| Deep Dale, Demo / Eigenvertrieb, 2002 |
 |
 |
| Kerstin Holst |
Vocals |
| Torsten Urban |
Guitar |
| Kay Sandau |
Bass |
| Detlef Unruh |
Drums |
| Produziert von: Ösi Four Lane |
Länge: 22 Min 08 Sek |
Medium: CD |
|
 |  |
| 1. Live Your Life | 3. I'm Only |
| 2. My Friend | 4. Try (Just A Little Bit Harder) |
 |
Was uns heutzutage alles als "Retro" verkauft wird, nötigt dem echten Veteranen nicht mal mehr ein müdes Lächeln ab. Spandexhosen tragende Jungfriseusinnen mit Namen Karl-Heinz huldigen den "goldenen" 80ern zu Klängen von Mötley Crüe und "Slippery When Wet". Lächerlich. Die letzte echte Retro Band waren eh die Black Crowes. Und die haben ihre Wurzeln aus den 60ern und 70ern. Wer wirklich retro sein will, muss zumindest Namen wie Led Zeppelin, The Doors, Grateful Dead oder eben Janis Joplin unfallfrei aussprechen können.
Klasse Überleitung. Um Janis geht es. Oder auch nicht. Oder doch? Auf jeden Fall war Janis Joplin die eindrucksvollste Sängerin aller Zeiten. Irgendwelche Widersprüche? Gut.
Keine, egal ob unglaublich stimmgewaltig, wahnsinnig gut aussehend oder sensationell charismatisch und begabt, konnte auch nur annähernd die Präsenz einer Joplin erreichen. Maggie Bell war vielleicht die bessere Sängerin, Alannah Myles hat tonnenweise mehr Sex in den Beinen, Bonnie Raitt kann auch noch geil Gitarre spielen, Lou Ann Barton wurde vom Leben besser behandelt und tausend andere waren kommerziell erfolgreicher. Aber Janis ist Janis bleibt Janis. Und die unsterblichen Klassiker sind von IHR.
Alle Versuche, eine neue Janis zu kreieren schlugen fehl. Alle Versuche, ihre alten Songs zu covern scheitern in der Regel kläglich. Und genau dann kommt eine Band aus Salzwedel in Norddeutschland und musiziert in genau diesem Geist der Sixties, mit einer Sängerin, die frappierend nahe an der Röhre von Janis dran ist.
Geist der Sixties. Schon wieder so ein Allgemeinplatz, der der Band ÖSI FOUR LANE nicht gerecht wird. Da ist viel mehr drin. Natürlich klingt manches nach Big Brother And The Holding Company. Aber dann tobt auch die beängstigende Wucht von Black Sabbath gepaart mit der Wut eines Kurt Cobain durch die Boxen. Allerdings in deutlich besserer handwerklicher Qualität.
Die Band hat Kollegin Ilka live überzeugt (siehe Bildergalerie). Die mag erstens keine Coverbands und zweitens keine Frauen am Mikro (Stutenbissigkeit?). Eine reine Coverband sind ÖSI FOUR LANE nicht und Kerstin Holst überzeugt nun mal mit ihrer gewaltigen Stimme und die Band spielt sich auf der Bühne den Arsch ab (O-Ton Ilka!).
Und diesen Eindruck bestätigt das vorliegende 4-Track-Demo voll und ganz. Tolle Band, phantastische Sängerin, hervorragende Songs, die die Jahre 1968, 1991 und 2002 verbinden. Also harte, wilde, psychedelische Bluesklänge, Alternative Rock, Stoner Rock ohne jeden Reibungsverlust ins Hier und Jetzt transportiert. Bestes Beispiel hierfür ist der Kracher I'm Only. Und wenn Kerstin My Friend zelebriert, glaubt man ihr das und hat fast ein bisschen Angst. Eine gewisse andere Sängerin hätte auch einen Freund gebraucht...
Damit es auch der letzte Ignorant kapiert, haben die 3 Jungs und das Mädel natürlich auch eine von Janis berühmt gemachte Nummer eingepielt. Try (Just a little bit harder), vom 69er "I Got Dem Ol' Kozmic Blues Again Mama!"-Album, live aufgenommen (dank dem unermüdlichen Cover-Spezialisten Herbert Zach von coverinfo.de wissen wir jetzt auch, dass die Nummer von Jerry Ragavoy und Chip Taylor ist und erstmals 1965 von Lorraine Ellison gesungen wurde. Danke!). Es ist ist wohl eine der besten Version eines Joplin-Songs (beinahe jedenfalls), die ich jemals gehört habe. Und ich habe schon viele gehört...
Klasse Demo mit hervorragendem Sound!
Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 11.08.2002
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|