HoR Logo kl CD-Review:

Logo The Pineapple Thief

Tightly Unwound

Logo Home-of-Rock

Tightly Unwound
Tightly Unwound, k-scope/Snapper Music, 2008
Bruce Soord Vocals, Guitars, Keyboards
Jon Sykes Bass
Wayne Higgins Guitars
Keith Harrison Drums
Steve Kitch Keyboards
Länge: 59 Min 34 Sek Medium: CD
1. My Dept To You6. My Bleeding Hand
2. Shoot First7. Different World
3. Sinners8. And So Say All Of You
4. The Sorry State9. Too Much To Lose
5. Tightly Wound

Bei THE PINEAPPLE THIEF treffen sich inzwischen die Hörer, die an der Einmündung stehen geblieben sind, als Steven Wilson und seine Kapelle PORCUPINE TREE nach links abbogen, um sich fortan mehr und mehr den metallischen Klängen zu widmen.
Gar nicht lange ist es her, als uns THE PINEAPPLE THIEF ihren Vorgänger "What We Have Sown" präsentierten. Es war ein ungewolltes und nicht geplantes Studio-Album, welches letztlich überwiegend positive Kritiken einfahren konnte. Dabei fielen mir neben dem gebotenen Artrock zahlreiche psychedelische Einflüsse auf. Auf "Tightly Unwound" geht es an sich genauso weiter. Doch zu Beginn habe ich den Eindruck, dass man den neuen Songs leichter folgen kann. Werden THE PINEAPPLE THIEF dadurch schneller und einfacher zugänglich?
Das könnte man auf alle Fälle meinen, wenn man sich den Eröffnungstrack My Dept To You reinzieht. Ruhig und eingängig gleiten die sanften Gitarren dahin, dazu gesellen sich leise Tasten. Die Nummer bleibt schnell hängen, klarer Fall fürs Radio. Doch das ändert sich schlagartig. Shoot First kommt sprichwörtlich ganz gewaltig und macht den Anfang von einer Verkettung zwischen melodischen Harmonien, melancholischen Untertönen und dem einen oder anderen schrägen Fetzen. Wirklich verquer erklingt Tightly Wound und geht dabei klar in die Richtung des Vorgänger-Albums.

Jeder Song auf dieser Platte wartet mit Intensität auf, was daran zweifeln lässt, dass THE PINEAPPLE THIEF wirklich weiterhin nur ein Nebenprojekt des musikalischen Kopfes Bruce Soord ist. My Bleeding Hand ist ein wahrer Genre-Kracher, doch aufgepasst: Die Gitarrenriffs sind inzwischen altbacken und unterscheiden sich kaum vom typischen Independent-Krach. Da helfen auch die schrägen Töne nicht mehr weiter. Das Problem liegt im gespielten Tempo und dem vorhersehbaren Takt, wobei die leicht psychedelische Ausrichtung der Nummer noch etwas Pfiff verleiht. Ein ganz starker Song ist dagegen das über 10-minütige Different World, welches den Hörer wieder tief in die Melancholie hineinzieht. Zur Mitte des Jahres 2008 darf man allerdings durchaus anmerken, dass es sich in den ruhigen Gesangsparts nach einem PORCUPINE TREE-Klon anhört. Doch die Effekthascherei im letzten Drittel dieses Stücks kann beeindrucken.

Der größte Klotz kommt zum Schluss. 15 Minuten Too Much To Lose, floydig bis unter die Decke, anschließend noch mal laut, experimentell und dreckig, aggressiv und fast schon elektronisch.
Was bleibt, ist ein verzerrtes Bild, welches sich nach mehrmaligen Durchhören über die gesamte Scheibe legt. Die Band weist auf "Tightly Unwound" erneut unheimliche Stärken auf, hinterlässt aber, insbesondere zur Mitte hin, einen etwas langatmigen und langweiligen Eindruck. Vielleicht hätte man aus "What We Have Sown" und dem neuesten Werk einen einzigen Longplayer stricken sollen? Wer weiß das schon so genau. THE PINEAPPLE THIEF sind eine sehr interessante Formation, die erneut erhöhte Obacht und Aufmerksamkeit mit ihrer Musik einfordert, und doch frage ich mich wieder, ob das zu einem wirklichen Durchbruch reichen wird.

Ralf 'Jogi' Ruhenstroth, (Impressum, Artikelliste), 10.05.2008

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:


 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum