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Pat Travers

P.T. Power Trio 2

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P.T. Power Trio 2
P.T. Power Trio 2, Provogue Records, 2006
Pat Travers Guitar & Vocals
Steve Evans Bass
Jeff Martin Drums, Background Vocals, Lead Vocals (Red Skies & Keep Yourself Alive)
Gast:
Mike Rose Rhythm Guitar (Stone Cold Fever & Rock The Nation)
Produziert von: Mike Varney Länge: 62 Min 19 Sek Medium: CD
1. You Are The Music [M. Galley/T. Galley]8. Swlabr [Bruce/Brown]
2. I'm Yours, She's Mine [Winter]9. Red Skies [Bolin]
3. Stone Cold Fever [Frampton/Marriott/Ridley/Shirley]10. Ready For Love [Ralphs]
4. Rock Me Baby [Josea/B.B. King]11. Rock The Nation [Montrose]
5. Green Eyed Lady [Corbetta/Philips/Riordan]12. How Many More Times [Baldwin/Bonham/Page/Plant]
6. Black Night [Blackmore/Gillan/Lord/Glover/Paice]13. Keep Yourself Alive [May]
7. Aimless Lady [Farner]

HILFE! Gibt es keine Polizei, die all den Cover-CDs Einhalt gebietet? Wie oft müssen wir im Home of Rock noch Scheiben mit so unglaublich innovativen Liedern wie Rock Me Baby von B.B. King besprechen? Fällt den alten Narren denn gar nix mehr ein, außer die wirklich ganz abgeschmackten Blueskamellen noch mal durchzulutschen? Meine Güte, da freut man sich gerade noch über die gelungene Tribute-CD von DOC HOLLIDAY und schon Stunden später muss man ein Ding aus dem Cellophan wursteln, bei dem einem schon beim ersten Blick die Wallungen aus dem Ohr dampfen.
Black Night, besagtes Rock Me Baby und, der Künstler meint es leider nicht ironisch, How Many More Times stehen unter anderem auf dem Cover. Ich möchte wetten, in meinen Plattenschränken finden sich mindestens 100 Scheiben mit diesen Songs. Und die Zahl der gesehenen Livedarbietungen möchte man gar nicht wissen.

Grund der Pein ist diesmal Pat Travers. Der hatte ab Mitte der Siebziger fünf glorreiche Jahre, verkam dann zum Koks-Monster mit lauwarmen Platten, schaffte ein Comeback mit ganz ordentlichen Bluesrock-Elaboraten und eignete sich leider sehr schnell diesen gewissen Mike "alles klingt gleich" Varney Sound an, bei dem er bis heute hängen blieb. Im Grunde sind seine sämtlichen CDs, und das sind nicht wenige, seit 1992 ("Blues Tracks") mehr oder weniger beliebig austauschbar. Vor eineinhalb Jahren hatte ich kurzzeitig Hoffnung, als die erste Scheibe mit Carmine Appice ("It Takes A Lot Of Balls") wirklich gut einschlug, aber die Chance auf nachhaltige Freude zerschlug sich schon Ende 2005 mit der schwachbrüstigen Travers & Appice CD "Bazooka". Und bereits wenige Wochen nach dieser CD kommt Travers bereits mit seinem nächsten Machwerk. Mein Schlusswort zu "Bazooka" ("Vielleicht sollten sich die Helden ein bisschen mehr Zeit für ihre CDs nehmen") hat er nicht beherzigt und das ist sehr sehr schlecht.

2003 gab es "Power Trio" Nummer 1, selbstverständlich ebenfalls mit Coverversionen aus den Sechzigern und Siebzigern, damals waren Drum-Urgestein Aynsley Dunbar und der Österreicher Gunter Nezhoda am Bass dabei, diesmal sind es Jeff Martin (u.a. MSG und RACER X) am Schlagzeug und Steve Evans (zockte beispielsweise für Coco Montoya) am Bass, die die Staffage für Pat Travers und seine Soloorgien bilden. Technisch sind alle drei natürlich vollkommen über jeden Zweifel erhaben, aber...
Stone Cold Fever ohne Steve Marriott, Black Night ohne Ian Gillan, Ready For Love ohne Paul Rodgers, Rock The Nation ohne Sammy Hagar, How Many More Times ohne Robert Plant und Keep Yourself Alive ohne Freddie Mercury, dafür mit dem stimmlich seit jeher limitierten Pat Travers. Wie soll das gut gehen? Gar nicht!
Natürlich ist Travers ein unglaublich geiler Gitarrist, eben bei den gerade genannten Geniestreichen lässt er es zum größten Teil grandios rauschen, aber genau diese Songs schreien geradezu nach ihren Originalsängern, oder wenigstens nach ähnlich begabten Schreihälsen, jedoch keinesfalls nach Travers, der die Klassiker richtiggehend degradiert. Ich meine, unsereins hustet ja auch nicht schreibend gegen Günter Grass an.

Wirklich und in Gänze, also auch gesanglich, weil die Originale wenigstens halbwegs ersetzbar sind, funktioniert die Nachspielarie bei You Are The Music von TRAPEZE und I'm Yours, She's Mine von Johnny Winter (es fehlt nur das Quäntchen echtes Leiden und echte Hingabe, Johnny war halt DER Gott unter den Bluesrockgitarristen) sowie einigermaßen bei Aimless Lady von GRAND FUNK RAILROAD. Okay, Red Skies von Tommy Bolin kommt ebenfalls authentisch, nur leider fand ich die Nummer schon bei der JAMES GANG unterdurchschnittlich.
Es finden sich auch ein, zwei oder drei echte Langweiler auf der Scheibe: Green-Eyed Lady von SUGARLOAF, Swlabr von CREAM und natürlich Rock Me Baby. Das ist nicht weiter tragisch, damit muss man bei den meisten Longplayern leben. Schlimmer sind die Verramschungen der o.g. Wundertiere unter den Rockklassikern. So unterschiedlich Freddie Mercury und Steve Marriott auch sind, es ist sträflich, sie auf ein Einheitsbrülllevel im Trioformat zu reduzieren. Es tut mir leid, für mich ist das Tütensuppe ohne Mark, Bein und Fleisch. Dafür sind die Nudeln verkocht.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 14.02.2006

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