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| Christmas In The Heart, Sony Music, 2009 |
| Bob Dylan |
Vocals, Guitar, Electric Piano, Harmonica |
| Tony Garnier |
Bass |
| Donnie Herron |
Steel Guitar, Mandoline, Violin, Trumpet |
| David Hidalgo |
Guitar, Accoustic Guitar, Mandoline, Violin |
| George Receli |
Drums, Percussion |
| Phil Upchurch |
Guitar |
| Patrick Warren |
Piano, Organ, Celeste |
| Amanda Barrett, Bill Cantos, Randy Crenshaw, Abby DeWald, Nicole Eva Emery, Walt Harrah, Robert Joyce |
Mixed Voice Singers |
| Produziert von: Jack Frost aka Bob Dylan |
Länge: 42 Min 20 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Here Comes Santa Claus | 9. Have Yourself A Merry Little Christmas |
| 2. Do You Hear What I Hear? | 10. Must Be Santa |
| 3. Winter Wonderland | 11. Silver Bells |
| 4. Hark The Herald Angels Sing | 12. The First Noel |
| 5. I'll Be Home For Christmas | 13. Christmas Island |
| 6. Little Drummer Boy | 14. The Christmas Song |
| 7. The Christmas Blues | 15. O' Little Town Of Bethlehem |
| 8. O' Come All Ye Faithful (Adeste Fideles) | |
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"Jetzt ist alles zu spät!", denke ich, als ich Ende August die Vorankündigung eines Dylan-Weihnachts-Albums lese. Anfang Oktober schließlich landet der Silberling im Briefkasten - und um wenigstens ein bisschen in Weihnachtsstimmung zu geraten, kaufe ich bei Aldi ein paar Lebkuchen und harre der Dinge, die mich im CD-Player erwarten...
Eigentlich kann es mir ja auch egal sein, was senile Superstars jenseits der 60 noch an Absonderungen von sich geben - denn die sind eh über jeden Zweifel erhaben. Und ob sie nun wirklich "Weihnachten in ihrem Herzen" haben oder nur ein Loch im Geldbeutel, wen juckt's? Doch Mr. Zimmerman scheint - wie so oft - wieder a bisserl anders gestrickt zu sein. Alle Künstler-Einnahmen der CD gehen nämlich an einen guten Zweck - in den USA an das Hilfswerk "Feeding America" und international an weitere Hilfswerke, die dafür sorgen, dass Bedürftige jeden Tag eine warme Mahlzeit bekommen.
"Ich hoffe, dass unsere Bemühungen den Hungrigen etwas Sicherheit während der Feiertage geben können", sagt Bob Dylan zur Intention der Benefiz-Aktion. "Es ist eine Tragödie, dass mehr als 35 Millionen Menschen allein in den USA - davon 12 Millionen Kinder - oft hungrig zu Bett gehen müssen."
Soviel zur Vorgeschichte. Die CD selbst ist alles andere als eine Tragödie. Selbstironisch bringt uns schon das Artwork des Booklets in Wechselbäder zwischen Kotzen und Lachen: Vorne eine "Sleigh-Ride"-Miniatur wie auf Oma Helenes Wandporzellanteller, hinten die 3 Könige aus der Clip-Art-Sammlung, beim Öffnen der CD-Hülle grinst einen eine Pin-Up-Weihnachtsfrau mit roten Strapsen an und im Booklet hocken vier musizierende Teilzeit-Rauschebärte gelangweilt vor einem weihnachtlichen Schaufenster - als wollten sie einen alten Dylan-Song zitieren: "The angels play on their horns all day" - oder wie es Wolfgang Niedecken so passend übersetzte: "Die Engel trompeten die ganze Nacht durch..." Tja, schade eigentlich, dieser Song fehlt z.B. auf dem neuen Weihnachtsalbum Dylans.
Dafür müssen wir uns beim Hören an die Tatsache gewöhnen, dass Bob Dylan nicht nur ein begnadeter Musiker, Songschreiber und Interpret ist, sondern zudem auch noch seit geraumer Zeit den Musikstil seiner Kindheit und Jugend hochhält. Und so erwartet den Hörer viel Weihnachtliches im puren Sound der 40er und 50er Jahre! Er scheut sich nicht vor Backing-Chören, die Bing Crosby mehr als das Wasser reichen könnten, und alles was das Arrangement noch rettet, ist die knärzende Stimme von Dylan himself - denn die hat inzwischen eine solche eigene Reife erlangt, dass man ihm sogar Weihnachtshymnen wie Hark, The Heralds Angels Sing oder Adeste Fideles abnimmt, ohne den Glauben an die Ikone des Rock zu verlieren. Leider macht er bei der Musikauswahl aber auch vor keinem der abgenudelten Klassiker halt. Ob Winter Wonderland, Little Drummer Boy, I'll Be Home For Christmas oder O' Little Town Of Bethlehem, allesamt könnten auch aus dem Video "Die Muppets feiern Weihnachten" stammen. Produzent Jack Frost aka Bob Dylan hat kräftig in der Mottenkiste gewühlt und schmeisst uns gnadenlos auf eine Zeitreise straight into die pre-digitale-Schellack-Ära.
Schön, es gibt auch Ausnahmen: Der Christmas Blues ist eine straighte Blues-Nummer, die aber ebenso schon in den 60ern entstanden sein könnte, und Must Be Santa oder Here Comes Santa Claus lebt von der Spielfreude seiner Never-ending-Tour-Band, mit der er sich ja regelmässig im Studio einschliesst.
Trotz alledem und alledem, trotz Altersstarsinn und Weihnachtskuschelzwang - die CD bleibt etwas besonderes und ist mir 1000 mal lieber als alle Weihnachtsalben von Popsternchen, DSDS-Absolventen, Weichspülklassikern, Möchtegern-Christmas-Rockern oder Hip-Hoppern. Denn hier pieselt nicht leise das Reh oder schlurft Maria durch einen Dornwald, nein, hier nimmt einer seine Klampfe in die Hand, spuckt noch mal kräftig in die Hände und serviert uns seine Version der Lieder - die wir durch die Bank alle schon genug gehört haben - so überzeugend, dass wir ihm einfach glauben müssen. Okay, ich gebe mich geschlagen: Merry Christmas, Mr. Dylan!
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