|
|
| Supernatural Delight, Grooveyard Records, 2008 |
| Toshihiro Sumitomo |
Guitar |
| Yoshihiro Ogasahara |
Bass & Synthesizer |
| Taizo Takafuji |
Drums |
| Taro Takagi |
Percussion & Trumpet |
| Produziert von: Bluestone Company |
Länge: 59 Min 12 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. S.S.S. | 6. Colonel Panic |
| 2. Got Your Spell On Me | 7. Stomp |
| 3. Electric Rainbow | 8. Rubber Necking |
| 4. Real Gate | 9. Cissy Strut |
| 5. Song Of Yesterday | 10. Desert Blues |
 |
Teil 1 der Hoffnungen ist in Erfüllung gegangen, diesmal ist Chris Duarte nicht im Spiel. Aus dem anderen Wunsch wird wohl nichts mehr, THE SAVOY TRUFFLE mit Sänger Monji Kadowaki sind offenbar endgültig Historie. Also bleibt den Großmeistern aus Osaka nichts anderes übrig, als ein Instrumentalalbum einzuspielen. Bei dieser Vorstellung bleibt sicher dem ein oder anderen Fan vergangener Tage das Sushi quer im Hals stecken, aber auf "Supernatural Delight" fehlt nichts weniger als: eben der Gesang. Wer die Stunde Musik der CD ohne Herzprobleme übersteht, wird wissen warum.
Man kann "Supernatural Delight" analytisch angehen und Takte und Breaks zählen, oder man stellt Vergleiche an, die letztendlich dazu führen, dass der Name jedes großen Musikers der letzten 40 Jahre irgendwann fällt (möglicherweise geziemt sich das bei Jam-Freunden sogar), oder man wirft sich einfach kopfüber in den Rausch einer CD, die ungeübte Hörer mit den vier Instrumenten Gitarre, Bass, Schlagzeug und Percussion durchaus auch erschlagen könnte. Was ist an dem Teil gefährlich?
In erster Linie die unglaubliche Bassfrequenz - und dies in doppelter Hinsicht, denn sowohl Klangdruck als auch Spielgeschwindigkeit sind atemberaubend. Yoshihiro Ogasahara war schon auf den früheren CDs eine Waffe, diesmal erinnert kaum mehr etwas in seinem Spiel an einen gewöhnlichen Rock-Bassisten. Stanley Clarke (ohne Slapping) oder Jaco Pastorius fallen einem immer wieder angesichts dieses manischen Donnerwetters ein. Selbst ein "banaler" Blues wie Real Gate gerät bei Yoshi zum Monster, wie es womöglich nur Allen Woody so hätte spielen können. Dann beeindrucken die beiden Schlagwerker Taizo Takafuji und Taro Takagi so nachdrücklich, dass man ständig einen ausgeflippten achtarmigen Kraken vor Augen hat. Als Solisten sind beide grandios, miteinander seit den größten Zeiten von Butch Trucks und Jaimoe das spektakulärste Percussion-Duo in der Rockszene und auf "Supernatural Delight" weit mehr als die Rhythmusmaschine. Taros Langstreckenläufe über die Congas und Bongos sind zusammen mit Taizos filigranem Powerdrumming das eigentliche Gerüst für des Bassisten Unglaublichkeiten und natürlich für Herrn Sumitomos Wahnsinn. Toshi Sumitomo ist bekanntlich Gitarrist ohne Ausschaltknopf - und darf nun endgültig in einem Zug mit den ganz großen Gitarrengiganten und Gefühlszupfern genannt werden. Wer es unbedingt namentlich braucht: Jimi Hendrix, Warren Haynes, Steve Morse, Dickey Betts.
Nun haben wir die Aufzählung der individuellen Fähigkeiten, aber das reicht natürlich nicht für eine vernünftige CD, es fehlen die Songs, und für manchen sicher immer noch der Gesang.
Kurzes Intro und dann ab die Post. Got Your Spell On Me jagt mit etwa 180 bbpm (bass beats per minute) durch eine Sumitomo-Gitarren-Endlosschleife mit einigen halsbrecherischen Intermezzi, für die jeder normale Gitarrist 12 Minuten bräuchte. Hier dauert das Spektakel nur fünf und man schnappt danach nach Frischluft. Nichts anderes bei Electric Rainbow, obwohl die Gitarre neben dem Bass-Sperrfeuer kurzzeitig ein wenig nach Uli Jon Roth klingt, gleich im Anschluss aber dem alten Santana die Grenzen aufzeigt (der sprach auch mal von "Supernatural", war aber alles andere). Wer SAVOY TRUFFLE live gesehen hat, ein paar Glückselige gibt es, weiß, dass diese Band solche Explosionen am Stück produziert. Trotzdem ist man fassungslos ob solcher Intensität, Power und Virtuosität.
"Supernatural Delight" klingt "vintage", allerdings bedeutend besser als das Debut aus dem letzten Jahr. Der Wegfall des Duarte-Sounds lässt deutlich mehr Platz für Toshihiros Gitarre, den er auch ausgiebig nutzt, und beweist, dass man auch 2008 noch klingen kann wie vor Urzeiten, ohne jedoch ein Plagiat zu sein. Zugegeben, man muss Gitarrenfreak sein, um die Tonnen von Noten zu goutieren. Was beispielsweise im bereits erwähnten Blues Real Gate alles passiert, mag zwar reif für den Zirkus sein, aber mehr Feeling liefert in der zeitgenössischen Rockmusik kein Saitenhexer. Schon gar nicht innerhalb eines funktionierenden Bandgefüges, dem sich der Solist beizeiten auch unterordnet. BLUESTONE COMPANY ist eine Band, kein Egotrip.
Nach dem Overkill der ersten Nummern freut man sich beinahe über die jazzig ruhigen Töne in Song Of Yesterday, jedoch hält der Frieden nicht besonders lange vor. Angetrieben von Taro Takagis Percussion und einem bohrenden Bass steigert sich das Ding einmal mehr in ekstatische Windungen und könnte Schwindelanfälle auslösen. Spätestens jetzt gibt es keinen Zweifel mehr, GOV'T MULE haben mehr als nur Konkurrenz.
Ein leichtgängiger Jam wird in Form von Stomp präsentiert. Verblüffend, dass die Altvorderen seit Jahren keine solchen luftigen Höhenflüge mehr hervorbringen. Wenn man sich die zurückgenommene Gitarre in den 40 Sekunden zwischen Minute 3:20 und 4:00 plus das darauf folgende Solo anhört, sollte aller Jubel über die kürzlichen Konzerte des Dickey Betts verstummen. Der alte Mann kann das so nicht mehr. Und wem Rubber Necking mit seinem tricky Bass, den irren Percussioneffekten und der zappaesken Trompete nicht gefällt, dem ist nicht mehr zu helfen.
Wenn die BLUESTONE COMPANY Songs covert, handelt es sich nicht um Massenware à la Born To Be Wild, es wird tief eingedrungen in die große Kunst der Rockmusik. Hier heißt das erste Vorbild JING CHI, das ein Projekt der Supermusiker Robben Ford, Jimmy Haslip und Vinnie Colaiuta aus dem Jahr 2004 war. Colonel Panic stampft fast wie die berühmte Kapelle aus Texas mit den zwei Bartträgern, natürlich wesentlich komplexer und komplizierter, allerdings auch ohne Gesang, der bei diesem Song tatsächlich vermisst wird.
Das zweite Cover stammt aus dem Jahr 1969 und von der legendären Funk Band THE METERS aus New Orleans. Es ist keine Frage, dass die hier vorliegende Version von Cissy Strut mit der Funkyness des Originals nicht mithalten kann, aber das ist auch nicht der Anspruch der COMPANY, denn Art Neville, Zigaboo Modeliste, George Porter Jr. und Leo Nocentelli waren vor über 40 Jahren immerhin die Wegbereiter des Funk, folgerichtig machen unsere Männer einen dramatischen Jam aus der Vorlage, dem es am Ende weder an Groove noch an Rock fehlt.
Es ist eine Stunde anspruchsvoller und grandioser Musik, die BLUESTONE COMPANY anbietet. Für Kenner der im Kontext genannten Bands ist "Supernatural Delight" ohnehin ein Muss, der dem dumpfen Mainstream abgeneigte Rest kann dazulernen - und bekennende 4/4-Rock'n'Roller dürfen ob so viel Können staunen.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|