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Ampersand
&
Beetroot Cheroot

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Ampersand
Beetroot Cheroot
Die CD gibt es im Home of Rock zum Hören und Kaufen
Ampersand & Beetroot Cheroot, Eigenvertrieb, 1999 & 2001
Dan Jarvis Guitar, Vocals
Marty Hellman Vocals
Pete "Finky" Finkle Drums
Pete "Buzz" Miller Bass
Ben "Molto Bene" Phillips Tenor & Alto Sax
James "Transit" Landers Trombone
Ricki "Supremo" Malet Trumpet
Produziert von: Dan Jarvis Länge: 36 Min 58 Sek
& 23 Min 26 Sek
Medium: CD
Ampersand:
1. Ma & Ska Ohr6. Fungus Punk
2. Acreson Acres7. God Is A Girl
3. Cops Make The Best Lovers8. Langostinos Con Cuernos Ohr
4. Roadworks9. Dexies For Children
5. Forest Jump10. Free The Weed
Beetroot Cheroot:
1. Beetroot Cheroot5. Dicko's Finger
2. 2001 Time6. Idiot Secrecies
3. The Lunar Funk7. Vamos a la Playa (extended version)
4. Vamos a la Playa (Let's Go To The Beach)8. Close Encounters For The Third Time (2001 Remix) Ohr

Es ist Mitte Dezember. Also kalt, nass und finster. Seit drei Monaten ist es nicht mehr möglich gewesen, in einem Biergarten zu sitzen. Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Um sie zu heben, lässt sich eine Horde außer Kontrolle geratener Kapitalverbrecher in Berlin ständig neue Gags einfallen. Höhere Steuern, längere Arbeitszeiten, ein Rentenversprechen schon ab dem siebzigsten Lebensjahr, ein kollabierendes Gesundheitssystem garantiert uns ärztliche Versorgung nur noch auf dem Seziertisch, man kreiert neue Billigjobs, aber nur um Millionen Arbeitslose vom Sozialamt fernzuhalten. Vor einem Jahr hab ich in der Kneipe 5 Mark für mein Bier bezahlt. Heute 3 Euro 30. Das sind die 3% Preissteigerung, den mir die beamteten Zahlenverbieger vorrechnen. Aha. Und zu allem Überfluss steht auch noch das Christkind vor der Tür. Dieses kleine, vom Einzelhandelsverband erfundene Monster.
Kurz: Es kotzt mich an!

Was hat das alles mit Musik zu tun? Nichts natürlich. Obwohl, vielleicht doch? Der Musikszene geht es bekanntlich auch nicht gut.
In all dieser Depression ist man beinahe geneigt, sich tagtäglich norwegischen Deathmetal oder teutonischen Gruftsound anzuhören. Natürlich nur beinahe. Man muss sich neben dem täglichen Wahnsinn nicht auch noch die Lampen mit tiefergestimmten Gitarren und grunzenden Waldschraten ausschießen. Also höre ich weiterhin meinen Lieblingssound. Boogie, Blues und Rock & Roll in allen Variationen. Und seit einigen Wochen auch einen etwas anderen Stoff.

Es geschah an einem dieser ekligen Novembertage. Ich bekam Post aus der westaustralischen Provinz. Zwei CDs einer Band namens PRAWNS WITH HORNS. Lustiger Name. Schnell zum Gefrierschrank und schauen, ob meine King Prawns auch Hörner haben (ein wenig Luxus gönnt man sich halt immer noch). Nö. Wie langweilig. Ach so, die Band bezieht das wohl eher auf ihre drei Bläser im Lineup.

Also rein mit der ersten CD. Hoppla. Erster Gedanke: KID CREOLE und seine Kokosnüsse. Erinnert sich noch jemand an den albernen Typen, der mit pseudowitzigem Ska und lächerlicher Polonaise vor Urzeiten nervte?
Aber seltsam. Ich zapple plötzlich auf dem Stuhl herum. Ma & Ska heißt die Nummer und sie macht Spaß. Nichts mit verkrampftem Blöd-Pop. Irgendwie steigt plötzlich die Zimmertemperatur.

Nächste Nummer. Schöne Gitarre. Feister Groove. Handgeblasene (häh???) Horn-Loops. Und was für ein Gesang... Himmel, wo haben die denn den Frank Zappa her? Der ist doch...? Ach was. Der hat nie solchen Funk Rock gemacht. Weg mit den Hausschuhen und die Tanzschuhe von Adidas aus dem Schrank.
Uuups, vergessen die Schnürsenkel zuzubinden. Draufgesprungen und aufs Maul gefallen. Macht nichts. Auch liegend kann man headbangen. Die singen da plötzlich von "Women in uniform" und 3 cops make the best lovers....

Mittlerweile muss ich das Fenster aufmachen. Seltsam, der hereinströmende Herbstnebel riecht so komisch nach Kräutern.

Ich unterhalte mich mit Forest Jump und spiele Luftgitarre mit ihm. Weltsensation! Die erste Funky-Air-Twin-Guitar im Duell mit drei hüpfenden Blechbläsern. Und alle in meinem Musikzimmer...
Jetzt aber Andacht! Kirchenorgel. Und was erzählt der da? God is a girl? Nette Vorstellung. Und was für eine Lightshow hier plötzlich abgeht. Stroboskop von links, Gitarre von rechts, Rap von vorne. Die Tür geht auf und ein Latino-Lover stolziert herein. Enrique? Er erzählt was auf spanisch. Langostinos con cuernos. Ich versteh keinen Ton. Aber jetzt ist Kinderstunde. Dexies for children. Was für eine Gitarre. Könnte bitte nochmal jemand so eine Zigarette drehen?

Scheiße. Jemand tritt die Tür ein. Polizei? Ach so. Nur die Beastie Boys. Die haben wohl auch von der Party gehört und schauen kurz vorbei. Aber warum rappen die Free the weed? Ich bin absolut dagegen. Das Zeug gehört nicht befreit, sondern in die Tüte! Es folgt eine wilde Session mit den Boys und Frank und Forest und mir und Bob Marley toastet "wicked show maaan... rrrrastafari.... smoke it... legalize it... you rock with the prawn with horn".

CD ist aus und wie von Geisterhand fliegt CD 2 vollautomatisch in den Player. Mittlerweile sind an die 50 Leute in meinem 15 Quadratmeter-Kabuff. Wir rätseln, was "Beetroot Cheroot" bedeuten könnte. Der gleichnamige Song steckt so eben mal die BritPop-Fraktion in die Tasche. So macht man Songs mit Melodie!
Was für ein Film. 2001 Time. Untertitel "2001, Odysee im Funk Rock". Ich hab Lust auf Schokolade. Und auf heavy Gitarren. Kommt schon! Irre dieser Service.

Mensch ist das heiß hier. Vamos Jungs! Let's go to the beach! Hey Latino! Du auch! Vamos a la Playa!
Auch nicht übel: Der Mond strahlt, die Sonne scheint. Und alles gleichzeitig. Ich schnorchel zwischen bunten Fischen und die tanzen zu Dicko's Finger einen hart rockenden Formationspogo. Auf der Koralle stehen die Trompetenfische und pusten wie wild, dass sich die Wellen brechen. Aaah, wie schön. Lasst uns am Strand relaxen. Und spielt mir nochmal Vamos a la playa. Schön lang und gejamt bitte.
Danke.

Einen Song hab ich vergessen. Idiot Secrecies. Freunde, es bleibt mein Geheimnis, was ich geraucht habe!

Kommt Euch das alles etwas wirr vor? Gut! Die PRAWNS WITH HORNS machen auch wirre Musik. Ein wirrer Mix aus kräftigem Rock, Funk, Ska, Reggae und was weiß ich noch allem. Die Kunst daran ist, dass die 8 aus diesem Durcheinander absolut partytauglichen Goodtime-Wohlfühlsound mit richtigen Songs und haufenweise Ohrwürmern kreieren. Und das muss man erst mal so hinkriegen. Ich kenne keine vergleichbare Band. Australier sind eben anders.
Eine der Top-Entdeckungen dieses Jahr!

2003 gibt es den lustigen Krabbencocktail auch in Europa. In Deutschland u.a. beim Zappa-Festival in Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern). Gourmets dürfen sich so etwas nicht entgehen lassen!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 14.12.2002

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