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| Balboa Island, Côte Basque Music Group, 2007 |
| Phil May |
Lead Vocals |
| Dick Taylor |
Lead Guitar, Banjo |
| Jon Povey |
Keyboards, Harp, Vocals |
| Wally Waller |
Bass, Vocals |
| Frank Holland |
Acoustic & Lead Guitar, Vocals |
| Skip Alan |
Drums, Percussion |
| Mark St. John |
Trixon Drums, Vocals |
| Gäste: |
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| Scarlett Wrench |
Vocals |
| James Cheetham |
Piano & Organ (Blues For Robert Johnson) |
| Rupert Cobb |
Trumpet |
| Duncan Taylor-Jones |
Vocals (Dearly Beloved) |
| Produziert von: Mark St. John |
Länge: 58 Min 03 Sek |
Medium: CD |
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| 1. The Beat Goes On | 8. Feel Like Goin' Home |
| 2. Buried Alive | 9. The Ballad Of Hollis Brown |
| 3. Livin' In My Skin | 10. Freedom Song |
| 4. (Blues For) Robert Johnson | 11. Dearly Beloved |
| 5. Pretty Beat | 12. All Light Up |
| 6. In The Beginning | 13. Balboa Island |
| 7. Mimi | |
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Keith Richards sagte dieser Tage über Jagger, dass der eitel sei und auch ansonsten ein eher zweifelhafter Charakter. Danke für die Erleuchtung, Keef, wir dachten immer, Mick wäre ein absolut integrer 100%-Rocker.
Es stellt sich natürlich die Frage, ob einer wie Phil May nicht vielleicht doch ein ganz klein wenig mehr Geschäftssinn haben sollte, der Mann hat sich in seinen 63 Jahren so viele Karrierechancen verbaut, dass es schon beinahe grotesk erscheint. Andererseits ist er auch heute noch das böse Arschloch, das Rock & Roll lebt, wie es der Popanz von den STONES zuletzt etwa 1967 möglicherweise getan hat.
Phil May und Dick Taylor sind THE PRETTY THINGS. Sie sind alt und sie treten Arsch und sie können noch immer die Drecksau aus dem Koffer holen, auch wenn heute weder die Mütter (weil tot) noch die Töchter (weil seit Jahrzehnten bürgerlich verheiratet) noch die Enkel (weil ganz andere Dinge gewohnt) erschrecken werden. Dem Freund von unanständigem Rhythm & Blues werden sie mit "Balboa Island" Freude bereiten.
Alte Trickser waren sie schon immer, man höre nur "S.F. Sorrow", diesmal geben sie dem Opener The Beat Goes On kreischende Teenies in den Hintergrund. Davor schubbern Skip Alan (heißt hier plötzlich Allan) am Schlagzeug sowie Dick Taylor und Frank Holland an den Gitarren einen erfrischenden Pub-Rocker, bis eine wüste Trompete eine Stimmung wie in der Titty Twister Bar erzeugt (hier finden wir eine Analogie zu "Emotions" von 1967, die Bläser dort klangen nicht unähnlich). Finster wirken die Herrschaften sowieso gerne, nicht nur auf den Bildern im interessanten Booklet. Livin' In My Skin geht selbiger ganz schön unter die Poren mit seinem Wechselspiel zwischen Slide- und akustischer Gitarre und Mays Gegrummel. Im ersten Viertel der CD ist von großväterlicher Betulichkeit nichts zu spüren, die PRETTY THINGS rocken mehr als beachtlich.
Dass sie Robert Johnson einen Blues widmen, kommt nicht unbedingt überraschend. Der war auch ein Getriebener. Allerdings zieht sich die Nummer mit seinen vielen Backgroundgesängen dann doch etwas in die Länge. Und irgendwie scheint der Schwung der ersten Songs für eine Weile verschwunden. Erst mit Mimi und seiner herrlichen Schweineorgel schwingt das Bein wieder mit. Skip Alan trommelt sich dazu einen Wolf und zeigt was R&B-Percussion ist: Immer auf die Drei.
Stampf-Blues aus der Muddy Waters-Schule, ein schönes Cover von Dylans The Ballad Of Hollis Brown und ein träger Blues mit Jazz-Trompete folgen (Freedom Song).
Für Dearly Beloved hat sich Mr. May wohl an die BEATLES erinnert und eine wunderschöne Ballade komponiert.
Kurz vor Schluss kommt mit All Light Up ein Song, der vor 40 Jahren ein Hit hätte werden können - wenn die PRETTY THINGS damals nicht viel zu heavy und abgefahren für den Massengeschmack gewesen wären. Ein Hit wird's auch heute natürlich nicht, aber gute Musik bleibt gute Musik.
Ganz am Schluss dann der Titelsong, für den es zwei Möglichkeiten gibt: Hören und in wunderbarer Melancholie versinken, oder hören und mit den Schultern zucken. Tja, diese Band war noch nie ganz leicht zu begreifen.
Wohin "Balboa Island" die PRETTY THINGS führen wird, erscheint aufgrund der einmal mehr völlig diffusen Situation der Band fraglich zu sein. Es gibt keine Homepage (mehr), von einer weiteren Tournee ist nichts zu hören, die Reaktionen vieler alter Fans auf das Album sind erstaunlich negativ. Möglicherweise gehen Phil May und seine Spießgesellen tatsächlich als die Band in die Geschichte ein, die in fünf Jahrzehnten tätig war und immer haarscharf daneben lag. Diesmal liegt es wohl am Denken, dass früher alles besser war. Schade, die Scheibe ist nämlich beachtlich.
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