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Blood Of The Nations

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Blood Of The Nations
Blood Of The Nations, Nuclear Blast, 2010
Mark Tornillo Vocals
Wolf Hoffmann Guitars
Herman Frank Guitars
Peter Baltes Bass
Stefan Schwarzmann Drums
Produziert von: Amdy Sneap Länge: 72 Min 51 Sek Medium: CD
1. Beat The Bastards8. Kill The Pain
2. Teutonic Terror9. Rollin' Thunder
3. The Abyss10. Pandemic
4. Blood Of The Nations11. New World Comin'
5. Shades Of Death12. No Shelter
6. Locked And Loaded13. Bucketful Of Hate
7. Time Machine (Bonus Track)

Immer schwierig, wenn eine Band gehobeneren Alters mit dem zigsten (in diesem Fall dem 3.) Comeback daherkommt und dabei auch noch einen neuen Sänger präsentiert. Mal ehrlich, nach den Festivals vor fünf Jahren hatte im Grunde jeder mit ACCEPT abgeschlossen, es war immerhin ein Abgang in Würde, trotz der offensichtlich unüberbrückbaren "persönlichen Differenzen" einzelner Bandmitglieder. Es stellte sich im Vorfeld der großmächtig angekündigten Veröffentlichung von "Blood Of The Nations" tatsächlich die Frage, ob es wirklich unbedingt sein muss. Nach dem Genuss der CD weiß man es immer noch nicht, obwohl das Werk keineswegs enttäuschend ausgefallen ist.

Um bezüglich des neuen Sängers überhaupt keine Diskussion aufkommen zu lassen: Mark Tornillo, ehemals bei den New Yorker Drittligisten TT QUICK, kann was er tut, schreit sich einen Wolf und versucht kein Plagiat zu sein. Ein sympathischer kleiner Brüllwürfel - der im Notfall auch richtig singen kann - ist er obendrein. Es gibt also wenigstens einen weiteren Sänger neben Dirkschneider, der ACCEPT angemessen nach vorne grölen kann. Kleiner Scherz am Rande: Warum hat Wolf Hoffmann nicht David Reece gefragt? Das hat doch schon 1989 wunderbar funktioniert ;-)
14 Jahre sind seit dem letzten Studioalbum vergangen, 24 seit dem größten Hit ("Russian Roulette"), 31 seit der ersten Platte und 34 seit dem Einstieg von Hoffmann und Peter Baltes. Die drei Versuche in den Neunzigern, "Objection Overruled", "Death Row" und "Predator", hatten zunehmend abnehmende Qualität, irgendwann hatte man U.D.O. als wahre ACCEPT auf Provinzniveau akzeptiert und das Original ins Historienregal abgelegt.

In gewisser Weise bestätigt "Blood Of The Nations" die Abschiebeaktion ins Archiv, andererseits ballert ein Gutteil der neuen Scheibe ganz vorzüglich. Es ist nicht die Frage, ob es bei ACCEPT 2010 eine Weiterentwicklung gibt, selbstverständlich nicht, es ist die Frage, ob man diesen zwischen 1980 und '86 kultivierten und hier genau wie im vorvergangenen Jahrzehnt recycelten Sound überhaupt noch hören will. Diese (fast) immer gleichen, stumpfen Metal-Attacken mit einem bis zum Überdruss bekannten Schlagzeuggewitter und nahe an der Stupiditätsgrenze im Gleichschritt agierenden Gitarren plus dem Geschrei eines vom eigenen Adrenalin besoffenen Sängers… nein, zeitgemäß ist das nicht. Doch dann kommt mit Teutonic Terror, einem selten doofen Songtitel, gleich an der zweiten Stelle der CD ein Song, der alles, wirklich alles was Heavy Metal ausmacht, bietet. Baltes als Bassmonster, Tornillo gibt den Einpeitscher und Hoffmann und der abermals zurückgekehrte Herman Frank stellen eine dermaßen massive Riff-Wand in den Raum, dass es einem die Haare aufstellt. Dazu noch ein paar kurze aber tödliche Double-Leads, schon steht man in der ersten Reihe und schwingt die Faust wie einst zu Balls To The Wall. Es ist schlicht gewaltig, was die alten Männer bei einzelnen Songs noch aufs Tablett hämmern können. Sie können allerdings auch mit etlichen Durchschnittsnummern die Ohren des Hörers auf Durchzug umprogrammieren. Als Beispiel sei The Abyss genannt, das sämtliche Negativklischees des Genres beinahe sieben Minuten lang genüsslich ausbreitet. Ehrlich, das ist laaangweilig. IRON MAIDEN haben sich auf "The Final Frontier" solche Banalitäten verkniffen, das dürfte wohl der Unterschied zwischen Champions League und Union Solingen sein (wobei hier nicht die heutige Insolvenz-Union gemeint ist, sondern jene, die eineinhalb Jahrzehnte Bestandteil der Zweiten Bundesliga war). Aber wenn ACCEPT mit Rolling Thunder wie eine Dampfwalze mit Turboantrieb alles platt machen, dann ist das wie ein Pokalsieg des Underdogs gegen die, na ja, Filigrantechniker von Hannover 96.

"Blood Of The Nations" ist mit über 70 Minuten Laufzeit einfach ein wenig zu lang geraten. Zwei, drei Lückenfüller raus und noch ein paar mehr Hauer wie Pandemic rein, dann wäre die Chose gebongt gewesen. Seltsamerweise erst im letzten Drittel und nach ein wenig zu viel Leerlauf im Mittelteil offenbaren ACCEPT solche Großtaten wie Pandemic, das im mittleren Tempo stampfende New World Comin', das selbst bei Groove-Könnern wie KROKUS funktionieren würde, oder das mit überfallartigen Fill-Ins und zwei prächtigen Gitarren gespickte No Shelter.
Time Machine, der Bonus Track der "Limited Edition", ist eher unerheblich, aber das bei YouTube zu sehende, liebevoll auf Schrottplatz gemachte Video zu Teutonic Terror gibt noch mal Pluspunkte. Weitere Gutbildchen gibt es für die Produktion von Andy Sneap. Der hat in der Vergangenheit für weitaus brachialere Bands gearbeitet, aber nicht wenige von denen dürften ACCEPT in ihrer Favoritenliste gehabt haben. ACCEPT hätten die Produktion problemlos auch selbst übernehmen können, beispielsweise Herman Frank hätte genügend Erfahrung, es war aber eine gute Entscheidung, diese Arbeit einem Außenstehenden zu überlassen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.08.2010

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