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Rick Parnell

One Eye Open

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One Eye Open
One Eye Open, Eigenvertrieb, 2009
Rick Parnell Guitar, Vocals
Graham Ronne Lead Guitar, Steel Guitar
Produziert von: Graham Ronne Länge: 23 Min 12 Sek Medium: EP
1. One Eye Open4. I'm Coming Home
2. Everybody 's Wrong5. Come Saturday
3. Coexistance6. One More Song

Mr. Rick Parnell kann ohne weiteres als Minimalist bezeichnet werden. Fassen CDs mittlerweile locker bis zu 80 Minuten Spielzeit, kommt sein sparsames Debüt "One Eye Open" auf kümmerliche 23:12 Minuten verteilt auf 6 Songs. Wird die audiophone Welt von hunderten von Klangfarben verziert, begnügt sich der aus Calgary stammende Kanadier mit seiner Stimme und ein paar Gitarren. Auf der anderen Seite klotzt er aber auch ganz schön, anstatt zu kleckern. Beispielsweise kommt er nicht mit einer Genrebezeichnung aus. Vielmehr stellt er seine Musik in der Hauptspielart als "Contemporary Folk Rock" vor - womit er zweifelsohne Recht hat - aber hängt als Subbezeichnung noch unbeeindruckt "Alternative" an. Auch bei der Wahl seiner Inspirationen schöpft Rick aus dem Vollen: "In the tradition of Dylan, Leonard Cohen and Donovan with a little Lennon, Harrison and even Johnny Cash mixed in for good measure." Wobei schon interessant wäre zu erfahren, was zur Hölle mit "a litte Lennon" eigentlich genau gemeint ist. [Ja, seltsam, John Lennon war immerhin 1,78 groß. Red.]

Was die sechs Songs wohl am meisten voneinander unterscheidet, ist die gemeinsame Funktion als verschreibungsfreies Depressiva. Parnell schafft es mit fröhlicher Leichtigkeit, die Stimmung des Hörers in den tiefsten Keller zu schicken. Verursacht der eine Song nur eine leichte Verdammt-mieser-Sommer-Verstimmung (I'm Coming Home), sorgt der andere schon für eine ausgewachsene depressive Episode (Coexistance), während Everybody's Wrong so nebenbei einen lustigen Aufenthalt in der "Geschlossenen" induziert.
Rick Parnell versteht ohne Zweifel sein Handwerk. Durch die spärlichen Arrangements stehen die Songs - und nichts anderes - im Vordergrund. Wo andere ihre Stücke mit wilder Effekthascherei völlig überfrachten, lässt er genug Raum, um den Hörer an seinen Geschichten und Stimmungen teilhaben zu lassen. Manchmal ist weniger eben mehr. Ein Meister wie der bereits erwähnte Johnny Cash hat es mit seinen "American Recordings" vorgemacht. Mit Leidenschaft geschriebene und mit karger Vehemenz vorgetragene Songs vermögen so zielsicher zu treffen, wie es sonst nur Rifleman Lin McAdam zu schaffen vermag.
Die Produktion ist klar, allerdings noch nicht ganz ausgewogen. Tatsächlich sind leichte Pegelschwankungen bei der Lautstärke von Ricks Stimme auszumachen (zwischen den Songs Coexistenz und I'm Coming Home). Auch wird Rick noch an den Tonlagen arbeiten müssen, mit denen er die Songs beginnt. So erreicht er wiederum bei Coexistenz deutlich seine Grenze. Allerdings trübt das den sehr positiven Gesamteindruck kaum, könnte aber eine Erklärung für das Subgenre "Alternative" sein.

Rick Parnells Musik passt am besten zu den melancholischen Impressionen einer trostlosen Winterlandschaft, die mittels einer Flasche Canadian Club euphorisiert wird. Alle Musikfans, die so verzweifelt wie vergeblich auf "American Recordings VI" warten, werden in "One Eye Open" wenigstens ein kleines bisschen Trost finden. Ein größeres Kompliment kann man dem sympathischen Kanadier Rick Parnell wohl kaum machen.

Olli "Wahn" Wirtz, (Artikelliste), 22.07.2009

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