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Verspielte Zeit

Es ist was es ist

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Es ist was es ist
Es ist was es ist, Proud Music, 2003
Roland Reimann Gesang, Gitarre
Frank Diedrich Bass
Detlef Ramb Schlagzeug
Produziert von: Axel Malton Länge: 47 Min 38 Sek Medium: CD
1. Zwischenlandung (4:51)6. Geht schon (5:31)
2. Bleib hier (5:13)7. Zwischen den Zeilen (6:07)
3. He Ho He (5:35)8. Ohne D. (4:46)
4. Nordwind (5:31)9. He Ho He (Radio Edit) (3:47)
5. Unterwegs (6:07)

Ältere Semester können sich sicher noch an das Cover von "Atom Heart Mother" erinnern. Das mit der Kuh, die recht blöd guckt. 33 Jahre später hat die alte Kuh Nachwuchs bekommen und der saugt ihr recht heftig am Euter.

33 Jahre sind nun doch ein lange Zeit und viel ist passiert seitdem. Auch in Deutschland haben sich berüchtigte Psychedeliker seit den Siebzigern verlustiert und ihre Klangspuren hinterlassen. Kraftwerk, Can, Neu und wie sie alle hießen. Deren Output war immer zwischen genial minimalistisch und desaströs opulent. Und jetzt kommt ein Trio älterer Herren über 40 und mischt die Musik der Pioniere mit dem Sound von Rio Reiser, Spliff (bzw. verschiedenen seriösen NDW Musikern), U2 und vielleicht sogar Nirvana.

Ich weiß es nicht, vielleicht ist es die Gelassenheit des Alters, aber was VERSPIELTE ZEIT eine Schulstunde lang treiben, ist zum größten Teil faszinierend und teilweise richtiggehend grandios.
Psychedelic-Doom nenne ich es einfach mal. Langsam und bedächtig gesetzte Gitarrenlicks, manisch groovende Bassparts, akzentuiert und fließend rollende Percussion. Das bringt den Hörer zwangsweise auf einen Trip, der in tiefer Abscheu oder in höchster Anerkennung endet.

Dazu gibt es natürlich Texte. Wie soll ich sagen? Im Grunde ist es vertonte Lyrik. Um offen zu sein, so was ist nicht wirklich mein Ding, aber die Frankfurter machen es ohne den gefürchteten Zeigefinger und vor allem intelligent. Man hört zu und muss sich nicht schütteln ob irgendwelcher erzwungener Reime. Die Düster-Nachdenk-Fraktion sollte daran höchsten Genuss haben. Mir persönlich sind natürlich Lyrics a la Kicked In The Teeth lieber.

Und dann gibt es auf "Es ist was es ist" natürlich noch ein Songmonster. He Ho He heißt es und besteht textlich aus diesen drei "Wörtern". Und es groovt und groovt und groovt ohne Ende. Beängstigend abgrundtiefe Basstöne nehmen mich dabei gefangen wie selten eine Musik außerhalb meines beschränkten Rock & Roll-Horizontes. Heja Heja von JERONIMO hat mich früher ähnlich gepackt. Nur klingt das hier moderner und ernster. Was für ein Ohrwurm.

Tolle Scheibe!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 22.07.2003

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