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Force Of Gravity
Force Of Gravity, Sylvan Music, 2009
Marco Glühmann Vocals
Matthias Harder Drums
Sebastian Harnack Bass
Jan Petersen Guitars
Volker Söhl Keyboards
Gast:
Miriam Schell Vocals (Midnight Sun)
Länge: 69 Min 06 Sek Medium: CD
1. Force Of Gravity7. Midnight Sun
2. Follow Me8. King Porn
3. Isle In Me9. Episode 609
4. Embedded10. God Of Rubbish
5. Turn Of The Tide11. Vapour Trail
6. From The Silence

Nehmen wir das Ergebnis mal vorweg: Ein Meilenstein wie "Posthumous Silence" ist das siebte Album "Force Of Gravity" der Hamburger Artrocker SYLVAN nicht geworden. Ist natürlich auch nicht ganz einfach, wenn man sich selbst die Messlatte derart hoch legt wie mit besagtem Konzeptalbum. Allerdings ist das nun auch wieder teil-polemisches (Fan)Gejammer auf ausgesprochen hohem Niveau. Denn ein "richtig schlechtes" Album haben die Hansestädter ohnehin noch nie abgeliefert und "schlecht" ist ja wohl auch ganz sicher nicht das passende Adjektiv für diese silberglänzende Parforcejagd, die mit rund 69 Minuten auch noch die Kapazität der hübschen Kunststoffscheibchen weit über das in der Regel gewohnte Maß hinaus ausschöpft.

Das Pappcover der Promo-CD ist mal wieder dergestalt, dass man als bekennender Bookletliebhaber und ausgesprochen gerne darin Herumblätterer, etwas damit hadert, das es oftmals zu aufwendig scheint, auch den Promoleuten ein vollständiges Büchlein in die Hand zu geben. Das Artwork passt zu Titel und musikalischem Inhalt wie die Faust aufs Auge: Im Hintergrund schaukeln gemächlich und verträumt die Kabinen eines Riesenrades dahin, während im Vordergrund das rot eingefärbte Gerüst einer Achterbahn eine visuelle Kostprobe der gefühls- und musikmäßigen Achterbahn gewährt, die den Hörer erwartet. Ein Blick in das weitere Innenleben wäre sicherlich interessant, ist oftmals aufschlussreich - oder gibt noch mehr Rätsel und Interpretationsmöglichkeiten auf.

Mit dem Titelsong eröffnen die Hamburger ihren Jahrmarkt der Gefühle in gewohnter SYLVAN-Manier und verschießen damit schon eine ganze Menge Pulver. Möglicherweise um zu beweisen, dass es auch "nach" Gitarrist Kay Söhl recht gut weitergeht. Der "Neue", Jan Petersen, hängt sich auch ganz schön in Seile, äh--- Saiten, um eigene Akzente zu setzen. Live ist Follow Me eine Riesengranate, aus der Konserve manchmal aber etwas anstrengend, was nicht zuletzt auch an Marco Glühmann liegt. Seine markante Art, die Stimmbänder innerhalb ein paar Takten vom 3. Untergeschoss der Tiefgarage bis hinauf ins luxuriöse Penthouse schnellen zu lassen, macht den Sound von SYLVAN so unverwechselbar. Auf "FoG" scheint er es jedoch zeitweise etwas zu gut zu meinen und strapaziert sein grandioses Stimmvolumen über Gebühr. Eigentlich möchte ich an dieser Stelle gar nicht so sehr auf dem viel zitierten Vergleich mit Steve Hogarth/MARILLION herumreiten, aber irgendwie kommt man doch nicht drum herum.
Mit dem ruhigen Isle In Me und besonders Embedded gönnt sich die Band eine kleine Insel der Ruhe und Nachdenklichkeit.
Mein ganz persönlicher Favorit ist Turn Of The Tide, eine wundervolle Halb-Ballade, bei der Volker Söhl, wie übrigens öfter auf diesem Album, vom Keyboard auf das Piano umsteigt und den "ruhenden Phasen" traumhafte Töne beschert. Die "echte" Ballade kommt zwei Tracks später mit Midnight Sun und einem hinreißenden Duett Glühmanns mit Miriam Schell (wie auch schon auf "Presets"). Zwar mit dem hohen Anspruch der Stimmungsbeschreibung des Gemäldes "Das Eismeer" von Caspar David Friedrich, insgesamt aber doch das "schwelgerische Popstück" des Albums.

Bei allen neuen Sounds und Einsprengseln in die bewährte SYLVAN-Technik am Unvorhergesehensten scheint God Of Rubbish. Straighte Riffs mit Punkrockattitüde (willkommen GREEN DAY), die "a wenig" auf das Etikett der Alternativschublade schielen. Doch wie so oft - das Zuckerl gibt's zum Schluss. Das 14-minütige Vapour Trail hat alles was ein erstklassiger Longtrack braucht um aus einem Guss zu sein: Die einleitende Streicherpassage legt den Grundstein für Marco Glühmanns Gesang wie man ihn kennt und schätzt. Sebastian Harnacks Bass und die Drums von Matthias Harder bauen an dieser rhythmischen Basis weiter, unterstützt von Söhls zurückhaltendem Keyboard. Auf diesem Teppich kann sich Petersens Gitarrenarbeit vorzüglich entfalten um nach einigen Minuten auf die eine weitere Melodiefolge überzugehen, in der das Klavier den dominierenden, jedoch völlig unaufdringlichen Part übernimmt. Filigranes mischt und ergänzt sich mit Jazzelementen und kraftvollen Gitarrensoli und gipfelt in einem fulminanten Finale. Ein grandioses Epic, mit dem wir wieder bei dem intensiv-atmosphärisch-dichten Stil von "Posthumus Silence" wären.

Maria 'Jamina' Ortner, (Artikelliste), 16.12.2009

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