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The Sights

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The Sights
The Sights, Sweet Nothing Records, 2005
Bobby Emmett Hammond Organ, Piano, Left-Hand Piano Bass, Vocals
Mike Trombley Drums
Eddie Baranek Vocals, Guitars
Gäste:
Johnny Hentch Harp (Can't Stand You)
J. Rowe Drums (Can't Stand You)
Dave Shettler Drums (Tracks 1,3,4 & 6-12)
Produziert von: Jim Diamond & The Sights Länge: 43 Min 56 Sek Medium: CD
1. Circus7. Baby's Knocking Me Down
2. Will I Be True?8. Jealous Night
3. Scratch My Name In Sin9. Just Got Robbed
4. Backseat10. Frozen Nose
5. Can't Stand You11. Suited Fine
6. Waiting On A Friend12. Good Way To Die

Nennen Sie zwei Industriestädte, deren Namen unabdingbar und für immer mit Musik in Verbindung gebracht werden müssen!

Die eine ist klar, oder? Liverpool natürlich. Und die andere ist Detroit.
Widerspruch? Ich sage nur Nathaniel Mayer, Bob Seger, Mitch Ryder, Ted Nugent, ROCKETS, Cub Koda, MC5, GRAND FUNK, Alice Cooper oder, neuzeitlicher, die DETROIT COBRAS. Natürlich machen die allesamt unterschiedliche Musik, aber eines vereint sie: Es rockt aus allen Poren!
Und das Reservoir scheint unerschöpflich. Wenn man in die Undergroundszene der Motor City einsteigt, stößt man auf Dutzende heißer Bands. Eine der besten sind wohl THE SIGHTS, die mir mit 7 Jahren Verspätung nun endlich mit ihrer neuesten, der dritten, CD auf den Tisch kommen.

Der amerikanische Rolling Stone bezeichnet die Band als Garagen-Rock. Gut, mit Sicherheit kann man das auch in einer Garage spielen. Wer sein Wohnzimmer bevorzugt, sollte schon mal den Teppich beiseite räumen, ein paar Bier kalt stellen und die Nachbarn von der dringenden Notwendigkeit einer Party überzeugen. Dann ein wenig am Player spielen und zuerst den Hidden Track Stay With Me suchen (ja ja, DAS Stay With Me von Rod Stewart) und ab geht die Post. Die Nummer wird im Laufe des Abends noch öfter laufen, zeigt aber gleich vorab, wo die SIGHTS ihren Input unter anderem her haben.
Fängt man traditionell an, also mit dem Anfang der CD, kriegt man zwei heftig rockende und wundervoll melodische Bratpfannen übergezogen. Kommt Circus noch etwas psychedelisch und mit DOORS-Anklängen, mutiert Will I Be True? vom Sixties-Stomper zum klassischen BROWNSVILLE STATION-Fetzer. 5 Minuten High-Octane-Rock zu Beginn könnte ältere Herrschaften überfordern und deswegen folgt eine vermeintliche Ballade. Aber selbst die kocht und brodelt wie giftiges Industrieabwasser.

Apropos Liverpool. Die BEATLES sind offensichtlich ganz große Helden der drei Jünglinge. Und die KINKS, WHO und PRETTY THINGS auch. Die oben genannten sowieso. Dazu noch geschätzte 80% der sonstigen hart rockenden Rock & Roll-Geschichte. Ergo: THE SIGHTS sind dermaßen retro, daß Neutöner mit der Band sicher nichts anfangen können. Allerdings bin ich überzeugt, daß es eine riesige Schnittmenge alter und junger Konsumenten gibt, die die Band lieben werden. Die einen wegen der Reminiszenzen an ihre Jugendhelden, die anderen aus Nichtkenntnis und Freude wegen der Entdeckung völlig neuer Musik. Selbst als Nicht-BEATLES-Fan muß ich den Hut ziehen, angesichts solcher überwältigender Melodien plus der allgegenwärtigen Ladung Hardrock alter Schule.
Der wesentliche Unterschied zu den britischen Retro-Kapellen und den seit ein paar Jahren hippen "The" Bands ist, daß THE SIGHTS rocken und auch noch Songs schreiben können, nicht einfach nur ausgelatschte Sixties/Seventies-Pop-Pfade neu pflastern. Gitarre muß sein (™ INFRAGRÜN) bei den Detroitern - und zwar eine ordentlich gespielte. Dazu ist Gitarrist Eddie Baranek auch noch ein formidabler Shouter, der zwischen Hysterie und EVERLY BROTHERS-Glückseligkeit variieren kann. Ich wette, daß er auch vollkommen auf Steve Marriott abfährt.
Ein Extralob geht außerdem an den sensationellen Pianisten und Hammondorgler Bobby Emmett. That's how we like it! In Good Way To Die kommt er sogar beinahe an Jon Lord heran.

Einmal mehr steht Detroit als Synonym für Powerrock ohne Ende. Wunderbar erfrischend, einfach strukturiert und trotzdem punktgenau ins Rock & Roll-Nervenzentrum zwischen Herz und Bauch treffend. Wer außerdem noch Ohren besitzt, sollte dringend in "The Sights" von THE SIGHTS reinhören!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 06.03.2005

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