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Hero
Hero, Gun Records/Sony BMG, 2008
Sly Lead Vocals
Inga Lead Vocals
Stef Lower Rakkatakka Vocals, Wahwah Solo Guitar Vocals
Ross Higher Rakkatakka Vocals
Ike Lowest Dandan Voice Chords
Basti Drums
Länge: 45 Min 00 Sek Medium: CD
1. Speed Of Light6. Quest For Roar
2. Kings Of Metal7. Stormbringer
3. Pathfinder8. Take To The Sky
4. Wishmaster9. Fear Of The Dark
5. The Bard's Song - In The Forest10. Hero

Wer auffallen will, muss sich etwas Besonderes einfallen lassen. Das war schon immer so, ist so und wird auch in Zukunft so bleiben. Dabei ist es völlig unerheblich, ob man sich kopfüber 3 Tage in den Central Park hängt oder einen Dom baut, der weltweit bekannt wird, Züge an der Decke aufhängt und das Schwebebahn nennt oder was auch immer veranstaltet. Wichtig ist, dass es etwas gibt, was sonst keiner hat oder macht.
Das ist auch in der Musik nicht anders. Wenn man nicht im Mainstream versumpfen will oder in der Flut der Veröffentlichungen mit untergehen möchte, muss man sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. So setzt die eine Band einen riesigen PR-Apparat in Gang um auf ihren neusten Output aufmerksam zu machen, wieder andere interpretieren Metalsongs mit klassischen Instrumenten oder andere beschimpfen einfach alle die, die nicht "true" genug sind für den Metal (das hat dann zwar relativ wenig mit musikalischen Fähigkeiten zu tun, ist aber den Musikern dann auch egal). Nachdem die bereits angedeuteten APOCALYPTICA mit ihren Cellos die Metalmusik bereichert haben und für ungläubiges Staunen damals wie heute sorg(t)en, stellte sich die Frage, was kann es noch geben, um der hartrockenden Gemeinde neues und interessantes Futter zu bieten. Etwas, was es noch nicht gibt.

Die Antwort kam vor zwei Jahren aus deutschen Landen und hört auf den Namen VAN CANTO. Eine Sängerin + 4 Sänger + ein Drummer = VAN CANTO. Richtig gelesen: Keine Gitarren, kein Bass, kein Keyboard. Voilà, weltweit die erste A-Capella-Metalband! Und diese sorgten u. a. auch mit ihrem umjubelten Auftritt beim diesjährigen Wacken Open Air für schüttelnde Mähnen und ungläubiges Staunen. Das, was sich auf den ersten Blick als unmöglich oder Kasperle-Mucke anhört, ist aber nicht nur etwas Besonderes, sondern auch noch extrem ausgefallen und saugut gemacht.
Die Gitarren werden durch stimmliche Punktierungen, Effekte und entsprechenden Stakkato-Gesang imitiert, ebenso die Bass- und (falls notwendig) Keyboardläufe. Die Drums arbeiten dabei dezent aber drückend im Hintergrund, ohne den Stimmen den Raum zum Entfalten und Rocken zu nehmen. Und die Stimmen brauchen sich hinter den großen Namen des Gewerbes nicht zu verstecken. Wer also bei dem Wort "Chormusik" elektrisiert zurückzuckt, sollte diesem Sextett mal eine Chance geben. Das ist hier kein wattebauschweicher Ableger der Fischerchöre, hier geht's richtig rund und zwar - ohne Quatsch - in Richtung Power Metal.
Mutig sind die Damen und Herren zusätzlich auch noch. Lediglich zwei Coversongs befanden sich auf der ersten Scheibe "A Storm To Come" aus 2006. Der eine war ausgerechnet von den Metal-Helden METALLICA. Die Interpretation von Battery sorgte im ersten Moment für Belächelung, was sich aber recht schnell in ungläubiges Staunen verwandelte. Der zweite Coversong war die Titelmelodie aus der Astrid Lindgren-Verfilmung "Ronja - Die Räubertochter". Damit konnte man ihnen zumindest nicht vorwerfen, dass sie kein eigenes Potential besitzen und nur auf die großen Nummern schielen, damit sie überhaupt Gehör finden. Nein! Das Debütalbum setzte bereits Zeichen mit Eigenkompositionen. Diese sind auf "Hero", der zweiten Veröffentlichung, die nun in den Läden steht, etwas reduziert, aber immer noch eindeutig im Vordergrund. Von 10 Songs sind lediglich vier aus fremder Feder (u. a. Kings Of Metal von MANOWAR, was abgeht wie Schmidts Katze - schon witzig, wenn dann gesungen wird: "Other bands play! MANOWAR KILL!). Und egal was sie singen/spielen: es klingt unglaublich. Natürlich ist ein Song wie The Bard's Song von BLIND GUARDIAN oder Wishmaster von NIGHTWISH nahezu prädestiniert für eine solche Umsetzung, aber man legt sich glücklicherweise nicht auf diese Schiene fest.

Bevor ich jetzt aber weiter erzähle, stürmt die CD-Regale und reißt die Mucke bis hinten hin auf, damit jeder Nachbar erfährt, was für wunderbare Musik der Metal doch ist. Würde mich wundern, wenn diese sechs Musikanten nicht noch vor einer blendenden Zukunft stehen. [Was mich dann sehr wundern würde; Jogi]

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 26.09.2008

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