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Dark Deceiver
Dark Deceiver, Sensory Records/The Laser's Edge, 2008
Chris Salinas Vocals
Jasun Tipton Guitars
Troy Tipton Bass
Mike Guy Drums
Länge: 44 Min 43 Sek Medium: CD
1. Power To Believe7. The Temple Within
2. Dark Deceiver8. Lies
3. Inner Spirit9. The Passion Of Words
4. Resurrection10. Severed Angel
5. Tendonitis

"Dark Deceiver" ist der Nachfolger von "Specs Of Pictures Burnt Beyond" aus dem Jahr 2006, auf dem ZERO HOUR nicht nur nicht ihre Herkunft Bay Area verleugnen konnten, sondern uns auch unmissverständlich klar machten, dass sie hart, thrashig und doch progressiv zu Werke gehen. Wie schön ist es, wenn man im Bereich des Prog-Metal nicht von einem DREAM THEATER-Klon sprechen muss.
Die Twins Troy und Jasun Tipton spielen sich auf "Dark Deceiver" die Finger wund. Dabei bekommen sie Unterstützung von Mike Guy am Drum-Set und Chris Salinas (Ex-POWER OF OMENS) am Mikrophon, der seit der letzten Veröffentlichung mit dabei ist.
Nun, dem Sänger hatte ich auf "Specs Of Pictures Burnt Beyond" noch ein paar Schwächen attestiert. Der Junge hat sich gemausert, und auch aufnahmetechnisch wurden die Stimmregler dieses Mal sorgfältiger und ausgewogener betätigt, was der Vokal-Akrobatik sehr zugute kommt. Chris Salinas ist nicht mehr nur einfach ein Beiwerk, sondern er vermittelt den Eindruck eines echten Front-Shouters.

Seit 1993 versucht man sich an diesem Projekt, die notwendige Anerkennung dürfte inzwischen in der Szene vorhanden sein. Dieses fünfte Album wird den Stellenwert von ZERO HOUR noch weiter erhöhen, denn mit ihren neuen und komplexen Kompositionen wissen sie fast durchgehend zu überzeugen. Die Band spielt schnell und rasant. Zwischendrin gönnen uns ZERO HOUR kurze, aber intensive Verschnaufpausen, aber nur, um uns im nächsten Moment wieder deftige Kost um die Ohren zu hauen.
Man spürt schon zu Beginn von Power To Believe, mit welcher Wucht die Formation aus den Boxen kommt. Gnadenlose Riffs, pulsierende Bässe und knallende Double Basses. Die Stücke schlängeln sich um einige Ecken und Kanten. Sonst könnte man uns auch nicht eine 12-Minuten-Nummer wie Inner Spirit verabreichen. Es wird immer klarer, dass es keinerlei Gegrunze bedarf, um wirklich heavy zu sein. Dazu gesellen sich die Tempiwechsel, die den aufmerksamen Hörer vereinnahmen. Aufmerksamkeit ist da genau das richtige Wort. Wer die Scheibe im Hintergrund und ganz nebenbei laufen lässt, setzt sich in solchen Fällen ungeahnten Aggressionen aus und muss aufpassen, dass der Abend nicht in der nächstgelegenen Nervenheilanstalt endet.
Hervorzuheben ist auch das Bassspiel von Troy Tipton. Der versucht sich nicht nur an üblichen und powervollen Läufen, sondern entlockt seinem dicksaitigen Gefährten zahlreiche Akkorde. Dadurch knurrt er nicht nur vor sich hin, sondern verdichtet den Sound, verstärkt die Intensität und legt so zusammen mit Drummer Mick Guy ein sicheres und festes Fundament, auf dem sich die Gitarren wunderbar austoben können.

Songschreiberisch sind ZERO HOUR sicherlich stärker geworden. Offenbar ist man sich vollkommen darüber einig, in welche Richtung es gehen soll. Hier werden eigentlich keine Gefangenen gemacht, die Band spielt sich bei Resurrection in schwindelnde Höhen und pflegt gefällige Instrumentals wie Severed Angel, nach dem sich soundtechnisch und akzentuiert so einiges zusammengebraut hat. Die Amerikaner verkörpern technische Brillanz, kommen wie ein Gewitter daher, verlassen den eingeschlagenen Weg nie und dürften somit in diesem Genre eine echte Größe sein. Sie passen zu CANVAS SOLARIS, haben aber einen guten Sänger in der Hinterhand, sie sind verspielter und vertrackter als PROTOTYPE, und sie sind vor allen Dingen härter als SCARIOT. Über das Können an den Instrumenten muss man keine weiteren Worte verlieren!

Ralf 'Jogi' Ruhenstroth, (Impressum, Artikelliste), 24.05.2008

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