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| Angst & Schrecken auf Formentera, Panama Publications, 2008 (1998) |
| ISBN: |
3-980-42102-7 |
| Umfang: |
191 Seiten |
| Preis: |
ca. 7 Euro |
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| Formentera Fieber, Panama Publications, 2008 (2003) |
| ISBN: |
3-936732-01-9 |
| Umfang: |
221 Seiten |
| Preis: |
ca. 10 Euro |
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| Sax oder nie! - Die Bekenntnisse des Johnny Controlletti, Panama Publications, 2007 |
| ISBN: |
9-783936732030 |
| Umfang: |
297 Seiten |
| Preis: |
19,90 Euro |
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Unsere Leser können lesen, das wissen wir aus diversen Leserbefragungen, also geben wir in loser Folge Lesetipps. Diesmal gleich drei davon für den Sommerurlaub, entsprechend haben wir Bücher mit Bezug zu Musik, Strand und jeder Menge Schweinigeleien ausgewählt, schließlich kann man Sex am Strand oder/und zu guter Musik haben, und wenn es mal zu kühl ist, zieht man sich eben in seine Kemenate zum … lesen … zurück.
Der clevere Rock'n'Roll-Unternehmer Dieter Gölsdorf hat einiges auf dem Kerbholz. Er hat die ersten Bausätze für E-Gitarren auf den Markt gebracht, die längst legendären Duesenberg Gitarren erfunden (guckst du bei ZZ TOP oder den STONES), die Firma "Formentera Guitars" gegründet und Gitarrenbaukurse auf der Hippie-Schwester von Ibiza angeboten, Bücher geschrieben und schließlich einen eigenen Verlag "Panama Publications" gegründet. Das ist schlau, weil man an die größeren Verlage heutzutage nur noch als junges hübsches Feuchtgebiet herankommt, jedoch als Rock-Zausel des Jahrgangs 1952 eher keine Chance hat. Nun ist Gölsdorf aber nicht nur sein eigener Verleger, er hat auch Werke anderer Autoren im Programm, schließlich macht so einer keine halben Sachen. Dennoch sprechen wir zuerst von seinen eigenen Ergüssen, die gerade in Neuauflage erscheinen.
1998 gab es "Angst & Schrecken auf Formentera" schon einmal und man erliest sich auf den ersten Blick, dass es sich um ein Erstlingswerk handelt. Gölsdorf ist der leicht verstrahlte Atze, der nach diversen Wirrungen auf seiner Lieblingsferieninsel Formentera eine Gitarrenbauschule eröffnet und mehr oder weniger planlos über das Eiland stolpert.
Das Buch ist eine Art Reiseführer über die winzige Insel, erklärt ein paar Hintergründe und wird seinem Titel nicht die Bohne gerecht. Es ist weder Schreck noch Angst zu verspüren, wenn man die 190 Seiten dieser semibiographischen Erzählung an zwei schönen Sonnentagen gelesen hat.
Der Geschmacksfrage an "Angst & Schrecken…" ist die Sprache. Die kommt bisweilen etwas stylisch, gekünstelt und anbiedernd an eine Szene, deren Teil man vielleicht gar nicht sein möchte, wenn man seine eigenen Hippie-Gelüste im Englischen Garten in München oder seinem Musikzimmer in Lüneburg ausleben kann. Diese Balearen-Ferien-Rocker sind nämlich ein reichlich elitäres Pack, was auch Atze erkennt und seine Anteile an der Gitarrenbauschule flugs wieder verkauft.
Andererseits hat Gölsdorf ganz köstliche Personenbeschreibungen und Anekdoten auf Lager, bei denen man herzhaft grinsen kann. Und natürlich die Konzerte, bei denen man gerne dabei oder selbst tätig gewesen wäre. Wo gibt es schon solche perfekten Spontan-Gigs, die dann auch noch wie ein Meeting der ganz großen Rockstars von Dylan über Morrison, die DOORS bis Marley ablaufen. Einen explizit guten Musik- und Frauengeschmack hat Atze Rockinger auf jeden Fall.
2003 kam der zweite Gölsdorf-Roman "Formentera Fieber". Die Storyline knüpft an sich an "Angst & Schrecken…" an, jedoch ist Atze plötzlich nicht mehr Atze sondern Hammer. Hammer ist der mittelmäßig suchtgefährdete Gitarrenbauer, der einen Hang zu schönen Frauen und gutem Essen hat. Nun ja, Herr Hammer, das ist völlig normal, wenn man auf gutes Essen und schöne Frauen steht. Problematisch wird es erst, wenn einen die schöne Italienerin veritabel überfordert, wo man doch schon der eigenen Nikotinabhängigkeit nicht gewachsen ist.
Sprachlich ist "Formentera Fieber" wesentlich umgänglicher verfasst, auch wenn das Hammer-Wortspiel ein paar Mal zu oft bemüht wird. Allerdings muss man sich mit dem Hauptdarsteller erst anfreunden, der Atze aus dem ersten Buch war irgendwie netter. Dafür hat H. mehr Sex und einen Arsch voller Probleme mit Firma und Exgattin.
Formentera ist wieder kein Ort, den man als Normalrocker unbedingt ansteuern müsste, aber das sollte man auch ohne diese beiden Taschenbücher wissen. Nur um auf den Spuren von Bob Dylan oder PINK FLOYD zu wandeln (ob die wohl Badelatschen trugen?), muss man sich weder Neckermann- noch Drogen-Freaks antun, andererseits ist der eine oder andere real existierende Treffpunkt auf dem spanischen Außenposten so anschaulich dargestellt, dass man neugierig wird.
Gölsdorf verknüpft ziemlich offensichtlich seine Lebensgeschichte mit seiner Phantasie, macht das auch geschickt und unterhaltsam. Sogar so unterhaltsam, dass man den kruden Amoklauf des sterbenskranken Klaus gegen Ende der Erzählung richtiggehend gutheißt.
Zwei angenehme und leichte Bücher, bei denen man auch mal zwischendurch einschlafen kann, ohne den Faden zu verlieren. Gölsdorf sollte mal wieder ein neues schreiben, vielleicht nicht mehr mit Formentera in der Titelrolle, aber mit so interessanten Figuren und der gleichen Portion Rock & Roll.
Weitestgehend ohne Fiktion kommt unser dritter Tipp aus, schließlich erzählt der Musiker Olaf Kübler sein Leben. "Sax oder nie! - Die Bekenntnisse des Johnny Controlletti" hat er seine Biographie genannt, die so ähnlich bereits 1996 unter dem Titel "Klartext / Voll daneben" erschien, damals als Duett mit Gerhard Augustin. Dieser wiederum hat seine Erlebnisse mit AMON DÜÜL II, Ike Turner und all den anderen Verrückten vor drei Jahren als "Der Pate des Krautrock" präsentiert und dabei auch Teile des nun vorliegenden "Sax oder nie!" verwendet. Ein paar Überschneidungen also, aber das macht nichts, denn andere Anekdoten sind entweder neu oder aus der Sicht Küblers beschrieben.
Olaf Kübler, geboren in Gießen (aka Shanghai an der Lahn) und heute 70 Jahre alt, ist bekanntermaßen und ohne Widerspruch einer der wichtigsten Saxophonisten der Nachkriegszeit, kommt aus dem Jazz und mutierte ab den späten Sechzigern zum Rock'n'Roller mit Ausflügen ins Geschäftsleben. Als Manager und Produzent von AMON DÜÜL II, viel gebuchter Studiomusiker und letztendlich langjähriger Sax-Mann in Lindenbergs PANIKORCHESTER ließ er ähnlich wie sein Freund Augustin wenige Joints ungeraucht, höchstens die Seitenlinien von Fußballplätzen ungeschnupft und kaum ein Glas mit Inhalt alt werden - es waren halt wilde Zeiten und der Rock'n'Roll hatte noch den herrlichen Geruch eines ausgestreckten Mittelfingers, von dem man nicht weiß, wo er vorher gesteckt hat.
Jahrzehnte später kommen einem die alten Geschichten natürlich wie ein Schwarzweißfilm vor, viele Protagonisten sind längst tot und vergessen, andere sieht man nach "Sax oder nie!" in einem neuen Licht. Küblers bizarre Zeit in verschiedenen Jazzkapellen, seine noch bizarrere Begegnung mit Elvis, der Umzug nach München und die Eroberung des legendären Clubs "Domicile" und der Münchner Studios macht großen Spaß, auch wenn gerade die Entwicklung zum "Musik-Mogul" in München etwas grobkörnig und ohne ein paar womöglich wissenswerte Details erzählt wird. Der Aufstieg kommt dem Leser arg schnell und reibungslos vor, aber vielleicht litt Kübler seinerzeit an Heuschnupfen und kann sich nicht mehr an alles erinnern, was unter seinem "Baum Nummer 7" im Biergarten am Chinesischen Turm alles passiert ist. Auf jeden Fall sind die Ereignisse mit und um die Chaoten AMON DÜÜL II einmal mehr (s. a. Gerhard Augustin) anschaulich beschrieben und man wundert sich nicht, dass die Auftritte des DÜÜL-Überlebenden Chris Karrer bis heute eine absurde Dramatik haben (zuletzt gesehen bei einem Konzert von GURU GURU, bei dem Karrer mit großer Entourage gottgleich erschien und als Gast auf der Bühne seltsame Geigentöne produzierte - so ganz von dieser Welt waren die Düülisten nie).
Kübler ist ein toller Erzähler mit jeder Menge Wortwitz, was ihn zum Stichwortgeber für Lindenberg werden ließ. Viele Lindi-Jünger werden bis heute nicht wissen, dass wesentliche Sprüche aus dem Frühwerk des just wiedererstandenen Nuschelkönigs ursprünglich von Kübler kreiert wurden, Udo sie aber gerne und skrupellos für sich reklamierte. Dass es darüber später sogar zu einem anwaltlichen Vergleich kam, dürfte ebenfalls weitgehend unbekannt sein. Tja, der Udo war schon ein lustiges Kerlchen…
Äußerst amüsant sind auch die Geschichten um Willy Michl, der vor dreißig Jahren ein cooler Blueser war und heute als Isarindianer für Stirnrunzeln sorgt. Daneben tauchen natürlich viele alte Bekannte auf, einige davon werden nie zu Küblers besten Freunden zählen, andere wären Stoff für eigene Biographien.
Ein klasse Buch, das sich in einem Rutsch weg liest und Inspiration gibt, sich die eine oder andere lange nicht mehr gehörte Platte aufzulegen.
Schönen Urlaub auf Balkonien, dem örtlichen Baggersee oder wo auch immer!
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