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Australia

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Australia
Australia, Antstreet Records, 2010
Larry Attard Lead Vocals, Bass
Stav Tsolakides Guitar, Vocals
Mick Bristow Lead Guitar, Vocals, Lead Vocals (Australia)
Damon Syme Drums, Vocals
Produziert von: Snake & Joe Panetta Länge: 45 Min 10 Sek Medium: CD
1. Greed7. I'm Yours
2. Cry Wolf8. Hell's Calling
3. Killers9. What's Gonna Happen To Me
4. Call Me Jack10. Ain't Goin' Away
5. Australia11. Can't Wait
6. Every Dog Has Its Day12. Greed (reprise)

Ein kleines Marketingseminar für Larry Attard, den Vorsänger und Chef von SNAKE, wäre womöglich keine schlechte Idee. Finde mal einer auf Anhieb bei Google die Band SNAKE und ihre CDs "Strike!" und "Australia". Schlangen zuhauf, die meisten davon tödlich, aber eine Band mit diesem Namen… Immerhin läuft die zweite CD beim deutschen Label Antstreet Records, was den hiesigen Vertrieb ein wenig einfacher macht.
Vielleicht braucht es aber auch gar kein Seminar, sondern "nur" Popularität, denn musikalisch macht der Vierer auf dem neuen Album "Australia" noch mehr richtig als vor zwei Jahren bei "Strike!", dem man ohnehin schon 7 von 10 möglichen Punkten geben konnte. Da wir aber keine Punkte vergeben, müssen wir die jetzt fälligen 9 Pünktchen anders begründen.

In den letzten, sagen wir mal, drei Jahren durften wir schätzungsweise 25 neue Bands vorstellen, die sich in der einen oder anderen Weise der Musik von AC/DC oder wenigstens dem vom Blues herführenden Hard Rock und Boogie der Siebziger verpflichtet fühlen. Manche waren Eintagsfliegen wie THE CASANOVAS, ein paar waren unerheblich, andere zu sehr Plagiat um spannend zu sein, aber, und das spricht für diese eigentlich simple Art von Musik, der Großteil hat den Test vieler Partys bestanden und läuft bei so gut wie jeder Zusammenkunft Bier trinkender Rockfans. Die Wissenden unter uns kennen natürlich den Grund dafür, den Neuankömmlingen erklären wir ihn gerne immer wieder neu. Es ist der Rhythmus, der Groove, der Gitarrensound, das Geschrei, die Lust auf mehr als dröges Notenzählen, ja, es ist auch die der Primitivität innewohnende Geilheit, die den Rhythm & Boogie niemals sterben lassen wird.
Wer nun glaubt, jeder Hanswurst könnte sich eine Gitarre umhängen und kurzerhand den perfekten Hard Rock spielen, denkt zu kurz. Es ist eine Lebenseinstellung, die man hat, oder eben nicht. Wer sie nicht hat, wird von den Fans schneller entlarvt als der Viervierteltakt ins Kleinhirn vordringen kann. Man muss kein lebenslanger Rowdy sein, wie Angry Anderson von ROSE TATTOO, man muss den Leuten glaubhaft vermitteln: Hey, ich bin einer von Euch, ich weiß wovon ich singe - und jetzt lasst uns Spaß haben. Prost!
Larry Attard und seine an der Rhythmusgitarre neu besetzte Band SNAKE aus Brisbane können das.

"Australia" ist ein konsequente Weiterentwicklung von "Strike!". Das Songwriting ist schlüssiger, die Aufnahmequalität besser, es gibt keine stilistische Entgleisung mehr, "Australia" muss seinem Mutterland und dem Rock'n'Roll nicht peinlich sein. Doch nicht alles aus Australien muss zwangsläufig ausschließlich nach AC/DC klingen, SNAKE ist eine Band mit Facetten. So tritt der Titelsong beinahe wie Nu Metal auf die Spaßbremse, bis man erkennt, dass hier eine sehr geile Nummer hämmert. Die bizarre Story Killers würde man einer solchen Band ebenfalls nicht zutrauen, erstens weil äußerst britisch und zweitens weil Larry Attard etwa so abgefahren klingt wie einstmals Gary Holton von den HEAVY METAL KIDS (natürlich ohne dessen Cockney-Akzent). Eine schaurig schöne Gruselnummer.
Nicht wesentlich romantischer ist das "Hörspiel" Call Me Jack. Solche Lieder werden nicht von randalierenden Pub-Rockern gemacht, hier ist jemand mit Spaß, Verstand und Lust an einer gewissen Theatralik am Werk.
Selbstverständlich gibt es auch die "leichte" Boogie-Kost, allerdings werden immer wieder Breaks oder Gitarrenlinien eingebaut, die die allermeisten Bands dieser Gattung so nicht draufhaben (vgl. mit What's Gonna Happen To Me oder Can't Wait). "Australia" ist keine CD zum simplen "Hirn wegblasen", man kann und soll richtig zuhören. Umso mehr freut man sich über die üppigen Groove-Passagen, die zwangsläufig in den Ausfallschritt führen. Die Qualität eines Every Dog Has Its Day oder Cry Wolf ist bemerkenswert und ein klassischer Butcher And Fast Eddie-Blues wie Hell's Calling geht einem einfach immer wieder durch Mark und Bein, vor allem wenn die Gitarre plötzlich abhebt wie ein Flugzeug.

Ein markanter Schritt vorwärts von SNAKE, der kraft ihres Allerweltsnamens schwer auffindbaren Hard Rock Band aus Australien, die hoffentlich mit diesem neuen Album einen Karrieresprung schafft. Oder wenigstens für ein paar Konzerte den Sprung nach Europa. "Australia" ist eine CD zum oft hören, nicht nur bei den nächsten Partys.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.10.2010


 
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