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!Chutzpah!

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Chutzpah
!Chutzpah!, Backstage Alliance/Soulfood, 2009
Ginger Vocals, Guitar
Scott Sorry Bass, Vocals
C.J. Guitars, Vocals
Ritch Battersby Drums
Länge: 36 Min 50 Sek Medium: CD
1. The Jackson Whites6. Tim Smith
2. Plastic Jebus7. Low Energy Vortex
3. The Only One8. You Took The Sunshine From New York
4. John Of Violence9. Mazel Tov Cocktail
5. You Are Proof That Not All Women Are Insane10. Chutzpah

THE WILDHEARTS are back! Ach?
THE WILDHEARTS are back! The Wild-wer?
THE WILDHEARTS are back! Quark! Die waren doch nie weg!

The Wildhearts Das sind drei Reaktionen, die dieses neue Album hervorrufen könnte. THE WILDHEARTS lernte ich damals kennen, als sie mit ihrem P.H.U.G.-Album an den Start gingen. Ein Freund von mir hatte auch das erste Album und brachte mich auf die Band aus dem Königreich. Leider hat auch er sie zu spät kennen gelernt, denn nachdem wir unser Herz für diese sympathisch-chaotischen Punkrocker erwärmen konnten, gaben sie auch schon ihr Abschiedskonzert. Und irgendwie ist dann die Rückkehr der Spaßbande an mir vorübergegangen. Irgendwann kriegte ich mal mit, dass sie wieder was machen, habe das aber nicht wirklich für voll genommen.
Nun gibt es also mit !Chutzpah! den bereits 9. Dreher der Briten und ich bin verwirrt. Da wo früher noch die Punkrock-Keule kreiste ist scheinbar nichts mehr so, wie es mal war. Gut, vielleicht haben die Jungs um Fronter Ginger es satt, als der ewige Geheimtipp zu gelten und wollen endlich die Aufmerksamkeit, die ihnen seit 20 Jahren verwehrt bleibt.
Zwar bin ich verwirrt, aber auch positiv überrascht. THE WILDHEARTS hauen mit einem modernen Rocksound aus den Boxen, der auch aus dem sonnigsten Kalifornien stammen könnte. The Jackson Whites hält sich nicht lange mit Geplänkel auf und haut direkt auf die zwölf. Das passt gut zu einem Dodge Pickup auf der staubigen Straße Richtung Surfstrand. Plastic Jebus könnte im Intro auch von FAITH NO MORE stammen, geht in der Strophe in eine verrockte Variante von PRINCE über, um sich im Refrain dann auf hohes Mitsingpotential zu begeben. Kurzes Solo und weiter geht's im Takt. The Only One hätte auch GREEN DAY gut zu Gesicht gestanden. John Of Violence drückt die Metalriffs aus den Saiten, der Kopf nickt und ab dem Gesang möchte man nur noch in einem riesigen Moshpit verschwinden und sich die Perlen aus den Rippen schwitzen - der Refrain erhebt sich dann über alles - sowas hätten THOUSAND FOOT KRUTCH auch hinbekommen.
You Are Proof That… kommt wieder punkrockig aus den Boxen. Tim Smith erfreut mit METALLICA-Klängen und rifft herrlich vor sich hin. Der Kopf nickt, die Luftgitarre wird breitbeinig gewirbelt und Ginger, oder wer auch immer da gerade singt, brüllt sich den Text aus den Lungen. Im Refrain wird's dann wieder hymnisch. Faszinierend, wie die das hinkriegen, ohne peinlich zu wirken.
Low Energy Vortex beginnt mit zarten Pianoklängen und einem traumhaft schönen Melodieverlauf, bis die Gitarren im Paarlauf mit den Drums alles wieder in die gewohnten Bahnen lenken. You Took The Sunshine From New York ist so wenig was von BEACH BOYS, wie das Krümmelmonster von guten Manieren. Aber gute Laune ist garantiert. Dieses Album macht bisher nur Spaß.
Mazel Tov Cocktail beginnt mit einem STONES-Intro um dann mit einsetzendem Gesang schnell den Weg in agilere Gefilde anzutreten. Der größte Geniestreich gelingt dem Quartett von der Insel aber mit dem abschließenden Titeltrack. Da ist so ziemlich alles drin verwurstelt, was sich an Referenzen auffahren lässt: NewRock-meets-ANTHRAX-meets-METALLICA-meets-Disco-meets-Punk-meets-Rock-meets-ein-ganz-kleines-bisschen-David-Gilmour". Es lohnt sich auf alle Fälle den letzten Minuten bis zum Ende zu lauschen. Geil! Geil! Geil!

Nach der anfänglichen Verwirrung folgt Begeisterung und der Druck auf die Skiptaste. Wenn sie hiermit nicht endlich in den hartrockenden Kreisen einschlagen, dann weiß ich auch nicht mehr, was die alten Hasen noch aus den Saiten zaubern müssen. Das hier ist eine absolute Kaufverpflichtung!

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 22.10.2009

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