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Full Circle

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Full Circle
Full Circle, 7Jazz, 2009
Danny Seraphine Drums
Marc Bonilla Electric & Acoustic Guitars, Background Vocals
Peter Fish Keyboards, Synth Bass, Hammond B-3 Organ & Accordian
Edward Harris Roth Keyboards, Hammond B-3 Organ
Mick Mahan Bass & Background Vocals
Larry Braggs Lead & Background Vocals
Gäste:
Brandon Fields Tenor Sax
Lee Thornburg Trumpet
Nick Lane Trombone
Wesley Quave Lead Vocals
Walter Rodriguez & Alex Acuna Percussion
Jim Boggia & Danny Zelisko Background Vocals
Travis Davis Bass & Background Vocals
Marty Davich Organ
Sheila E Timbales
Keith Emerson Hammond B-3
Produziert von: Danny Seraphine Länge: 60 Min 58 Sek Medium: CD
1. Something Different8. Colour My World
2. Introduction9. Happy Cause I'm Going Home
3. South California Purples10. Mississippi Delta Blues
4. Make Me Smile11. Antonio's Love Jungle
5. Several Thousand12. I'm A Man
6. DreamsBonus Track:
7. West Virginia Fantasies13. 25 Or 6 To 4

Er ist wieder aufgetaucht - Danny Seraphine. Der Ex-Drummer der legendären Brass Rock Band CHICAGO TRANSIT AUTHORITY (CTA). Er hockt jetzt auf dem Drummer-Stool seiner Band CALIFORNIA TRANSIT AUTHORITY (auch CTA), und einige seiner alten Kumpels, allen voran James Pankow, werden nicht gerade erfreut sein, dass der Mensch, den sie 1990 offiziell wegen mangelnden Übens expediert haben, nun wieder CHICAGO-Songs spielt, aber that's life.

In meiner Rangliste der besten Dummer steht der angelische Mr. Seraphine als 'Signature Player' - also Leute, die maßgeblich den Sound und Stil der Musik ihrer Band beeinflusst haben ohne unbedingt in allen Fällen, anders als Seraphine, herausragende Techniker zu sein - mindestens in der ewigen Rockdrummer Top 5.
Zuerst herrschte große Freude ob dieser Nachricht, gefolgt von einem zweifelnden Stirnrunzeln nach einem Blick auf die Tracklist, wo zu Lesen steht, dass diese Band neben Hits von CHICAGO den Song Dreams der ALLMAN BROTHERS und einen Song von Chuck Mangione - dem Supermarkt-Jazzer aus den 70ern - covern. Neben all den "wir führen mal unser klassisches Album wieder auf"-Vorgehensweisen der letzten Zeit und hunderten von Coverbands nun also das noch.
Aber: Zum einen ist es immer eine Freude das feingeistige Spiel des Herren Seraphine zu verfolgen. Wenn Moon the Loon der "Anarchist" unter den Drummern war, Bonzo die "Dampframme", Dunbar der "Tausenfüßler" ist und Ian 'Precise' Paice das "Metronom", ist Danny der "Free Form Drummer" - vom Jazz die Freiheit des Spiels und vom Rock die Notwendigkeit, die Dinge als Motor voranzutreiben, in sein Spiel einbauend.
Zum zweiten hat er da eine Band of Brothers um sich versammelt, die jedem Erstklässler-Musikus das Wasser ob ihrer Erstklassigkeit in die Augen treibt, und auch die Studiosi werden wohl teils noch blass werden.

California Transit Authority Neben Danny, der natürlich sein Handwerk nicht verlernt hat, verdienen vor allem Bonilla an der Gitarre, Braggs an den Vocals und Mahan am Bass gesteigerte Aufmerksamkeit.
Wo CHICAGOs Terry Kath (RIP) in seinem unverkennbaren, wuchtigen und kantigen 70-er Gitarrenstil gegen die Bläser anspielte, ist Marc Bonilla der eher vom Jazz geprägte elegante Flinkfingerfrickler, allerdings ohne, dass er zu Extremen neigt. Peter Ceteras ausgezeichnetes Bassspiel wurde ja erst in den Remasters so richtig deutlich, und Mahan hält dagegen, allerdings spielt auch er einen eher funky Bass. Ganz toll ist Larry Braggs, den sie von TOWER OF POWER geholt haben. Der Mann ist ein veritabler Rhythm & Blues/Soul-Shouter, der wohl mit James Brown mithalten könnte und bei den CHICAGO-Tracks fast schon etwas unterfordert ist, da der Gesangseinsatz bei diesen Stücken zeitlich deutlich limitiert war. Trotzdem drückt er den Vocals seinen eigenen Stempel auf. Seine Performance z. B. von South California Purples ist deutlich bluesbeeinflußter als das Original und ein Gewinn für den Song.

Normalerweise folgte nun eine Track-by-track Analyse, und der Rezensent würde mit hochgezogenen Augenbrauen verfolgen, ob und wie nah am Original das alles ist und was diese Nachwuchscombo sich hier überhaupt erlaubt, das sind immerhin alles Heiligtümer, diese Songs. Sollen sie doch Neil Diamond spielen, der hat doch auch nette Liedchen gemacht.
Das bringt aber nix. Natürlich können diese Jungs das CHICAGO-Klassiktum spielen, zumeist sind sie nahe, aber nicht sklavisch am Original, und die anderen Kompositionen fügen sich nahtlos ein. Moment mal - Dreams, Southern Rock also - fügt sich nahtlos ein mit einem Mangione-Stück und I'm A Man - Brit Pop auf amerikanisch - mit Brass Rock 70er-Kanthölzern und das ganze von Jazzern gespielt und einem Rhythm & Blues-Sänger gesungen?
So ist es. Das ist Musik der 70er auf moderne Art und unglaublich hohem Niveau gespielt und dementsprechend produziert und mit einer Liebe zur Musik dargeboten, die man so kaum noch trifft und die aus jeder einzelnen Note herausströmt.
Es gibt Witziges: die West Virginia Fantasies klingen wie ein auf Funk gebürstetes YES-Stück von "Topographic Oceans", Dreams enthält kein Gitarrensolo, Happy Cause I'm Going Home hat wirklich ein Gitarrenduell über Bongos und Congas, also Latinostil-FunkJazzWishboneAshTurboduellrock.
Anrührendes: Colour My World ist PINK FLOYD, so zart und dennoch unverkennbar wie die Floyds es wohl kaum hinbekämen.
Interessantes wie I'm A Man als Latinopop, eine atemberaubend präzise Livedarbeitung von 25 Or 6 To 4, wo Bonilla unglaublich vom Leder zieht und die ganze Band sich beinahe in Rauch auflöst - alles da (und hat somit auch den Coverband-Test von mir passiert). Und dann noch dieser wirklich unglaubliche Sänger - was für ein Feeling. Ich verwette meinen Hut, dass die Jungs von CHICAGO den ihren aus lauter Neid fressen.
Aber zu keinem - K-E-I-N-E-M - Zeitpunkt ist das Musik nur für Musiker. Wer diese Art von Classic Crossover Rock mag, und Freude an handwerklicher Perfektion hat und/oder einfach eine saugute CD hören will, greift hier zu. Ich hoffe, euch ist der Mund jetzt schon wässerig. Auf der Site gibt es Soundbites.

Kritik? Ja, gibt es auch. Die Produktion hätte Danny zu seinem eigenen Besten jemand anderem überlassen sollen - seine Drums sind stellenweise verwaschen und kaum auszumachen. Das ist zuviel des Understatements. Und: Wieso zum Teufel ist das kein Doppel- oder Triplealbum?

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 17.04.2009

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