|
|
| New Machine, DMV Music, 2008 |
| David Vaccaro |
Lead & Backing Vocals, Guitars, Bass, Keyboards, Programming |
| Robin McAuley |
Lead & Backing Vocals |
| Gäste: |
|
| Christopher Vuk |
Violin (You Don't Care) |
| Jeff Giacomelli |
Saxophone (Back To My Baby) |
| Produziert von: David Vaccaro |
Länge: 45 Min 55 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Exit Sign | 6. Desert Run |
| 2. Somebody Like You | 7. You Don't Care |
| 3. The Stake | 8. Tangled In Your Web |
| 4. Disclaimer | 9. On Yer Way |
| 5. Time To Move On | 10. Back To My Baby |
 |
Ach ja, dieser David Vaccaro ist mit seinem V-PROJECT nur unmaßgebliche 30 Jahre zu spät dran. Aber was soll's, solche Marginalien spielen in der Rockmusik keine Rolle mehr. Wenn irgendwelche Inselbewohner ihren Brit-Pop als funkelnagelneu verkaufen können, darf auch der freundliche Typ aus Westborough, Massachusetts - gut 50 Kilometer westlich von Boston - so tun als ob sein Rock übermorgen in den Arenen dieser Welt stattfinden wird. Das wird natürlich nicht passieren und glücklicherweise hat Vaccaro einen bürgerlichen Beruf, mit der CD "New Machine" dürfte er nach menschlichem und musikpolitischem Ermessen nicht reich und berühmt werden, was aber weder an ihm noch an der Qualität der gebotenen Musik liegt, die ist nämlich mit "fein" nur unzureichend beschrieben.
Erinnert sich noch jemand an Sammy Hagars tolles Album "Street Machine" aus dem Jahr 1979? Das war alles andere als eine von vorne bis hinten wild rockende Platte, aber sie hatte diesen sonnigen Groove, der von Hard Rock über Westcoast-Sounds zu erstaunlich grandiosem Pop-Rock alle essentiellen Zutaten für großen Spaß und auch Erfolg hatte. 1979 war natürlich nicht ganz die richtige Zeit für diese Musik, Punk und Wave hatten die Oberhand, dennoch wurde die Platte vergoldet und aus Hagar noch eine große Nummer - auch wenn er das epochale 73er MONTROSE-Debut zwangsläufig nie mehr erreichen konnte.
"New Machine" von David Vaccaros V-PROJECT kommt "Street Machine" stimmungsmäßig verdammt nahe. Und das ist die eigentliche Sensation, weil derlei Musik heutzutage ausgestorben schien (sie ist nämlich nicht mit dem pampigen Wust von immer gleich klingenden Melodic Rock Produktionen zu verwechseln).
Wir lernen: "Big Rock" ist erstens nicht ausgestorben und zweitens bei entsprechender Begabung auch im Indie-Bereich und mit sicher nicht üppigen Mitteln überzeugend. Das sind gute Nachrichten für Fans der frühen BOSTON und Bewunderer der Slide-Künste eines Joe Walsh.
Der optische Eindruck ist zuerst ambivalent, aber es steht ein Name unter der Coverzeichnung: Norman Saunders. Den dürfte jeder Freund amerikanischer Groschenromane irgendwann unbewusst schon mal gesehen haben, er hat nämlich über Jahrzehnte Bildchen für Krimis, Western, Science-Fiction etc. gemalt und ist damit zu einer ziemlich wichtigen Figur zeitgenössischer Kunst geworden. Und mal ehrlich, diese "Billigbildchen" haben eine ganz eigene Ästhetik und vermitteln immer Action und Dynamik. So auch dieses hier daherbrausende rote Geschoss, das aus einer Zeit stammt (1936), in der man noch von ungebremster Mobilität auf futuristischen Maschinen träumte. Passend dazu träumt unser David von ungebremstem Gitarren-Rock'n'Roll. Wenn dann auch noch ein so liebevoll gestaltetes Heftchen mit den Texten und der technischen Spezifikation der "New Machine" (Höchstgeschwindigkeit 300 mph) beiliegt, hat man endlich mal wieder richtig was zu hören UND gucken. Ganz tolle Idee.
David Vaccaro hat auf seiner CD alles selbst gemacht, sogar der böse Begriff "Drum Machine programming" taucht auf, nur ein Saxophon und eine Geige lässt er von Spezialisten einspielen - und den Gesang auf vier der zehn Songs hat er ebenfalls outgesourct und an, Festhalten!, Robin McAuley vergeben. Das ist der allzeit sympathische Mensch, der einige der kommerziell erfolgreichsten Platten von Michael Schenker eingesungen hat. Man hat seinerzeit über die Werke der McAuley-Schenker-Group ob ihrer mainstreamigen Ausrichtung gejammert, heute wäre man froh, wenn Michael "Flying V" Seltsam noch so einen Songwritingpartner hätte. Und auch auf "New Machine" macht McAuley einen klasse Job. Gleich am Anfang gibt er dem Slide-befeuerten Exit Sign noch mehr Schub und - wusch - ist man an der Ausfahrt vorbeigerauscht. Prima Text übrigens: Mach das noch mal und du siehst mich nie wieder, mach's nur noch mal und das letzte was du siehst ist das Ausgangsschild an meiner Tür.
Mit Somebody Like You haben Robin und David einen Sommerhit geschrieben, allerdings war die CD noch nicht erfunden, als solche Musik zum Sommerhit wurde. Ric Ocasek von den CARS konnte solche schicken Nummern auch. Das ist Pop, brillanter Gesang, unsentimentale Akustikgitarre und unwiderstehlicher Drive - her mit dem Tequila Sunrise!
Die dritte Kooperation, You Don't Care, kommt dramatisch arabisch angehaucht und zeigt den "bösen" Robin, der auch richtig shouten kann. Was haben die beiden nur für ein begnadetes Händchen für Melodien. Und funky können sie es auch, wie Tangled In Your Web, die letzte Gemeinschaftsarbeit, zeigt. Hört man selten, dass sich zwei Kerle so, hmmm, lustvoll anschreien.
Die übrigen Songs sind reine Vaccaro-Angelegenheiten, fallen aber kein Fitzelchen ab. Auch nicht gegen die großartige Fassung von The Stake, das man seit dem göttlichen "Book Of Dreams" nicht mehr so beschwingt gefetzt hören konnte. Hoffentlich kennt Steve Miller die V-PROJECT Version. Bei der Gelegenheit könnte er sich überlegen, warum er niemals einen Song wie Back To My Baby geschrieben hat. Das hat nun Vaccaro für ihn erledigt und dazu ein prickelndes Sax-Solo einbauen lassen.
Noch fünf Worte zur eigentlichen Tabuzone, dem Drumcomputer: Er fällt nicht negativ auf.
Mensch, Vaccaro, halt durch und mach jedes Jahr so eine CD, dann ist der öde Brotjob bald Vergangenheit und wir sehen uns bei den großen Sommer-Open-Airs, wo dann auch die jungen DOOBIE BROTHERS und EAGLES so richtig die Sau rauslassen und nicht grau und verbraucht ausschauen. Derweil sollten alle Album-Oriented-Rocker ihr breitestes Grinsen und die Sonnenbrille aufsetzen und zu "New Machine" über den imaginären Highway flitzen. Tipp: Disclaimer, Time To Move On und On Yer Way eignen sich ganz wunderbar dafür - und der ganze Rest auch.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|