Post Modern Blues
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| Post Modern Blues, Castle Music/Sanctuary Records, 2002 (Erstveröffentlichung 1986) |
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| The Raven |
Vocals, Guitar, Programming, Kalimba, Saxophone |
| Peter Green |
Guitar, Bass |
| Mick Green |
Guitar |
| Ed Deane |
Slide Guitar, Guitar Synthesizer |
| Gypie Mayo |
Guitar, Bass |
| Gary Peters |
Guitar (atonal) |
| Lawrence Garman |
Harmonica |
| Produziert von: The Raven |
Länge: 60 Min 41 Sek |
Medium: CD |
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| 1. All Quiet | 10. Way You Dance |
| 2. Chinese White Boy | 11. End Zone |
| 3. Rock & Roll Feeling | 12. Nietzche's Ass |
| 4. Doctor | 13. Who Do You Love |
| 5. Four Minute Melody | 14. Stab The Knife |
| 6. Post Modern Blues | 15. Rosy |
| 7. Eprom Song | Bonus Tracks: |
| 8. Intensity Of Vision | 16. So Bad The Blues |
| 9. Camel's Eye Blues | 17. Monkey Man |
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Dies ist mindestens der dritte Versuch, eine gänzlich unvermarktbare Musik an den Mann zu bringen.
Warum tut sich eine Firma so etwas an? Vielleicht doch noch ein paar Mark/Euro mit bekannten Namen verdienen? Vielleicht dem Volk doch noch klar machen, dass man hier eine "wichtige" CD hat?
Vermutlich von beidem etwas.
Ich habe die LP erstmals irgendwann in den Achtzigern in die Finger bekommen. 1986 aufgenommen und unter dem Namen "Two Greens Make A Blues" lieblos auf den Markt geworfen. Mich hat sie interessiert, weil Mick Green (PIRATES) und Peter Green (FLEETWOOD MAC und Friedhof) angeblich die Protagonisten waren.
Ich kann mich noch gut an mein Entsetzen im Plattenladen erinnern, als ich diese schräge Musik damals hörte. Wirres Gedudel und mitnichten Blues, Rhythm & Blues oder Rock'n'Roll, wie man es von den beiden Greens erwarten könnte. Von Produktion kaum zu reden, dazu ein "Sänger", der nicht singen kann. Oh weh. Gekauft hab ich das Teil damals trotzdem und eigentlich nie mehr gehört. Ein Fehler? Oder war es gut so? Guter Wein muss reifen. Andererseits werden hartgekochte Eier nach 12 Minuten auch nicht wieder weich...
Jetzt, 16 Jahre später, kommen diese Aufnahmen wieder auf den Markt und ich bin überrascht, wie packend die CD heute ist.
Erklärend muss man sagen, dass die damalige LP mit Falschinformationen gespickt war. Auf dem Cover war 1. ein uraltes Bild von Peter Green, das nicht im geringsten seinem Aussehen Mitte der Achtziger entsprach und 2. das angebliche Foto von Peter Green stellte in Wirklichkeit den Drummer der PIRATES, also Frank Farley, dar.
3. war die Herausstellung der beiden Greens schlicht falsch, denn das Projekt nannte sich THE ENEMY WITHIN und wuchs auf dem Mist eines gewissen Laurie Gane, der sich The Raven nannte. Gane war ansonsten Lehrer und, in gewisser Weise, Möchtegern-Avantgardekünstler.
Laurie Gane/The Raven konnte und kann nicht singen. Aber er ist Expressionist. Das heißt, er kann Songs, Worten, Tönen einen Ausdruck geben. Er erzählt Geschichten. Über den Sinn und Zweck und Inhalt kann man unterschiedlicher Meinung sein. Das kann man bei Joseph Beuys auch.
An der Platte waren noch weitere Musiker/Gitarristen beteiligt. John "Gypie" Mayo (ehemals Dr. Feelgood, aktuell bei den Yardbirds), Ed Deane (u.a. Dave Kelly Band, Skid Row mit Gary Moore), Gary Peters und Lawrence Garman (Vorleben von beiden ist mir unbekannt).
Die Mitwirkenden sind letztlich unwichtig (das gilt auch für Peter und Mick Green), denn hier wird nicht im geringsten musikalisch brilliert.
Hinter der billigen Rhythmusmaschine und dem Sprechgesang versteckt sich keine Musik im eigentlichen Sinne. Es sind Collagen, Fetzen, Sprengsel mit gelegentlich bluesigem Touch und ein paar, mehr oder weniger wichtigen, Gitarreneinwürfen (am besten verstehbar ist wohl noch Nietzche's Ass von und mit Gypie Mayo). Oder anders ausgedrückt: Wir reden von Blues-Dadaismus.
Möchte man unbedingt einen Bezug herstellen, könnte man am ehesten Captain Beefheart heranziehen. Don Vliet war ein ähnlich schräger Vogel, der schwerst verdauliche "Musik" produzierte.
Über Captain Beefheart hat man wiederum den Bezug zu Zappa und wenn man weiter denkt, schließt sich der Kreis irgendwann wieder.
Wir reden von Kunst. Die muss man nicht unbedingt verstehen. In Kunst steckt viel Selbstverwirklichung, Egoismus und der Versuch, seinen Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Gelegentlich gelingt dies in massenkompatibler Weise. Daraus wird oft schnell Mainstream gemacht. THE ENEMY WITHIN war nie und wird nie Mainstream sein.
Belassen wir es dabei. THE ENEMY WITHIN (mit dem passenden Untertitel "Post Modern Blues") ist ein schräges Stück Musik, das in den Achtzigern so unmodern war wie heute.
Für Leute mit Mut und dem Willen sich zu öffnen, ist die CD ein Tipp. Für Puristen ist es ein Desaster.
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