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| What Doesn't Kill You..., Evangeline Records, 2007 |
| Dickie Peterson |
Bass, Vocals |
| Andrew "Duck" MacDonald |
Guitar, Vocals |
| Paul Whaley |
Drums |
| Gäste: |
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| Joe Hasselvander |
Drums (Rollin' Dem Bones, Piece O'The Pie, Gypsy Rider, Young Lions In Paradise & No Relief) |
| Maria Merriman & Michelle Metz |
Background Vocals (Young Lions In Paradise) |
| Produziert von: Andrew "Duck" MacDonald |
Länge: 55 Min 34 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Rollin' Dem Bones | 6. I Don't Know About You |
| 2. Piece O'The Pie | 7. I'm Gonna Get To You |
| 3. Born Under A Bad Sign | 8. Malajusted Child |
| 4. Gypsy Rider | 9. Just A Little Bit (Redux) |
| 5. Young Lions In Paradise | 10. No Relief |
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40 Jahre ohne sonderlich auffällige Weiterentwicklung ist eine Leistung, die man gemeinhin nur den STONES oder STATUS QUO anerkennt. Doch hier kommt nun einer zum x-ten Mal zurück, der dieses Kunststück auch irgendwie geschafft hat. Und dazu noch das Kunststück, überlebt zu haben. Dickie Peterson treibt sein altes Ross BLUE CHEER noch einmal in die Schlacht.
Zur Erinnerung: BLUE CHEER hatten 1968 mit ihrer ersten LP "Vincebus Eruptum" und vor allem mit der darauf enthaltenen Version des Summertime Blues von Eddie Cochran richtig Erfolg. Platz 14 für die Single in den U.S.A., Platz 11 für die LP, große Konzerte und mutmaßlich einen Haufen Geld. Und eine fatale Nähe zu den Hells Angels, die spätestens ab Altamont (1969) keiner Band mehr gut tat.
BLUE CHEER wurden und werden bis heute als "Erfinder des Heavy Metal" tituliert, was vermutlich sogar richtig ist, denn "Vincebus Eruptum" war ein ganz besonderer Hassbrocken, für den es davor wohl keinen Vergleich gibt. Doch nach dem verblüffenden Debut kam für das Trio eine Phase mit immer schwächer werdenden Platten und unendlichen Besetzungswechseln. Peterson löste die Band ungefähr 1971 nach sechs Platten auf, kam Ende der Siebziger (erstmals mit einer deutlichen Neigung zu Deutschland) zurück, floppte, schloss sich 1984 der da schon wieder abgeebbten Metal-Welle an, floppte, kam 1988 wieder, erschreckte die Menschheit mit den Alben "Highlights And Lowlives" und "Dining With The Sharks", bekam wiederum nur Aufmerksamkeit in Europa und tourte forthin für etliche Jahre mit vorwiegend deutschen Musikern bei uns. Um es direkt zu sagen: Da war von Lebensfreude nicht viel zu sehen, man hatte eher den Eindruck einer von der Zeit liegen gelassenen Band-Hülle. Viel Lärm, mit leider wenig drumherum. Aus dieser Zeit stammt auch das Vorurteil (?), dass BLUE CHEER Jenseitige und lebende Tote sind.
Es gab noch ein paar Compilations und Live-Alben ("Hello Tokyo Bye Bye Osaka", auch bekannt als "Live In Japan", aus einer erneuten Reunion 1999, war dabei eine besonders fragwürdige Angelegenheit), ab und an weitere halbherzige Wiedervereinigungen und vielen ratlose Zusehern. Das Thema BLUE CHEER schien endgültig durch.
Die neue CD heißt "What Doesn't Kill You.", was im Titel und via Coverbild ungeahnten Humor beweist. Jüngere Menschen brauchen diesen Humor ebenfalls, denn BLUE CHEER sind natürlich nicht zur Spaß-Kapelle mutiert und tönen auch heute noch wie einst im von Peterson verhackstückten Summer of Love. Als Heavy Metal kann man das 2007 selbstverständlich nicht mehr bezeichnen, aber als archetypischen Heavy-Blues mit den erwarteten Abstechern in Doom- und Stoner-Gedröhne allemal. Die dieser Tage hier veröffentlichte Eloge an die großen TROUBLE passt in diesem Zusammenhang ganz gut, denn so wahnsinnig weit sind die Männer um Eric Wagner von Peterson nicht entfernt.
Zu erwähnen ist die diesjährige Besetzung. Ur-Drummer Paul Whaley ist einmal mehr dabei, wird aber bei fünf Tracks von Joe Hasselvander (PENTAGRAM, RAVEN, CATHEDRAL) gedoubelt. Die Gitarre bedient Andrew "Duck" MacDonald, der seit 1988 in der Band ist und schon im Umfeld von Bands wie MANOWAR, ELF oder SAVOY BROWN auffällig wurde.
Genug Theorie, CD rein und Erdrutsch ausgelöst. "What Doesn't Kill You." bricht über einen herein wie eine große Gerölllawine und klingt dabei auch noch bemerkenswert agil. Möglicherweise ist es die bisher am besten produzierte CD dieser Band - den Opener Rollin' Dem Bones darf man wörtlich nehmen. Auch das lavaesk daherkriechende Piece O'The Pie überzeugt mit überwältigender Power und Hochdruck.
Vor einem weiteren Cover von Albert Kings Born Under A Bad Sign darf man im Jahr 2007 berechtigt Angst haben, viel zu oft wurde uns der alte Schinken schon aufgetischt. Doch, man staune, BLUE CHEER haben eine wild stampfende und überaus respektvolle Neubearbeitung am Start. Peterson und MacDonalds teilen sich die Vocals, die Gitarre startet für Peterson ganz ungewohnte Höhenflüge und der Background bebt in typischer Manier. Gäbe es mehr solche Coverversionen, dem Blues ginge es besser.
Immer wieder im Verlauf der CD kommt einem Michael Katon in den Sinn. Wo der aber in den letzten Jahren leider immer mehr in Richtung Presslufthammersound der früheren BLUE CHEER changierte, ging Dickie Peterson genau den umgekehrten Weg. Differenzierte und differenzierbare Klänge, brachiale Härte ohne hysterische Anfälle, bei der Ballade Young Lions In Paradise purer Wohlklang, bei Just A Little Bit (Redux) gar eine quicklebendige Tempoverschärfung.
Unwillkürlich sieht man immer mal wieder aufs Cover, fast glaubt man nicht, dass es sich tatsächlich um das alte Krachmonster B.C. handelt - wäre da nicht der unverwechselbare "Gesang" Petersons bzw. MacDonalds. Aus den beiden wird in diesem Leben kein Freddie Mercury mehr, aber das muss auch nicht sein.
Fraglos besteht dieses Album nicht nur aus Stoner-Highlights, ein, zwei eher belanglose Songs haben sich schon eingeschlichen, aber das Faktum, dass BLUE CHEER nach all den Jahren immer noch bzw. wieder zu einem so starken Hard Rock Album in der Lage sind, entschädigt für alle bisherigen Fragezeichen in der Bandgeschichte.
"Call me a doctor, call me a priest", heißt es im abschließenden Neuneinhalbminüter No Relief. Wenn BLUE CHEER die Kraft dieses Albums auch noch auf die Bühne transportieren können, werden Doktor und Pfaffe eher fürs Publikum nötig werden.
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