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Pure
Pure, Toff Records, 2008/09
Nick Barrett Guitars, Vocals, Keyboard Programming
Peter Gee Bass
Clive Nolan Keyboards, Backing Vocals
Scott Higham Drums, Backing Vocals
Gast:
Rod Crisp Harmonica (It's Only Me)
Produziert von: Karl Groom Länge: 53 Min 10 Sek Medium: CD
1. Indigob.) Space Cadet
2. Eraserheadc.) Home And Dry
3. Comatose4. The Freak Show
a.) View From The Seashore5. It's Only Me
Bonus DVD:
Studio Report

Crosscheck bedeutet, dass sich die Redaktion auf eine Veröffentlichung stürzt, um sie nach bestem Wissen und Gewissen so subjektiv wie nur irgend möglich und nach persönlichem Geschmack zu bewerten. Die Bewertungsskala ist hierbei selbstverständlich so ernst gemeint wie die gesamte Idee des Crosschecks:
Note 1: Genial
Note 2: Optimal
Note 3: Neutral
Note 4: Banal
Note 5: Egal
Note 6: Katastrophal

Noch während der Arbeiten zu "Pure" machte sich Bandleader Nick Barrett laut bemerkbar und wetterte gegen die illegale Download-Piraterie. Interessant dabei der Hinweis, dass für den Fall, dass sich das neue kommende Album hauptsächlich über die Datenpipelines ohne ordentlichen Erwerb verbreite, die Existenz der Band auf dem Spiel stehe. Gleichzeitig sind PENDRAGON ein musikalisches Wagnis eingegangen. Denn vergessen wir nicht, dass diese Formation in Sachen Neo-Prog bereits gehörig viele Jahre auf dem Buckel hat. Alben wie "The Jewel" aus 1984 oder "The Window Of Life" aus 1993 gehören in diesem Genre inzwischen zu Aushängeschildern.
Jahre später hat man der Band oftmals vorgeworfen, dass die Ideen ausgegangen seien, was nach Meinung einiger Kritiker bei der letzten Veröffentlichung "Believe" dazu führte, der Band den Rücken zuzukehren. Ganz ehrlich, soweit konnte und wollte ich nicht gehen. Vor allen Dingen die süßlichen und eingängigen Melodien, verbunden mit den klaren Solo-Läufen von Barrett wie beispielsweise im Longtrack The Wishing Well hatten es mir dann doch irgendwie sehr angetan. Nun befindet sich der Nachfolger "Pure" beinahe auf dem Markt. Beinahe? Die Edition im Digi-Pack mit zusätzlicher DVD ist derzeit und hauptsächlich nur über die Website der Band erhältlich, im kommenden Jahr soll die Scheibe ohne Bonus-Dreingabe dann offiziell in jedem gut sortierten Laden stehen.

An vielen Stellen auf "Pure" fühlt man eine musikalische Fortsetzung von "Believe". Doch dieses Mal aufgeräumter und strukturierter. Der Härtegrad wurde merklich angezogen, was auch soundtechnisch brillant in Szene gesetzt wird. Dazu mag ein gewisser Karl Groom (THRESHOLD) entscheidend beigetragen haben. Nun, die Mischung macht es. Im fast 14-minütigen Indigo geht es erstaunlich heavy, fast schon metallisch zur Sache. Und trotzdem gelingt es der Formation, der Angelegenheit eine Menge an einfühlsamen Melodien mit einem tollen Guitarsound einzuflössen. So erreicht man einen Ohrwurmcharakter, der es erlaubt, schnell, zügig und vor allen Dingen unvoreingenommen Zugang zu diesem Werk zu finden. Wer jetzt mault und anmerkt, dass dies doch nicht mehr die typischen PENDRAGON sind, der öffnet anderen die Augen und lässt diese vielleicht verständnislos in die Gegend blicken.
Damit dürfte die wichtigste Feststellung im Raum stehen, nämlich die mutige stilistische Veränderung bei PENDARGON im Jahr 2008.
Operation gelungen, anders kann es eigentlich nicht bezeichnen. Und auch der neue Schlagwerker Scott Higham macht im stampfenden The Freak Show so viel Druck, wie man es sicherlich nicht erwartet hätte. Dass sich Barett auch hier spieltechnisch wieder auslebt, macht die Nummer zu einem echten Gewinn im Plattenschrank. Im Dreiteiler Comatose dürften sich neue und alte Fans wieder finden. Im Teilstück Home And Dry sind es PINK FLOYD, die ihren unverwechselbaren Einfluss geltend machen.

Selbstredend und erwartungsgemäß braucht "Pure" ein paar Umläufe, alles andere wäre für diese Art von Musik ungewohnt. Und dann fallen auch inszenierte Streichereinlagen genauso auf, wie die bereits auf "Believe" zu findenden weiblichen Stimmdreingaben. Nur der Hund, der sich zu Beginn lautstark zu Wort meldet, scheint mir ein neuer Freund zu sein.
Wenn PENDRAGON eine bisher vollkommen unbekannte Band wäre und erstmals mit diesem Album in der Szene auftauchen würde, dann wären sie mit großer Wahrscheinlichkeit einer der größten Hoffnungsträger in der ansonsten so kühlen, nüchternen und über weite Teile emotionslosen Prog-Gesellschaft. So werden sich aber die Geister an "Pure" scheiden. Für mich ein tolles Album und deswegen mit ein paar wenigen Schwächen mit der Note 2 bewertet, was im Home of Rock "optimal" bedeutet.

Ralf 'Jogi' Ruhenstroth, (Impressum, Artikelliste), 16.11.2008

PENDRAGON - Pen Dragon - der Kopf des Drachen (laut Artussage). Bestimmt irgendeine Heavy-Scheibe. Aber nee, was an meine Blues-verwöhnten Ohren klingt, erinnert mich irgendwie an eine Band, die ich in den Achtzigern mal gehört habe: MARILLION. Obwohl MARILLION? Nee, der Sänger konnte einfach besser singen. Also: das Gewühle im überbordenden Soundbrei, die sparsam eingesetzten Gitarren, das weitgehende Fehlen von Bass und Schlagzeug und dazu diese Schuljungenstimme - das ist PENDRAGON.
Jungejunge, was setzt man mir da vor? Soll ich mir darüber etwa eine Meinung bilden? Also, wenn die Gesangsstimme wenigstens etwas modulierfähiger wäre. Die Musiker geben sich ja alle Mühe wandlungsfähig zu klingen. Aber der Sänger hat scheinbar nur die eine Stimmlage mit auf den Weg bekommen. Oder ist er noch im Stimmbruch?
Auch Lied Nummer zwei enttäuscht mich. Es ist eine aufgeblähte Nullnummer, die im pompösen Soundgewand daherkommt. Das ist zwar erstmal beeindruckend, aber absolut nichts sagend. Das Songmaterial scheint einfach nicht mehr herzugeben. Auch der Rest ist nicht gerade besonders abwechslungsvoll. Immer diese Soundwände. Aber in Stück 3 (oder 4?) höre ich plötzlich deutlich das Schlagzeug. Und auch so eine Art PINK FLOYD Gitarre. Klasse, jetzt wird's endlich spannend. Doch nein. Leider ist das Stück schon zu Ende. Doch das nächste fängt wieder genauso an. Gitarre und Schlagzeug - haben die eigentlich keinen Basser? Und darüber diese Stimme. Doch dann deckt das Keyboard (oder womit diese Soundwände sonst erzeugt werden) alles zu.
Das nächste Stück beginnt mit Piano, aber nur ein Stück weit, dann kommt wieder der alles verkleisternde Soundbrei und matscht über alles hinweg. Beinahe denke ich, der Sänger singt plötzlich in einer anderen, höheren Tonlage. Aber dann merke ich, dass da ein zweiter Sänger drübersingt. Warum man diesen nicht gleich als Sänger hernimmt, weiß ich nicht zu beurteilen.

Ich frage mich die ganze Zeit, ob diese Musik vielleicht Prog ist, wovon mein Kollege Jogi so schwärmt. Er täte mir leid. Trotz des überbordenden Sounds bleibt für mich keine Nummer, die sich irgendwie im Gehirn festsetzt oder im Ohr bleibt.
Also mir, mit meinem Southern-Rock und Bluesgeschmack ist die Musik ehrlich gesagt vollkommen egal. Und das wäre ja nach Adam Riese und der Aufteilung von unserem Cheffe eine klare 5. (Ich weiß, Fred, du bist nicht unser Cheffe) [genau; F.]. Aber da ich offen zugebe, von dieser Musik überhaupt nicht die geringste Ahnung zu haben, enthalte ich mich einer Bewertung. Lasst uns mal einen Crosscheck über eine Bluesband machen, da hab ich vielleicht mehr zu sagen.

Manfred Hörstmann, (Artikelliste), 19.11.2008

Das Überwerk auf dieser sehr guten CD ist Indigo, der erste Track. Die enge Verzahnung, die zwischen Text, Musik und der Stimmung zu jedem Zeitpunkt erzeugt und durch das ganz Stück gehalten wird ist meisterlich.
Um das ganze gründlich zu untersuchen und darzulegen, müsste man einen Besinnungsaufsatz schreiben. Da wir hier aber im HoR und nicht auf dem Gymnasium Niffelshausen sind, nur soviel: es ist die Story von einem, der unzufrieden mit seinem Leben und der Aufmerksamkeit, die er erfährt, ist. Er ist überzeugt, dass tief in ihm mehr schlummert, und wenn man ihn nur ließe, würde er aus seinem inneren Gefängnis ausbrechen, an 'die Oberfläche schwimmen' und dort 'atmen' und der Welt zeigen, wie gut er ist. In seinen Träumen - musikalisch wunderbar wiedergegeben durch ein sehr schönes Gitarrensolo - visioniert er davon, muss aber erkennen, dass die graue Wirklichkeit ihm diese Chance nicht einräumt, und verzieht sich wieder in sein Unterbewusstsein - was durch die Farbe Indigo symbolisch dargestellt wird. Das Stück endet mit dem Gitarrensolo in ganz ruhigen Tönen - er hat seinen Frieden gemacht.
Eraserhead ist rhythmisch akzentuierter und entspricht somit wiederum dem Text, der sich mit liberalen Ideen von Welt und Miteinander auseinandersetzt und - in der Position des Eraserhead - ablehnt, aber schließlich ist er auch nur ein 'rebel without a cause'. Musikalisch gibt's solistisch ein nettes Gitarren/Synthie-Duell, und wenn man sich fragt, was als nächstes kommt… ist der Track leider vorbei.

Und so geht es weiter. Die Band lässt sich bei jedem Stück Zeit ihre Ideen auszuarbeiten; auf billige Effekte und Bach'sche Versatzstücke - so beliebt im Prog-Rock - wird völlig verzichtet, alles original und einzigartig, wenn auch musikalisch eher auf der lyrischen Seite (wenngleich in Comatose I plötzlich ein Heavyrock-Riff à la AC/DC aufräumt mit all dem Wohlklang, wenn auch nur für kurze Zeit, und die Jungs zeigen, dass sie das genauso mühelos drauf haben; das mündet aber bald in spacige Riffs der Marke U2 oder RUSH. Was allerdings nicht heißt, dass musikalisch dünne Ideen auf Synthiewogen ausgewalzt werden - allem wird der nötige Platz eingeräumt, aber leider sind die Tracks manchmal eher zu Ende als man wünscht.
Beispiel: Freakshow. Der Track basiert wieder auf einem Heavyriff, schwebt im Mittelteil auf einem Synthieteppich dahin, um zum Ende hin wieder im Heavyriff zu münden, um plötzlich und unerwartet zu enden.
Für meinen Geschmack zu romantisch - so etwa wie in den frühen GENESIS- oder Gabriel-Werken - ist dann der letzte Track Only Me, der auch musikalisch nicht mit den anderen mithalten kann. Nennen wir das die 'obligatorische Ballade' und… Schwamm drüber.

Das ganze hat absolute Langzeitwirkung und man kann sich auch nach mehrmaligem Durchhören an der Vielfalt der musikalischen Ideen erfreuen. Versteht sich von selbst, dass dies einher geht mit instrumentaler Könnerschaft, die Jungs sind gute Musiker, vermeiden aber Egotrips völlig, alles dient dem Song.
Intellektuelle Musik im besten Sinne des Wortes - man setzt sich zurück und hat größten Spaß an der gedanklichen Auseinandersetzung mit der Musik. Wenn das Neoprog ist: so soll's sein.
Note 1

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 14.11.2008

PENDRAGON feiern in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum und bedienen fast genauso lange schon die Schublade des Neo Prog. Jedoch gibt es, seit dem "Believe" (2005) auf dem Markt erschienen ist, auch eine Neuerung zu verzeichnen, denn mit diesem Werk verlassen sie erstmals die Pfade des Neo Prog und bewegen sich in den moderneren Sound des New Art Rock und mit einem Lied sogar in den Melodic Rock. Tja, und wie das mit Modernisierungen so ist, hat man auch beim Artwork nicht halt gemacht. Die schönen Fantasiecover sind gewichen, leider! Ich zähle mich zu den Menschen, die das Artwork von "Masquerade Overture" oder "Not Of This World" liebten. Überhaupt zählt "Masquerade Overture", welches musikalisch eine Mischung aus ein bisschen GENESIS und PINK FLOYD bot, zu meinen liebsten Werken der Band.
Nun hat uns PENDRAGON sozusagen ein Jubiläumsgeschenk in Form von "Pure" serviert, auf dem die Band den auf "Believe" eingeschlagenen Weg noch konsequenter vorführt. Das Cover zeigt dieses Mal eine recht kühl wirkende Grafik, na ja ist halt Geschmacksache - und wie sieht es nun mit der Musik aus?

Der Opener Indigo wartet mit kantigen, tiefer gestimmten Gitarren auf und die Tasten des Herrn Nolan sind eher im Hintergrund zu hören. Das Ganze wurde geschmückt mit verzerrten Samples und Stimmen, die bis zum Hundegebell reichen. Jedoch hat es sich Mr. Barrett nicht nehmen lassen, ein ausgiebig floydiges Solo auf der Gitarre zu spielen.
Textlich wird die Unzufriedenheit mit dem Hier und Jetzt zum Ausdruck gebracht, mit dem Wunsch, in eine bessere Welt entfliehen zu können, oder aber in der Lage zu sein, etwas zu verändern. Zumindest interpretiere ich es so. Diese Stimmung wird in Eraserhead fortgesetzt.
Für sehr gelungen empfinde ich das in drei Episoden geteilte Comatose, das mit schönen Pianoklängen beginnt und die ohnehin melancholische Stimmung der Musik PENDRAGONs nur unterstreicht und mich an frühere Werke erinnert. Jedoch wird schon in der Mitte des ersten Teils vom eher ruhigen Klanggebilde ins fast metallische gewechselt, was aber den Hörgenuss nicht stört. Im zweiten Teil sind moderne ethnische Soundschnipsel zu vernehmen und auffällig ist auch, dass sich der Gesang von Barrett im Vergleich zu früheren Werken deutlich besser anhört. Im dritten Teil scheint die Ähnlichkeit zu PINK FLOYD stark durch.
Kurze metallische Riffs sind in The Freakshow zu hören, ansonsten gibt es hier nichts Besonderes zu berichten. Die Schlussnummer bildet It's Only Me und ist eher balladesk aufgebaut, und es drängt sich für einen kurzen Moment eine opernähnliche Stimme in den Gehörgang, was allerdings nicht ungewöhnlich ist, denn Ähnliches gab es auf "Masquerade Overture" auch. Ich kann mir gut vorstellen, dass der neue Drummer Scott Hiham am Songwriting beteiligt war, denn ihm hat man ordentlichen Freiraum gegeben um sich zu entfalten, was mir persönlich gut gefällt.

Bleibt abschließend nur zu sagen, dass PENDRAGON mit "Pure" ein klasse Album vorgelegt haben, welches sich vor früheren Werken wie "Masquerade Overture" und "Not Of This World" nicht zu verstecken braucht. Jedoch kann ich mir auch gut vorstellen, dass ältere Fans des Neo Prog mit dem neuen Sound nicht so klar kommen und sich kopfschüttelnd abwenden. Im Rahmen dieses Crosschecks vergebe ich die Note 2.

Michelle Karayilan, (Artikelliste), 22.11.2008

PENDRAGON ist eine jener Bands, die in devoten Kreisen seit zig Jahren verehrt werden, sie waren sogar früher als MARILLION am Start, und werden trotzdem nie über den Insiderstatus hinauskommen. Das hat auch durchaus begreifbare Gründe, denn Nick Barrett und seine wechselnden Begleiter haben es nie geschafft, 1.) ihre ganz und gar eigene Duftmarke zu setzen und 2.) kontinuierlich eine Musik zu machen. Da gab es atemberaubende Schwenks zwischen Prog, Kitsch, Kunst, Krempel und Mainstream, die es auch für härteste Proggies schwer machten, der Band zu folgen. Die nicht ganz so anspruchsvollen Hörer könnten auch sagen, dass sie Bands wie PENDRAGON nicht brauchen, weil sie die Originale eh im Schrank stehen haben. Und genau dies ist das Problem von "Pure", denn die Discographie von PINK FLOYD hat ja nun wohl wirklich jeder Hansdampf komplett.

Neo-Prog wird diese Musik genannt, aber manchem Rockfan wird das Neo niemals klar werden. Was, zum Geier, soll daran neu sein, außer dem Hang zur hemmungslosen Verkitschung längst bekannter Töne? Zugegeben, "Misplaced Childhood" war ein großartiges Werk, auch wenn man zu Fish geteilter Meinung sein kann. So ganz scheint die Definition auch den Anhängern nicht klar zu sein, denn die Reaktionen auf die CDs von PENDRAGON sind seit 1985 so unterschiedlich wie sie nur sein können, und auch diesmal werden Barrett, Nolan & Co. nicht bei allen ankommen.
Der Vorgänger "Believe" hatte einen stark "fishigen" Geschmack, gewürzt mit keltischen Kräutern und wundersamen Gesangs-, Gitarren- und Keyboardausflügen zwischen Flamenco, Santana, "Herr der Ringe" und sogar ARENA-Adaptionen. Sehr seltsam war das, speziell Nick Barrett klang mal wieder anders als sonst - prompt tut er dies drei Jahre später auf "Pure" auch.
Wankelmut wird wohl das Grab für PENDRAGON sein, denn nichts ist wie es bleibt und alles scheint anders als es war. Aber es ist auch unendlich schwer, sich als Progressive-Musiker andauernd neu zu erfinden, weil man ja schließlich progressiv ist und nicht stehen bleiben will. Mal geht es gut, ein andermal geht es in die Hose. "Believe" war Hose, "Pure" ist auch nicht Jacke, aber...

Der Einstieg Indigo dürfte sich wohl eher auf die Farbe denn auf die Operette "Indigo und die 40 Räuber" von Johann Strauß Junior beziehen, aber so schwer die Farbe zu beschreiben ist, so entgleiten einem die fast 14 Minuten dieses Songs. Kurze interessante Teile wechseln mit akustischen Fragezeichen ab, was mit lässiger Gitarre Lust auf mehr macht, produziert mit Baskerville-Hundegebell und Clive Nolans flächendeckender Keyboardwandmalerei eher Belustigung, insgesamt findet man als Hörer einfach keinen Groove zum festhalten. Da vergeht eine ganze Viertelstunde ohne größere Höhepunkte, ergo ist Zeit vertan.
In den folgenden 9 Minuten Eraserhead läuft der Hase an sich ähnlich, allerdings ist die Komposition schlüssiger und vor allem pfiffiger. Einzig Nolan mag mit seinen Keyboards nicht vom altbekannten Nolan-Sound abweichen - und der ist manchmal nahe der Schmerzgrenze. Dafür ist die Gitarre wieder herausragend und Barretts Gesang ist allen Unkenrufern zum Trotz diesmal super, auch wenn es teilweise verdammt nach PINK FLOYD bzw. "The Wall" klingt. Man höre beispielsweise den Chorus von Eraserhead genau in der Mitte der Nummer.
Die Trilogie Comatose, insgesamt fast 18 Minuten lang, kann sich ebenfalls nicht über gesteigerte Innovationslust in die Herzen spielen, aber Barrett rockt zwischendurch wie der Teufel und macht manch überflüssigen Bombast vergessen. Allerspätestens hier muss man auch als fachfremde Aushilfskraft anerkennen, dass PENDRAGON eine tolle Band ist, die einzig an der längst erfolgten Erfindung ihres Genres krankt.
The Freak Show beginnt beinahe so hartmetallisch wie meinethalben PORCUPINE TREE bei gut schlechter Laune, verflacht dann allerdings recht jämmerlich, und It's Only Me flutscht letztendlich komplett aus dem Wirkungskreis eines gelernten Hardrockers.

Die großen Momente auf "Pure" bekommen eine klare 2, die flacheren eine 4, einige wenige Ausrutscher können von einem härter rockdenkenden Menschen nicht anders als mit 5 bewertet werden, was in Summe eine neutrale 3 ergibt. Würde man nur Kompetenz und künstlerische Möglichkeiten benoten, PENDRAGON wären Klassenbeste, aber es gibt eben auch noch das Herz des Hörers, das getroffen sein will.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.11.2008

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