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| You Are Not Alone, ANTI-, 2010 |
| Mavis Staples |
Vocals |
| Rick Holmstrom |
Guitar, Background Vocals |
| Jeff Turmes |
Bass, Guitar, Background Vocals |
| Stephen Hodges |
Drums & Percussion |
| Donny Gerrard |
Vocals |
| Gäste: |
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| Jeff Tweedy |
Bass, Acoustic Guitar, Fuzz Guitar, Background Vocals |
| Patrick Sansone |
Wurlitzer, Piano, Vibraphone, Celeste, Mellotron, Tambourine, Organ |
| Mark Greenberg |
Celeste, Vibraphone |
| Kelly Hogan, Nora O'Connor, Richard Parenti |
Background Vocals |
| Produziert von: Jeff Tweedy |
Länge: 45 Min 15 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Don't Knock | 8. Last Train |
| 2. You Are Not Alone | 9. Only The Lord Knows |
| 3. Downward Road | 10. Wrote A Song For Everyone |
| 4. In Christ There Is No East Or West | 11. We're Gonna Make It |
| 5. Creep Along Moses | 12. Wonderful Savior |
| 6. Losing You | 13. Too Close / On My Way To Heaven |
| 7. I Belong To The Band | |
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Seit Mavis Staples bei der einstmals kleinen, inzwischen nur noch feinen Plattenfirma ANTI-Records eine, geschäftlich gesehen, neue Heimat gefunden hat, ist die junge Frau wieder richtig im Geschäft. Nach "We'll Never Turn Back" und dem packenden Live-Album "Live - Hope At The Hideout" ist "You Are Not Alone" schon das dritte Werk in nur drei Jahren. Das ist beachtlich, denn Mrs. Staples hat in ihrer gut 50 Jahre währenden Karriere vor dem neuerlichen Outcoming bei ANTI- gerade mal acht Solo-LPs veröffentlicht. Die unzähligen Credits bei anderen Künstlern und ihre beinahe lebenslange Arbeit mit THE STAPLE SINGERS sind natürlich Grund genug für die wenigen eigenen Arbeiten, aber irgendwie scheint es, als ob Mavis sich im leicht gehobenen Teenageralter jetzt endgültig "frei" gemacht hat. Ihre letzten Platten strotzen vor Selbstbewusstsein und Lebensfreude.
Einen Unterschied zu "We'll Never Turn Back" von 2007 gibt es allerdings, und der ist gar nicht in Mavis begründet, sondern liegt eher an der agierenden Band- und Studiobesetzung. "We'll Never Turn Back" war geprägt von Ry Cooder, dem Genie, und seiner Crew, bestehend u. a. aus seinem Sohn Joachim Cooder und natürlich dem unvergleichlichen Schlagzeuger Jim Keltner. Das Ergebnis war erwartungsgemäß großartig, aber es war trotzdem erkennbar ein Ergebnis konzentrierter Studioarbeit. "Live - Hope At The Hideout" fegte jeden Anflug von Sterilität mit seiner subtilen Blues-, Gospel- und Soul-Power auf Nimmerwiedersehen hinfort und "You Are Not Alone" macht: genau an diesem Punkt weiter.
Eine Frau wie Mavis Staples wird qua ihrer Ausstrahlung und Stimme nie beliebig klingen, doch es bedarf einer Menge Einfühlungsvermögen, solche Musik einem anderen als dem - zumindest bei uns in Europa - üblichen Soul-Publikum nahe zu bringen. Bedächtig mit dem Bein wippende Bildungsbürger sind zwar in aller Regel angenehme Zeitgenossen, aber Mavis Staples macht Musik für jede Gesellschaftsschicht, und sie hat vor allem eine Botschaft, die aus der Welt eine bessere machen könnte, wenn es nur genügend viele "Followers" mit entsprechendem Einfluss gäbe. (Und ja, notorische Weltverbesserer wie Bono sind trotz Millionenpublikum mindestens ebenso weit entfernt von der Rettung der Erde wie die "kleine" Mavis Staples aus Chicago.)
Gospel und Soul implizieren selbstverständlich Begriffe wie "Glaube" und "Gott", das kann im Einzelfall furchtbar anstrengend sein, aber Mavis Staples erklärt ihren Hörern ihre Standpunkte und penetriert sie nicht, und sie missioniert nicht wie ein an der Straßenecke stehender Wachtturmverkäufer. Natürlich steht die Frau in einer musikalischen und geistigen Tradition, die sie auch vehement vertritt, aber von Fundamentalismus und Ausgrenzung Andersdenkender ist sie weit entfernt. Dazu hat ihre Stimme genügend Kraft, reaktionäre Unholde in Grund und Boden zu brüllen - wir bräuchten hier bei uns auch solche "Lichtgestalten", die den Sarrazins und Steinbachs die Leviten lesen, stattdessen geriert sich eine exaltierte Clownsfigur wie Nina Hagen neuerdings als Gospelsängerin.
Zurück zum Punkt. "You Are Not Alone" ist von Jeff Tweedy produziert. Den kennt man von den stilbildenden Bands UNCLE TUPELO ("No Depression") und WILCO, aber nicht als Blues-Brother. Und genau deswegen funktioniert "You Are Not Alone" als Mittler zwischen den Welten. Der Rock inmitten all dem Blues/Soul/Gospel ist immanent, aber es wird der Staple'schen Welt nichts zwanghaft übergespült, im Gegenteil, Mavis scheint sich in von Tweedy geschriebenen Songs wie Only The Lord Knows extrem wohl zu fühlen. Das swingt, sägt, klimpert und hat auch noch eine politische Nachricht. Tweedy und Staples befruchten sich gegenseitig, weder der eine noch die andere könnte alleine solche Intensität verbreiten. In der Tat ist es so, dass auch das umjubelte letzte WILCO-Album, genannt "Wilco (The Album)", lange nicht die emotionale Bandbreite von "You Are Not Alone" abdecken kann, Jeff Tweedy bewegt sich hier bei "You Are Not Alone" als Produzent sehr weit entfernt von seinem sorgsam gepflegten Indie-Image. Die BEATLES hat er mit WILCO schon entdeckt, möglicherweise kommen beim nächsten Album ein paar schwarze Einflüsse hinzu.
Einstweilen gibt er dem fruchtigen Soul der Grande Dame einen herben Schuss Rock mit auf den Weg und lässt ansonsten den Herren Holmstrom (Gitarre), Turmes (Bass) und Hodges (Schlagzeug) weitgehend freie Wahl bei der Suche nach dem perfekten Groove, lässt sie nur beizeiten durch geschmackssichere Orgeltöne und wunderbare Chorgesänge noch schwung- und druckvoller klingen und greift beim von ihm geschriebenen Only The Lord Knows zur Fuzz-Gitarre. Maximaler Effekt ohne jede Effekthascherei. Überhaupt sind die eher Genre-untypischen Songs auf "You Are Not Alone" die eigentlichen Überraschungen. Zum Beispiel John Fogertys inzwischen doch recht angestaubtes Wrote A Song For Everyone aus dem Jahr 1969 (CCR, Album "Green River") bekommt durch Staples' seelenvolle Behandlung eine ganz neue Bedeutung und vor allem einen ungemein modernen - weil zeitlosen - Charakter. Ähnlich ergeht es Randy Newmans Losing You, das bei dem alten Schwerenöter und früheren Chefzyniker auf "Harps & Angels" von 2008 so unendlich traurig klang. Statt Orchestrierung gibt es jetzt eine bezaubernde Blues-Gitarre, statt Newmans brüchiger Melancholie intoniert Mavis eine kraftvolle Ballade der Hoffnung, die auch noch gleich im Anschluss vom schwungvollen Gospel I Belong To The Band mitsamt seiner herrlich scharfen Sixties-Gitarre weiter aufgewertet wird. "You Are Not Alone" macht aus Tristesse blühendes Leben.
Auch Last Train vom großen Allen Toussaint aus New Orleans erhält eine nicht zu erwartende Frischzellenkur. Wo FOGHAT neulich den "Last Train Home" wohl verpasst haben, dampft hier ein bestens geölter "Choo Choo Train" durch das Funk'n'Soul Homeland. Diese neue Version von Last Train gibt übrigens Gelegenheit, sich die alten Meisterwerke von Allen Toussaint mal wieder anzuhören. Speziell "Life, Love And Faith" von 1972 und "Southern Nights" von '75, von dem auch Last Train stammt, sind ganz wichtige Southern-R&B-Soul Perlen.
Die Traditionals und alten Nummern von Papa Pops Staples und anderen "Ehemaligen" wie Reverend Gary Davis sind allesamt frisch und mit Spaß gespielt und runden "You Are Not Alone" ab.
Also, Mavis Staples hat mit "You Are Not Alone" ein neues Album. Ein tolles Album, das ihr womöglich eine Grammy-Nominierung einbringen wird, was aber für uns Geschmacksmenschen eher unwichtig ist. Eine der großen Stimmen der schwarzen Musik ist mit Hilfe von Jeff Tweedy in der Gegenwart angekommen, was deutlich wichtiger ist. Auf Anhieb mag einem kein besseres Groove-, Blues-, Soul-, Gospel-Album mit wertigem Rock-Anteil aus den letzten Jahren einfallen. Und das ist, was "You Are Not Alone" zu einer dringenden Empfehlung für eine beachtliche Zielgruppe macht. Alter schützt vor Qualität nicht. Ein Handkuss für eine Lady, die mit 72 noch Lust auf Rock & Roll hat.
PS: Eventuelle Wortgleichheiten in dieser Besprechung mit der von "Live - Hope At The Hideout" sind nicht beabsichtigt, sie sind zwangsläufig.
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