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| Window Dressing, InsideOut Music, 2004 |
| Chris Herin |
Guitars |
| Paul Rarick |
Vocals |
| Jeff Whittle |
Bass |
| Pat DeLeon |
Drums & Percussion |
| Gäste: |
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| Kim Mitchell |
Guitar |
| Matthew Parmenter |
Violine |
| Hugh Syme |
Keyboards |
| Produziert von: Terry Brown |
Länge: 65 Min 17 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Window Dressing | 7. Unicornicopia [Instrumental] |
| 2. Remember To Forget | 8. Paintings |
| 3. All She Knows | 9. A.02 [Instrumental] |
| 4. Capture The Flag | 10. Slippers In The Snow |
| 5. Tear-Water Tea | 11. Spindrift |
| 6. Stop Gap [Instrumental] | |
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Freunde der anspruchsvollen Rockmusik haben dieser begnadeten Band sicher schon einmal ihr Gehör geschenkt. Das Detroiter Quartett TILES ist eifriger Wegbereiter des melodischen Hardrocks gepaart mit progressiven Grundparts.
Die 1992 vom Multiinstrumentalisten Chris Herin und Drummer Mark Evans ins Leben gerufene Band benannte sich nach dem Zugang vom Sänger Paul Rarick nach einem LED ZEPPELIN-Song. Auf dem 94er Debüt übernahm Co-Produzent Kevin Chown die Bassparts. Er wurde aber kurz danach durch Jeff Whittle (ein Schüler von Chown) ausgetauscht.
TILES beziehen Ihre Inspiration aus der mittleren Phase der kanadischen Proggötter RUSH. 1999 erschien das 3. Album "Presents Of Mind" teilweise schon mit einem neuen Drummer, nämlich Pat DeLeon. Die erste Europatournee absolvierten die vier 1999 als Support von DREAM THEATER. Der neue Longplayer "Window Dressing" ist nun erschienen und wird bei den Kritikern für kontroverse Meinungen sorgen.
Gleich vorweg, es ist ein wirklich gutes Werk entstanden, das man sicherlich in keine Schublade stecken kann. Die allmächtigen RUSH werden sehr oft zitiert, was nicht verwundert, denn kein Geringerer als Terry Brown saß an den Reglern. Dieser zeichnete auch schon für die Produktionen von IQ, FATES WARNING und RUSH verantwortlich.
Die sehr charakteristische Stimme von Herrn Rarick kann durchaus Vergleiche zu Geddy Lee und manchmal auch James LaBrie standhalten. Er beherrscht die hohen klaren Tonlagen eben so wie auch das leicht rauchige, vibrierende Timbre. Trotz dem sehr melodiösen Grundtenor ist das Songmaterial nicht sofort eingängig, d.h. eine gewisse Sperrigkeit macht sich bemerkbar.
Als Gastmusiker konnte u.a. Gitarrist Kim Mitchell geworben werden, der in den 80ern mit den kanadischen Hardrockern MAX WEBSTER Rockgeschichte schrieb.
Der Opener, Titeltrack und Longtrack mit 17 Minuten Spielzeit offenbart bzw. deckt gleich das gesamte Musikspektrum der Protagonisten auf: Verschachtelte, verspielte Rhythmen bis hin zu fließenden Melodien, aber immer mit einem Hauch von Innovation umgeben. Window Dressing besticht durch die perfekte Dramaturgie, mit dem frickeligen Einleitungsteil, der in einen melodisch-komplexen Part mündet. Der Mittelteil wird von sehr sphärischen floydschen Klängen bestimmt. Das virtuose aber immer songdienliche Gitarrenspiel steuert den Zuhörer durch die Wechselbäder zwischen Aggressivität und Pathos. Die Gesangslinien erinnern hierbei einmal mehr an den DREAM THEATER Shouter.
Der 2. Track, Remember To Forget, ist ein Rocksong mit eindeutigen RUSH-Credits, der mit prägnanten kurzen Gitarrensoli aufwartet. Der transparente Sound, der übrigens den gesamten Output auszeichnet, verleiht diesem Song den nötigen Druck.
Das anschließende All She Knows erinnert in seiner Melodieführung etwas an BLUE ÖYSTER CULT. So besitzt der Track entgegen der häufigen Breaks fast schon Ohrwurmcharakter, untermalt mit sparsamen Synthies.
Das 9-minütige Capture The Flag vereinigt danach wieder alle Tugenden eines göttlichen Songwritings. Wunderbare Vocals, Progressive-Parts gehen Hand in Hand, aber immer mit der nötigen Power. Dieses Meisterstück gipfelt im mittleren Teil in unglaubliche, ausufernde Gitarrensoli. In keiner Minute macht sich Langeweile breit.
Track 5 ist eine Ballade, die trotz der wundervollen Violinenuntermalung von Matthew Parmenter (sonst bei DISCIPLINE) etwas verblasst. Die akustischen Parts wecken unbedingt Assoziationen zu KANSAS.
Das Instrumental Stop Gap ist ein kurzes, magisches Jazzrock-Stück. Hier sind mit Klarinette (?) und Orgel klare Canterburry-Einflüsse erkennbar. Es wird gefrickelt, dass einem warm ums Herz werden kann. Hier wird der Begriff Progressive in der begrenzten Zeit auf einen Nenner gebracht.
Unicornicopia, ebenfalls ein Instrumental, ist ein Kammerstück voller Leidenschaft. Mit einem melancholischen Pianointro wird im weiteren Verlauf mit einer verträumten Violine die Suspense des Songs vorangetrieben. Die Instrumentierung bleibt aber recht sparsam und verhalten. Das folgende Paintings ist ein recht bündiger Rocksong wie dieser auch auf "Power Windows" von RUSH hätte stehen können.
Das superbe Akustikinstrumental A.02 besticht mit mediterraner Atmosphäre, wobei die begleitende Mandoline und der Sirenengesang jeden gefühlsechten Romantiker auf den Plan bringt. Benützt wird das Teil als Bridge für das direkt anschließende Slippers In The Snow, das mit seinem recht harten Soundgewand aus den Träumen erwachen lässt. Letztendlich kann dieser Track auch wieder mit komplexen, verschachtelten Songstrukturen aufwarten.
Den Abschluss des Albums bestimmt noch der 10 Minuten Track Spindrift, der die Essenz des vorangegangen Materials noch einmal verarbeitet. Beachtlich ist hier auch wieder die meisterhafte Dramaturgie, deren Weg im Wettstreit zwischen Gitarristen und Bassisten ihre Erfüllung findet. Dieses wird letztendlich noch von dem verfremdeten sphärischen Gesang durchzogen. Ein orgastischer Abschluss für ein wirklich gelungenes Album.
Wer TILES schon immer zu seinen Favoriten zählte, wird "Window Dressing" besonders lieben. Nur würde ich mir für die Zukunft der Band wünschen, dass diese bei kommenden Projekten eine striktere Abkehr von ihren Leitbildern RUSH beschreiten. Denn, wie sagte Ian Anderson: "Tiles ist eine der hoffnungsvollsten Bands des noch jungen Jahrtausends."
Es bleibt nur noch zu erwähnen, dass "Window Dressing" in zwei Formaten erschienen ist: Als reguläre Version im Jewel Case und als Special Edition im Pappschuber, mit Bonus-Live-Disc.
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