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J.C. Cinel

Before My Eyes

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All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
Before My Eyes
Before My Eyes, Black Widow Records, 2007
J.C. Cinel Lead & Background Vocals, Acoustic & Electric Guitars, Harmonica
Davide Dabusti Electric Guitars, Rhodes Piano (Sweet Dream), Background Vocals
Marcello Minari Electric Guitars
Luca Balocco Bass
Mirco Aimi Drums
Paolo "Apollo" Negri Hammond Organ, Moog, Piano
Massimo "Dado" Daveri Congas & Bongos
Pippo Savoretti Drums (Dear Old Friend & Taking Chances)
Alberto Callegari Bass (Alone In The Dark & Voices From Nowhere), Shakes & Tambourines
Andrea Lisè Drums (Alone In The Dark)
Produziert von: Alberto Callegari & J.C. Cinel Länge: 49 Min 21 Sek Medium: CD
1. Ships In The Wind7. Brush My Cymbals
2. Feel The Moment8. Before My Eyes
3. Sweet Dream9. What I See
4. Out In The Frontline10. Voices From Nowhere
5. Dear Old Friend11. Alone In The Dark
6. Intro/Brush12. Taking Chances

Italien. Wieder. Immer wieder Italien. Es ist unzweideutig kein Zufall mehr, dieses Land enteilt dem Rest Europas, wenigstens in rockmusikalischer Hinsicht.
Immerhin, dieses Mal ist es wenigstens kein stürmisches Jungspundkollektiv, sondern ein gut abgehangener Sänger, der uns mehr als verblüfft. J.C. Cinel ist im Hauptberuf Frontmann der großartigen Retro-Rocker WICKED MINDS und legt mit "Before My Eyes" sein erstes vollständiges Solo-Album vor (vor etlichen Jahren gab es eine akustische EP). Ein schönes, aber das liegt eigentlich qua Vita auf der Hand.

Giuseppe, wie J.C. für seinen Bäcker um die Ecke heißt, macht einen beliebten Fehler bei Soloalben nicht: Er packt nicht die von seiner Stammband mangels Qualität abgelehnte Ausschussware auf seine CD, er geht einen ganz anderen Weg, nämlich westwärts an die Küste, womit natürlich nicht die ligurische Adriaküste, sondern die am Pazifik gemeint ist. Wer nun reflexartig an ein gewisses Hotel in Kalifornien und Bands wie die DOOBIE BROTHERS denkt, bitte, die Fährte ist damit aufgenommen.
"Before My Eyes" besteht aus zwei Teilen. Auf der einen Seite die wunderschönen Sunshine-Balladen mit temporären Wurzeln im Country, wie sie vor Dekaden von eben den gemeinten und längst mumifizierten EAGLES perfektioniert wurden, auf der anderen der knackige Sunshine-Rock'n'Roll, wie ihn vermeintlich auch nur Typen wie Joe Walsh und Kollegen zustande brachten. Eigentlich fehlt nur noch ein Duett mit Linda Ronstadt, You're No Good oder It's So Easy würden beispielsweise passen, und die Sonne würde gar nicht mehr aufhören zu scheinen. Frau R. würde sich aber sicher auch klaglos in den Chor für Highway-Cruiser wie What I See einreihen.
Wer sich von "Before My Eyes" nicht infizieren lassen will, sollte eine starke Sonnenbrille aufsetzen und maximalen Lichtschutzfaktor auftragen, ansonsten wird man unweigerlich mitsingen, mit den Fingern schnippen und beschwingt mit dem Kopf wackeln.

Cinel ist ein phantastischer Sänger, man darf aber auch die Band um ihn herum nicht vergessen. Allen voran die Gitarristen Davide Dabusti und Marcello Minari, die bei den feist rockenden Titeln alle Register einschlägiger Riff-Solo-Rhythm-Tradition in ein- und zweistimmiger Version ziehen und bei den ruhigeren Songs dezente bis wunderschöne Akzente setzen, was sogar die beinahe etwas arg süßlichen Nummern wie Dear Old Friend und den Titelsong über den Durchschnitt hebt. Gleich anschließend kommt die durchgehend drückende Bass-Arbeit und die hervorragende Schlagzeug- und Percussion-Untermalung. Für Hammond, Moog und Piano sorgt WICKED MINDS-Kollege "Apollo" Negri in seiner gewohnt nonchalant-souveränen Manier. Schlussendlich müssen die hervorragenden Gesangsarrangements erwähnt werden. Da wird auch mal vierstimmig jubiliert, was ganz automatisch zu Gänsehaut führt.
Alle Hände hoch und mit den Füßen gestampft zum herrlichen What I See, die Feuerzeuge und das Batik-Tanzhemdchen an zu Voices From Nowhere [hähähä, ist diese deutsche Sprache nicht wundervoll - wir zünden und ziehen Feuer und Hemd gleichzeitig an], entrücktes Lauschen zum abschließenden Taking Chances, danach neu starten und zu Feel The Moment rocken.

Toll gemacht, Signore Cinel. Und eine längst für tot erklärte Musik wieder belebt.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.07.2007


 
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