eine Platte auf internationalem Niveau, und damit den Scorps überlegen. Im Grunde konnte erst LAKE 1976 diesen Standard toppen.
Also, man kann und darf an "Outside The Law" nicht herumkritteln, neben ein paar zeitgemäßen Mief-und-Muff-Songs bekommt man ganz außergewöhnlich feurigen Hard Rock mit zwei Gitarren und einer insgesamt schwer schuftenden Band um die Ohren. Es war halt 1974 - und das hört man. Darf man aber auch, 1984 wäre ein wesentlich schrecklicheres Jahr für klasse Rockmusik gewesen. So manche Töne dieser urzeitlichen Ausgrabung sind bis heute gültig und für nachgeborene Musiker relevant, auch wenn man ab und an erstaunt aufschaut, wenn in episch langen Nummern wie Fresh Air reichlich wilde Breaks und Tempiwechsel heutige Hörgewohnheiten radikal stören.

Entgegen früherer Wiederveröffentlichungen auf CD hat das neue Label M.i.G.-Music diesmal gleich sieben Bonus Tracks dazugepackt. Neben dem hübsch gemachten Digipack und den guten Linernotes sind diese Zugaben ein echter Kaufgrund. Es gibt drei so genannte "Lost Tapes" aus dem Jahr 1976, die sich (Ton-) qualitativ von "Outside The Law" wenig unterscheiden, jedoch einen gewissen Hang zur Moderne zeigen. LUCIFER'S FRIEND, genau wie LAKE ebenfalls eine englisch-deutsche Band, zeigte ab etwa 1977 ähnliche Tendenzen.
Mit Woman, Outside The Law, Big City und einem kurzen Schlagzeugsolo gibt es zudem noch gut über 20 Minuten Livekonzert aus dem Jahr 2000, als Cliff Jackson mit EPITAPH eine erste zaghafte Reunion wagte. Prima gespielte alte Songs ohne Alterserscheinungen, aber auch ohne größere Überraschungen. Den gesamten Auftritt gibt es übrigens unter dem Namen "Resurrection - The Reunion Concert" auf CD bzw. als "Live At The Brewery - The Reunion Concert" auf DVD.
EPITAPH war und bleibt ein Solitär, dem hier angemessene Würdigung widerfährt.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.07.2011

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