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| Diamonds And Dirt, Steamhammer/SPV, 2011 |
| Brian Robertson |
Guitars, Lead & Backing Vocals, Keyboards, Bass, Percussion |
| Ian Haugland |
Drums & Percussion |
| Nalley Påhlsson |
Bass & Backing Vocals |
| Leif Sundin |
Lead Vocals |
| Liny Wood |
Backing Vocals |
| Rickard Jakobson |
Percussion |
| Chris Antblad |
Piano (Running Back) |
| Ola Gustafsson |
Dobro (Running Back - Slow Version) |
| Rob Lamothe |
Lead Vocals (Ain't Got No Money) |
| Ellinor Alm |
Backing Vocals (Ain't Got No Money) |
| Håkan Persson |
Drums (Ain't Got No Money) |
| Produziert von: Brian Robertson, Søren Lindberg & Chris Laney |
Länge: 58 Min 59 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Diamonds And Dirt | 8. Do It Till We Drop |
| 2. Passion | 9. Blues Boy |
| 3. It's Only Money | 10. That's All! |
| 4. Mailbox | 11. 10 Miles To Go On A 9 Mile Road |
| 5. Running Back | 12. Running Back (Slow Version) |
| 6. Texas Wind | 13. Ain't Got No Money |
| 7. Devil In My Soul | |
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Da kommt in diesen Wochen einiges auf den Hard-Rock-Fan zu. Zum Beispiel ein Album, das exakt so ist wie man es seit 1987 erwartet - nämlich ziemlich blondiert und aufgedonnert, eben von WHITESNAKE, dann eines, das man nimmermehr erwartet hat, weil man den alten Herren von URIAH HEEP einen solchen Wurf nicht mehr zugetraut hätte, schließlich eines, auf das gar keiner gewartet hat, denn die Franken RAMRODS kennt kein Mensch, und endlich eines, das grundsätzlich so nötig ist wie Schmierkäse im Feinkostladen. Man höre und staune, Brian "Robbo" Robertson, der Dauerabsteiger der letzten gut 25 Jahre, ist mit einem Soloalbum aus der Versenkung aufgetaucht.
Nicht nur, dass natürlich kaum jemand dieses "Comeback" händeringend ersehnt hat, es ist noch dazu nicht wirklich ein neues Album, die Kompositionen sind alt und älter und/oder von Robertsons früheren Arbeitgebern. Verblüffend selbstironisch heißt das Ding denn auch "Diamonds And Dirt". Immerhin wurden die Songs neu eingespielt.
Den jüngeren Lesern sei gesagt, dass Robbo im Grunde ein ganz unglücklicher Held ist. Mit THIN LIZZY wäre er ums Haar zum Weltstar geworden, hätten ihm (und der restlichen Band) nicht gewisse flüssige und pulverisierte Substanzen den Durch- und Überblick geraubt, bei MOTÖRHEAD war er der richtige Mann am falschen Platz und für Frankie Miller, den einzigartigen Schotten, war er erst auf dessen letzter und leider schwächsten LP "Dancing In The Rain" von 1986 tätig. Davor, dazwischen und danach gab es vereinzelte Gastspiele auf teilweise obskuren, vor allem aber meist erfolglosen Produktionen, die dem guten Robbo nicht aus seinem Dilemma halfen: Er war und blieb ein begnadeter Aus-dem-Bauch-Gitarrist, der scheinbar seine Intelligenz zu oft in den Fingern statt im Kopf herumtrug. Nicht mal sein eigentlich viel versprechendes Projekt WILD HORSES mit Jimmy Bain (u. a. RAINBOW, DIO, Gary Moore) geriet ihm Anfang der 80er zum Erfolg, der Gaul war nach zwei Platten tot geritten und sowieso nie wild genug - nur die Exzesse des Frontmannes entsprachen dem Namen. Und so wurde Brian Robertson zum ewigen Loser und nie eingehaltenen Versprechen. Optimisten behaupten bis heute, dass Robertson der bessere, wenigstens aber authentischere Moore geworden wäre, aber dessen Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen hatte er nie. Was soll man nun mit "Diamonds And Dirt" anfangen?
Inzwischen ist der Mann 55 Jahre alt, er hat überlebt und hoffentlich das Schlimmste (und Dümmste) hinter sich, musikalisch hielt er sich in den letzten Jahren vorwiegend in Skandinavien über Wasser, aus dieser Connection entstand schließlich auch "Diamonds And Dirt". Gute Leute hatte er um sich, sein Song-Fundus ist naturgemäß riesig, entsprechend zwiespältig sind die Erwartungen an dieses "neue" Album. Geht da einer endgültig unter, oder steigt ein geläuterter, wenn auch an den Federn gefärbter Phönix aus der Asche seiner Karriere?
Am Ende der CD kann man die Frage nicht abschließend beantworten, denn "Diamonds And Dirt" ist ein Spiegelbild dieses großartig gescheiterten Superstarlebens geworden. Einerseits Heart & Soul-Rock'n'Roll, andererseits die sichere Aussicht auf keinerlei Konzertaktivitäten mit den Musikern auf dem Album, hier gelungene Tributes an Phil und Frankie, dort halbgare Mainstream-Überbleibsel, die wie nie verwendete Stücke für ein drittes WILD HORSES Album klingen und nur durch nette Backing-Chöre aufgehübscht wurden. Irgendwie kriegt er es nicht gebacken. Für Momente meint man, dass hier die Wiederkehr des guten alten Heavy-Rhythm'n'Roll zu hören ist, einen Track später hat man die holzbeinige Coverband vom letzten Straßenfest vor dem geistigen Auge, dann wieder fließen so grandiose Gitarrensoli aus einem pappigen 80ies-Quark, dass man vor Freude und Verzweiflung schreien möchte. Aber- und das muss man festhalten - Brian Robertson ist auch mit zweifelhaftem Songmaterial ein Ereignis. Bei den guten Songs ist er herausragend. LIZZYs It's Only Money, immerhin 37 Jahre alt, kommt tricky und modern produziert, Frankie Millers Mailbox ist auch nach 39 Jahren nicht voll. Das hat gewaltigen Groove und riecht überhaupt nicht nach Resteverwertung. Warum dann ausgerechnet Lynotts so flockig-sonniges Running Back vom 76er "Jailbreak" hier nach Honky Tonk und Kneipenmief (vor allem in der "Slow Version") klingen muss und Millers Do It Till We Drop ähnlich langweilig ist wie anno 1986, bleibt ein Geheimnis. Den Beweis, eigene Evergreens schreiben zu können, bleibt Robertson schuldig. Beispielsweise Texas Wind ist zwar erstklassig gespielt, nur weht der Wind am Ohr vorbei. Devil In My Soul schunkelt mit seiner Slideguitar nett dahin, erledigt sich aber ansonsten in Classic-Rock-Belanglosigkeiten.
Blues Boy ist eine erstmals in diesem Jahr auf der Deluxe Edition von "Jailbreak" veröffentlichte Nummer von Lynott und Robertson - und reißt auch nur deswegen mit, bleibt aber dennoch ein nicht besonders wichtiger Blues-Jam, den man live ganz gerne erleben würde, auf Konserve eher als langatmig empfindet. Recht vergnüglich ist Robbos Versuch, unterhaltsamer als Mark Knopfler zu sein. Schafft er mit 10 Miles To Go On A 9 Mile Road locker. Da merkt man, dass in ihm durchaus noch kreatives Potential steckt, gitarristisch schnupft er eh sämtliche Spießbürgerfavoriten durchs linke Nasenloch.
Das Highlight des Albums hätten die fünf Minuten von Ain't Got No Money werden können. Oder sind sie es? Der unwiderstehliche Shuffle aus Frankie Millers 75er-LP "The Rock" wurde gemäß Info sogar wegen jenem neu eingesungen, und das von Rob Lamothe von den RIVERDOGS, aber auch dem fehlt die Größe und Leidenschaft, dem kranken Frankie das Wasser zu reichen. Rockt gut, rockt fett, aber letztlich greift man wieder zum Original.
Man muss "Diamonds And Dirt" haben, wenn man Robbo- und LIZZY-Fan ist, das steht außer Frage. Aber ob der Rest der Menschheit für eine Stunde ganz guten aber altbackenen Hard Rock mit Blues-Wurzeln Schlange stehen wird?
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