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The Savoy Truffle

Roadhouse Boogie

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Roadhouse Boogie
Savoy Truffle in Spain, 2003
Roadhouse Boogie, Bic Stone/Eigenvertrieb, 2004
Monji Kadowaki Vocal, Harmonica
Toshihiro Sumitomo Lead-, Slide- & Acoustic Guitar
Yoshihiro Ogasahara Bass
Taizo Takafuji Drums
Taro Takagi Percussion
Produziert von: The Savoy Truffle Länge: 53 Min 46 Sek Medium: CD
1. Out In The Rain (5:39)6. Too Real To Feel (6:44)
2. Lowdown Blues (4:44)7. I'll Never Know (5:50)
3. Until You Can Feel It (8:19)8. Bring You Down (3:30)
4. Chevrolet (5:22)9. Give It One Good Try (6:15)
5. Don't Beat Around The Bush (7:10)

Du bist süchtig. Du kannst nicht aufhören, nach grandioser Musik zu suchen. Du kriegst Schweißausbrüche, wenn Du weißt, dass irgend eine Band eine CD gemacht hat, die Dir unter Umständen gefallen könnte und Du hast noch keinen Dealer, der sie Dir verkauft. Du bist der Droge Southern Rock verfallen und in den letzten 20 Jahren so oft enttäuscht worden von gestrecktem Stoff, der Dir maximal 10 Minuten den Kick gegeben und die Sorgen genommen hat, doch danach kam wieder die große Leere, das Zittern und der Griff zu den Hämmern des Genres. Nur um die Depression zu vertreiben, den Affen auf Deinem Rücken zu beruhigen.
Du bist eine arme Sau und geholfen kann Dir nicht mehr werden. Du wirst dahinsiechen und letztendlich verrecken im Sumpf aus Gitarren und Grooves.
Irgendwann werden wir auf der Veranda des Rehabilitationszentrums, unter Palmen und bei dezenten 28 Grad an einem Bier nuckeln und sabbernd in unseren Schaukelstühlen sitzen und dem Ende entgegendämmern. Du und ich. Zwei hoffnungslose Fälle.

Aber bis dahin (jetzt kommt eine Nachricht an alle Idiotenmusik-Hörer!) werden wir den maximalen Spaß haben und uns die Köpfe heiß reden, mit ihnen (den Köpfen) zu unserer Musik wackeln und den letzten Hosenknopf für noch eine grandiose CD opfern. Wir werden alles tun, um der Szene wieder Leben einzuhauchen und wir werden es mit großer Wahrscheinlichkeit mit Hilfe der Musik von THE SAVOY TRUFFLE tun.

Das fünfte Album dieser Band aus Japan ist jetzt da und es ist, wie die vorhergehenden, großartig geworden. Mit einer Einschränkung!
"Roadhouse Boogie" ist noch intensiver, noch groovender, noch packender und noch schöner als seine Vorgänger.

Die Schönheit beginnt beim Opener Out In The Rain mit magischen Percussions und einer sagenhaften Slideguitar-Hookline und endet nach einer knappen Stunde mit dem traumhaften Give It One Good Try und seinem Gitarrenspiel, das wir von Dickey Betts kennen und nach dem wir seit dessen Abtauchen in die Drogenrentnerobskurität verzweifelt gesucht haben. Derartige Gefühlssongmonster kann derzeit nur eine einzige andere Band kreieren: LIZARD!
Ich sage dies bewusst, weil ich unseren alten Helden, ob es nun die ALLMAN BOTHERS sind oder LYNYRD SKYNYRD oder wer auch immer, diese kreative Fähigkeit inzwischen abspreche. Deren Zeit ist vorbei, damit muss auch der allerletzte Hardcorefan leben. Das ist aber nicht schlimm, lassen wir diese Götter doch in Frieden ruhen, wir haben Nachwuchs. Nachwuchs, nach dem sich jeder Fußballverein auf der Suche nach dem nächsten Maradona die Finger lecken würde.

Ja, selbstverständlich zitieren unsere japanischen Freunde in Until You Can Feel It den großen Carlos Santana. Aber wie sie das tun! Und vor allem: Ist Santana Southern Rock?
Natürlich covern sie Chevrolet, aber so habe ich noch keine Version seit der von FOGHAT gehört. Und selbstverständlich hat Gitarrenheld Toshihiro Sumitomo einen ganz großen Gott, nämlich Warren Haynes. Das ist aber alles überhaupt nicht schlimm, denn diese Band besteht aus fünf Musikern und keiner reißt selbstsüchtig aus dem Bandkonzept aus, alle sind begnadete Musiker, die beiden Rhythmiker Taizo und Taro spielen Sänger Monji Kadowaki die Bälle zu und er verwandelt sie mit grandiosem Gesang (der gleichwohl, wie alle Stimmen, Geschmackssache ist - ich liebe ihn).

Michael Knippschild vom Southern Rock Archiv insistiert zutreffend, das ihm keine Songs dieses Albums im Ohr hängen bleiben.
Können sie auch nicht auf Anhieb, denn diese Groovewunder haben so viele Gesichter, dass sie bei jedem Hören anders wirken. Trotz aller Merkmale wie der Hendrix/Stevie Ray Vaughan-Gitarre in I'll Never Know, dem ZZ TOP-Rhythmus in Bring You Down, dem funky Brecher Lowdown Blues mit seinen Bass-Sondereinlagen oder den ALLMAN-typischen Schönklängen in fast allen Songs (lerne fliegen mit Don't Beat Around The Bush).
THE SAVOY TRUFFLE bauen ihre Songs komplex und variabel auf. Es gibt keine Beschränkungen und keine Grenzen. Alles fließt, alles geht ineinander über, es ist prachtvolle Musik.

"Roadhouse Boogie" nimmt einen mit auf eine wunderbare Reise in das Land der schönen Töne und der unendlichen Harmonien und ich bin felsenfest überzeugt, dass diese Band irgendwann in der nächsten Zeit von einer großen Plattenfirma entdeckt werden wird. Es muss dort draußen Manager-Menschen geben, die bei 8 Minuten Until You Can Feel It so wie jeder normale Musik-Junkie in Tränen ausbrechen. Oder?

Momentan gibt es die CD nur über die Band direkt. Wir werden sofort bekannt geben, wenn sich dies ändert.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 14.06.2004

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