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Cheat The Gallows

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Cheat The Gallows
Cheat The Gallows, Powerage Records, 2009
Damon Fox Vocals
Ace Mark Guitar
Duffy Snowhill Bass
Froth Drums
Damon Fox Keyboards
Gäste:
Linda Perry Backing Vocals
The Gallows Orchestra
The Kung Pao Horns
The Section Quartett
Länge: 56 Min 48 Sek Medium: CD
1. Gravest Show On Earth6. The Game
2. Blackball7. Superstar
3. Money, It's Pure Evil8. Race With Time
4. The Evils Of Rock & Roll9. Hydra
5. No Parachute10. Counting Sheep

Let It Bleed der ROLLING STONES - man erinnert sich an das Cover, dieses vielschichtige, in seiner ganzen Zuckerigkeit schon damals an Übergewicht gemahnende Monster einer Torte. Man wollte das nicht essen, und auf der Rückseite war nicht nur die Platte unter dem Gewicht zerbrochen, sondern die Band lag auch am Boden.
Zwar hat die BIGELF CD so gar nichts von der STONES-Musik, aber jede Menge von diesem Kuchen. Schicht für Schicht trägt der große Elf die liebgewonnen Riffs, Breaks und Hooks aus der Vergangenheit auf, und man freut sich schneekönigmäßig, wenn man wieder eins identifiziert hat. Und man fräßt sich durch diese Schichten, und merkt, wie man Zug um Zug auf der Stirne nass und um die Nase blass wird, weil man soviel Kuchen gar nicht verträgt. Denn hinzu kommt: ein Stückchen Zucker hier, eine Erdbeere da, ein Sahneklecks dort - das ginge; alles auf einmal, alles mit schwerem Fett und Schmalz und Eiern und Mehl und Mandeln... arrg... würg.

Retro-Bands mit Retro-Sound und -Aussehen gibt es wie Bücher von damals jede Menge. Das ist auch ok, denn man freut sich ja doch, wenn man etwas hört, das, sagen wir mal, wie HEEP oder wie FLOYD oder wie die BEATLES klingt, und wenn dazu noch ein bisschen was Eigenes kommt - wunderbar.
Wenn das aber - und so ist das aus meiner Sicht hier - alles zusammengerührt und noch und noch eine Schicht in der Art und Weise von Klassenprimus Undasnoch Oberpomp draufgelegt wird, dann, tja, dann wirst du dessen ganz schnell überdrüssig, den bei genauerem Hinsehen zerfließt der Kuchen zu einem unidentifizierbaren Matsch.
Damit nicht genug. Die eigenen Songs halten mit den Vorbildern einfach nicht mit. Jede Menge Pomp und Circumstances ohne Gehalt. Hohl, leer, und auf Image getrimmt. Und völlig humorlos - wenn man sowas macht, dann am besten so wie COOPER auf "Magic Rocks".

Eigentlich ist das genug, aber um einige Songs heraus zu heben:
Die Gravest Show On Earth (ja, zitiert überflüssigerweise den Namen der Band GREATEST SHOW ON EARTH) basiert auf einem HEEP Intro (Bird Of Prey), fällt dann in einen Marschrhythmus, und im weiteren schaukelt der Song durch die Harmonien wie ein Schiff in schwerem Wasser auf dem Weg nach Sgt. Pepper Land, um zwischendrin an den David-Bowie-Inseln neue Ideen aufzunehmen - man hört den Funker mit dem Heimathafen kommunizieren. Ach, schau mal, jetzt tritt Marc Bolan als erster Offizier auf die Brücke, unser Schiffchen macht schaukel-schaukel, die Musik macht dräun-dräun und am Ende ist der nahtlos in Blackball übergehenden Song unter der Last des 'Das auch noch' zerquetscht. Flach. Platt wie die… ach, noch mehr, wie Flndr.
Money, It's Pure Evil bietet BEATLES-Harmonien, die das Ohr erfreuen; kunstvollst arrangiert, und die Drums machen dazu boller-boller, das Mellotron geigt.
No Parachute: David Bowie tobt seine Vorliebe fur Wagnerisches Wahnsinnswalhalla aus, bedeutungsschwanger, wichtig, wuchtig - ok, dann mal hoch mit dem Tempo, in die HEEP-Straße einbiegen, Mick Box schrubbt die Riffs und Hensley orgelt, und da haben wir doch wieder unglaublich toll was zusammen gepackt was aber auch sowas von zusammen gehört.
The Game und Superstar motten hoopelig durchs Gestrüpp des Songs; Race With Time ist wieder T. REX, Hydra ist PINK FLOYD und jetzt habe ich meine Zeit genug verschwendet.

Natürlich kann das kein Flop sein, dazu haben die Jungs viel zu viel Arbeit reingesteckt; das muss honoriert werden. Aber kaufen muss man das nicht; zumindest nicht, wenn man mit den Originalen groß geworden ist und außerdem aus dem Staunen ("Möönsch, guck mal was die alles zusammen bauen können; sind die klasse!") ob dieser Protzerei raus ist.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 21.10.2009

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