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LP-Review:
Walter RossiWalter Rossi |
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Walter Rossi war für mich der erste kanadische Gitarrist. Wie es in Endsiebzigern so üblich war, kosteten
die Importe nach wie vor 22 Mark, während viele LPs im deutschen Programm mit 19.95, 17.95 und billiger
angeboten wurden. Da überlegten sich schon viele, ob sie diese Importe haben mussten.
Entsprechend gering waren daher auch die Stückzahlen, die verkauft wurden. Und damit konnte der
Bekanntheitsgrad auch nicht wachsen. Dieses erste Soloalbum ist ein Gitarrenalbum. Kein extravaganter Solotrip eines sich überschätzenden
»Künstlers«, sondern ein exzellentes Rockalbum mit sehr guten Kompositionen und nur wenigen
übertriebenen Solo-Demonstrationen. Goin' Down als erstes Lied, ist ein typischer Opener, rockt stark. Was es abhebt, ist ein superbes Gitarren-Intro, das man nicht besser machen kann. Und es ist nicht die Art wie, sondern das, was Walter Rossi spielt. Er singt rauh, wie es sich für diese Art Song gehört, und die Gitarren krachen, In Harmonie mit den Drums. Der Boogie "Little Miss Evil" wird von Akustikgitarre, Piano und Mundharmonika getrieben. Gitarrensolo Fehlanzeige. "Chasing Rainbows" ist die erste langsamere Nummer. Aber beileibe nicht langweilig. Die Gitarre begleitet melodisch, erst im Refrain wird sie lauter. Die Begleit-Soli sind gut gesetzt. Im kurzen Hauptsolo, das den Song beendet, kommt plötzlich eine Akustik dazu. Schön. Die vierte Nummer "Get goin' fast" ist ein Fetzer, wie ich sie gerne höre. So schnell, wenn die Post wäre. Die Riffs sind zwar nicht alle neu, aber gut variiert. "Ripdad", die einzige Instrumentalnummer, ist die schwächste des Albums. Mehrstimmige Gitarren eröffnen und dann gleitet der Song ins Banale ab. Finde ich. Fading und andere Effekte (Boston läßt grüßen) kommen hinzu - Geschmacksache. Aber, teilweise wiederum fast genial. Der Titel des Lieds "Woman, sweet Woman" sagt schon klar, dass dies kein Boogie sein kann. (Da kommt Widerspruch - versteh ich.) Sorry, in der Rockmusik kann dies fast nur ein Blues sein. Leider ein bisschen "schuhbiduh". Wären da nicht die Gitarren, mit Breaks und einem angedeuteten Wechsel zum schnellen Rhythmus. Die Steigerung zum Ende hin, entschädigt für die Banalitäten zuvor. Mit "Rock me, Baby" kommen wir zurück in die schnelle Abteilung. Eine Gitarre schrubbt die Septen, mindestens zwei weitere schießen die Soli. Und das Schlagzeug hät die Massierung der Synkopen locker mit. Und wenn der Song zu Ende scheint, kommt wieder diese schräge Rhythmusgitare und die Soli darüber. Super. Let's Boogie mit "Dance with me". Der Titel ist Programm. Zum Schunkeln und Mitsingen mit der "Talking Guitar" (und warum auch nicht, tanzen). Das Hauptsolo wird wohl kaum eine Saite voll funktionsfähig überstanden haben. "Hey Serena" beschließt das Album. Als letzten erwarten wir oft ein ruhigeren Song. Nicht so hier. Walter Rossi läßt die Breaks in schneller Abwechlsung tanzen und zerfetzt die letzen Saiten. Da freue ich mich auf den Refrain, an dem ich mich festhalten kann. Fazit: Abgesehen vom Zeitgeist, den die Produktion atmet, ist dies ein Album für Gitarristen und alle, die fetzige Gitarren mögen.
Werner Saumweber , (Impressum, Artikelliste), 11.02.2001
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